2013 – Schwere Kost verdauen: Ein Rückblick

Manche Dinge anzuschauen fällt mir schwer. Dazu gehört grundsätzlich das vergangene Jahr. Weil es schwierig ist, einen Überblick zu bekommen. Weil manche Dinge nicht gut liefen. Und an die denke ich – selbstverständlich – immer zuerst. Und weil mich diese negativen Aspekte im Jahr 2013 sehr viel Kraft gekostet haben. Außerdem, weil man Unangenehmes wohl sowieso ungern anschaut und erst recht ungern davon berichtet. Ich versuch’s trotzdem. Rückblickend verstehe ich nicht, warum ich nicht viel früher die Notbremse gezogen habe, warum ich dachte, ich müsste so einfach weiter machen, obwohl der Erfolg längst ausgeblieben war:

Und hier geht es nicht ums Radfahren. Das nämlich gehört zu dem Teil des Jahres, an den ich gern zurück denke, und das trotz aller Widrigkeiten: Zwar konnte ich erst spät in die Saison einsteigen, sehr spät sogar, und das dann auch noch mit einem absolut unzureichenden Trainingspensum im Rücken. Aber was dann kam, war in Ordnung: Ich habe regelmäßig trainiert und einiges dabei richtig gut gemacht. Die wenigen Rennen, die ich fahren konnte, waren ebenfalls gut. Ich habe viel erlebt, viel gelernt, hatte viel Spaß. Ich hab’ das Beste draus gemacht. Und darum bin ich soweit zufrieden.

Das andere, was gar nicht gut lief, habe ich vor allem deshalb nicht rechtzeitig festgestellt, weil ich darüber geschwiegen habe. Das ist eine weitere Sache, die ich nun hoffentlich gelernt habe: Meine Sicht der Dinge, insbesondere wenn es um die Bewertung meiner selbst geht, ist nicht immer optimal. Es ist nicht alles meine Schuld, was nicht gut läuft und es lässt sich nicht alles dadurch regeln, dass man sich stillschweigend immer und immer nur härter bemüht. Außerdem kann man wohl sagen, dass es ein Notsignal sein sollte, wenn man beginnt, andere zu meiden, aus Angst, sie könnten Fragen stellen. Und mit anderen meine ich meine engsten Freunde und Familienmitglieder.

Nur gut, dass die Fragen irgendwann – ganz unerwartet – dann doch noch kamen und beharrliche Rückfragen auf meine zu Anfang ausweichenden Antworten, dass dann wiederum alles heraus brach und dann endlich neben meiner durchaus sehr einseitig harten, selbstverurteilenden Sicht mehrere ganz andere zum Tragen kommen konnten. Erstaunt war ich, sehr berührt, und erleichtert. Und habe eine Kehrtwende vollzogen: Stopp! So nicht mehr! Nicht mit mir!

Es macht Angst, einen neuen Weg einzuschlagen bzw. etwas aufzugeben, was nicht gut war, noch einmal neu anzufangen. Doch welchen Sinn hätte es, bei aller Verzweiflung etwas fortzusetzen, ohne Fortschritte, nur um sich der Angst vor dem Loslassen nicht stellen zu müssen?

Kryptische Worte. Deshalb, weil ich nicht alles Private nach außen kehren möchte. Trotzdem darüber schreiben, weil es Teil meines Lebens ist und Teil des Radfahrens dann doch irgendwie auch und weil man von schlechten Tagen nicht schweigen soll, wenn man die guten ehrlich loben will. Es geht um eine große Arbeit, in die ich sehr viel Hoffnung, Zeit und Energie, nicht zuletzt auch Geld und Lebensplanungen gesteckt hatte. Soviel kann ich sagen.

Eine große Last ist mir nun also von den Schultern genommen, was ganz gut ist im Blick auf den Jahreswechsel. Unbescholten gehe ich trotzdem nicht ins neue Jahr: Die Erfahrung nehme ich mit. Mich nehme ich mit. Die Angst. Die Stimme im Kopf, die sagt: „Die anderen hätten das hinbekommen.“, und die nie schweigt, auch im Radsport: „Die anderen wären nicht schon wieder krank geworden.“, „Die anderen hätten auf sich aufgepasst.“, „Die anderen hätten das geschafft.“.

Was müssen diese anderen doch für Menschen sein, die nie zu stürzen scheinen? – Denn eigentlich wollt’ ich keinen zum Freund haben, der nicht versteht, wie es ist, zu fallen und immer wieder aufzustehen. Und letztlich wollt ich auch nicht ein solcher Freund sein.

Ich vergess’ es nur immer wieder.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>