15. Überwald-Bike-Marathon Siedelsbrunn

Gestern stand mein erst zweiter MTB-Marathon der Saison an. Ich meldete für die Langdistanz, während aufgrund der Wettervorhersage viele Fahrer auf die Mittel- oder Kurzstrecke ummeldeten bzw. gar nicht erschienen und/oder meldeten. So war es ein für Siedelsbrunn sehr kleines Startfeld. Ich wusste, dass ich nicht würde konkurrieren können. Mir fehlen die MTB-Kilometer, erst recht, was Rennen angeht.  6 starke Damen waren zudem schon im Vorfeld gemeldet, und üblicherweise bleibt es nicht dabei.

Am Start ließ ich es locker angehen, holperte anfangs auch über die Trails, bis ich mich einfand, und fuhr dann mit der späteren 5. Seniorin bzw. dann der 2. Dame der Mittelstrecke, die ein entspanntes Tempo anschlugen. Als es in der 2. Runde aber heftig zu regnen begann, ich nichts mehr sah und erste Schaltprobleme auftraten, ließ ich die beiden zu ihrem “Finale” ziehen und begann zu kämfen: Immer wieder die Brille säubern, die Kontaktlinsen schlammfrei halten, verlorene Flaschen anderer Fahrer nutzen, um den Antrieb zu reinigen. Kettenklemmer um Kettenklemmer ließen mir die Beine zugehen, später versagten die Bremsen und ich hatte einen etwas unangenehmen Sturz deswegen. Mir war extrem kalt, ich hatte Durst und auch Hunger, wollte mein letztes Gel aber aufsparen.

Ohnehin nicht besonders schnell unterwegs, war ich nun wirklich langsam. Es war Überwindung, unter diesen Bedingungen in die 3. Runde zu gehen, insbesondere als man mich fragte: “Aufgeben oder weiterfahren? Es sind schon einige ausgestiegen.” Auf der 3. Runde war ich dann so ziemlich alleine, wurde dann noch von einer Frau aufgeholt, mit ihr und einem Mann war ich von da ab quasi allein unterwegs, und dem Schlussfahrzeug, das von da ab treu hinter uns fuhr… Die Frau war immer schön vor mir, ein guter Fixpunkt, während wir durch Schlammtiefen und neue Bachläufe kämpften; dann nach einem Abzweig im ersten Drittel der Runde aber war sie plötzlich verschwunden. Ich hatte nicht  lange Zeit, mich zu fragen, wo sie abgeblieben war, musste ich mich doch auf’s “Überleben” konzentrieren. Später erfuhr ich, dass sie in der Folge falsch gefahren war und unfreiwillig massiv “abgekürzt” hatte. Gott sei Dank hatte sie überhaupt zurück zum Start-Ziel-Bereich gefunden. Allerdings waren uns in der 3. Runde auch Hindernisse in den Weg gelegt und Markierungen verdreht worden, und das Schlussfahrzeug war es, dass mich selbst gegen Ende des Rennens kurz vom falschen Weg abbrachte und an anderer Stelle den Mann einholte, der ebenfalls falsch gefahren war.

Ich habe über eine Stunde länger gebraucht als die Siegerin Danièle Troesch aus dem Elsass. Sie ist sehr gut gefahren und ich enorm schlecht. Somit war ich überrascht, als man uns aus den Duschen zur Siegerehrung rief: Wegen ihres Falschfahrens wurde ich gemeinsam mit der 3.-Platzierten auf den 3. Platz gestellt.  Ich bin die letzte Fahrerin, die ins Ziel kam, auch eine neue Erfahrung. Trotzdem bin ich stolz, mich durch alle Widrigkeiten gekämpft zu haben:

Wenn man nichts mehr sieht, keine Kraft mehr hat, die Schaltung nicht mehr will, und dann auch die Bremsen nicht, Essen fehlt (ich hatte mich in der Kalkulation der Gels vertan) und Trinken (Brille und Antrieb reinigen hatten Vorrang), es extrem kalt ist und mehr als nass, ist weiterfahren nicht unbedingt die erste Option. Ich bin dankbar, dass ich mich dafür entschieden habe.

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