When the going gets tough.

Ich war die letzten Tage etwas frustriert: Weil ich mich am letzten Sonntag so schlecht gefühlt hatte.

Dann wiederum sagte ich mir: “Arnhild, Du wusstest doch, dass es so sein würde. Du hattest Dich darauf eingestellt, zu leiden und nichtsdestotrotz keinen Boden gutmachen zu können. Du hattest es doch nur durchstehen wollen.” – Ja, ja, ja! Mag alles sein! Und ja, ich habe alles gegeben und gelitten wie es nur möglich war. Mehr war nicht drin. Aber es fühlt sich trotzdem nicht richtig an: Danach so kaputt zu sein. Soviel Zeit auf die ersten Fahrerinnen verloren zu haben. Dann das gesamte Danach-Paket: Ein paar Tage pausieren zu müssen. Müde sein in Kopf und Körper. Mir vorzuwerfen, ich hätte sicherlich etwas anders tun können und das vielleicht dann doch vermeiden. Kopfkino im negativen Sinn.

Gestern durfte ich wenigstens wieder eine kleine Runde drehen, mit dem tollen Trek Madone bei aller Bescheidenheit, was Tempo und Streckenwahl anging, ein schönes Erlebnis: Wie das rollt!!!

Und gleich schaue ich mir den MTB Worldcup an (Eliminator Sprint in Albstadt!). Und dann rolle ich noch eine Runde und schau’ kurz bei Annette vorbei.

Trübsal blasen bringt einen auch nicht weiter

Ich steh zur Zeit echt neben mir. Ein ständiges Hoch und Tief macht mir zu schaffen. Heute gehts mir super, morgen bin ich wieder nur am grübeln. Worüber ich mir den Kopf zerbreche? Naja, eigentlich hat es angefangen, dass ich es versäumt hatte, mein MTB rechtzeitig zum Service zu bringen. Die Folge: Nach meinem ersten Rennen gab meine Federgabel den Geist auf und ich sah mich gezwungen, diese zu Fox zu schicken. Seitdem bin ich kein Mountainbike mehr gefahren und es fehlt mir total. Klar, man kann die Zeit auch anders nutzen, z.B. mit Kilometer spulen auf dem RR. Aber dennoch fehlt mir das Adrenalin beim runterbrausen, der Kampfgeist bei knackigen Anstiegen und die Gemeinschaft mit meiner “Radtruppe”. Außerdem fehlt mir zunehmend die Sicherheit auf dem MTB. Das 2. Rennen des LBS-Cups hab ich schon verpasst. Das 3. sollte ich nicht verpassen…dachte ich….die Idee meiner Schwester, bei Engelhorn Sports ein Rad zu leihen, war eine großartige Idee. Doch ich, so verpeilt und neben mir stehend, wie ich war, bin gestern nach Mannheim gefahren, hab ein Rad mitgenommen, OHNE es vorher zu testen und – oh welch Wunder – es passte natürlich nicht…..meine Frustration war nicht mehr zu übersehen. Mein Freund musste mich “trösten” und das Telefonat mit meiner Mum heute morgen hat mich gott sei Dank auch wieder aufgebaut. Ich darf mir einfach nicht zu sehr den Kopf zerbrechen…..ich muss Dinge hinnehmen wie sie sind und das Beste draus machen. Was erreich ich damit, wenn ich “Wieso über Dinge aufregen, die du eh nicht ändern kannst”. Diesen Satz hält er mir jetzt immer vor, wenn ich dran bin, mich über alles und jeden aufzuregen. Doch, halt…….falsche Richtung! Ich schlage einfach einen anderen Weg ein. GUt, den LBS-Cup hab ich “verhauen” für diese Saison. Aber es gibt noch soviele Marathons, CTF oder sonstige Events, an denen ich teilnehmen und mit Freude und Power mitfahren kann. Und nächstes Jahr hab ich dann, mit einem hoffentlich besseren Trainingsstand, die Chance, den GESAMTEN LBS-Cup mitzufahren. Denn das will ich unbedingt! Und bis dahin heißt es einfach nur:

Radfahren, Power, Motivation, Ansporn, Erfolg, Schweiß, Miteinander und Spaß pur!!!!!

Ganz unten kann auch ganz oben sein

Ja es ging auf und ab…nicht nur was die Strecken beim 3-Tages Etappenrennen in Österreich oder dem Bundesligarennen in Karbach angeht, bei denen ich an den letzten beiden Wochenenden für das Team Stuttgart unterwegs war.

Nein es geht eben nicht immer geradeaus (ja bei den Strecken natürlich auch wieder nicht ;-)…dabei waren die Ergebnisse in Österreich ganz zufriedenstellend und wir konnten als Team alle drei wirklich äußerst nassen und unangenehmen Tage gut überstehen. Zum ersten Mal habe ich es dabei auch geschafft im Zeitfahren eine “verbesserte” Leistung zu zeigen und vermutlich liegt es nicht nur am Material :-P

Leider ereilte mich dann eben am letzten Tag noch ein Sturz, teils aufgrund der nassen Straße, teils sicher auch aufgrund eines zu hohen Risikos, welches ich in Verfolgung des Feldes einzugehen bereit war. Zack hing ich in einem Begleitfahrzeug inklusive Überschlag…naja wieder aufs Rad und weiter. Angekommen bin ich dann auch noch mit einem akzeptablen Rückstand und so waren wir alle nur froh das Schlecht-Wetter-Österreich schnell verlassen zu können.

Die Woche danach immer wieder undefinierbare Knieschmerzen, die vom Sturz herrühren mussten. Trainiert habe ich trotzdem, zwar mit weniger Druck, aber im Hinblick auf das Bundesligarennen in Karbach wollte ich es nicht schleifen lassen. Das Rennen selbst dann erwartbar mittelmäßig: zu weit hinten am Start, nach 3km der entscheidende Anstieg, Knieschmerzen, Frust und 3 Stunden in einer hinteren Gruppe, in der ich zumindest mein Knie nicht überstrapazieren musste. Verflucht habe ich dabei jeden der 111 zu fahrenden km und war froh wenigstens auf den letzten 2 km noch einmal für meine Teamkollegin den Sprint anziehen zu können. Wenigstens einmal vorne sozusagen :-)

Da das Knie aber nach dem Rennen eher schlechter als besser war, hieß es für mich wirklich mal Ruhe. Also kein Rad, Pause und Gedanken. Wenn man viel Zeit hat, kann man auch viel überlegen…gut ist das selten. Die Tage habe ich dennoch überstanden und als ich es nicht mehr für möglich hielt, kam tatsächlich noch eine gute Nachricht. Und die hat es auch geschafft vieles von dem Frust zu kompensieren, der sich da so angesammelt hatte.

Daher hoffe ich, dass es jetzt in allen Belangen aufwärts geht und ich die nächsten Aufgaben, egal welche es so sein mögen, positiv angehen kann.
#Annette

Was war los?

Warum in 3 Wochen 3 Rennen sind, die man unbedingt mitnehmen möchte, wenn man sich nicht gut fühlt, bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Oder auch nicht. Vielleicht soll das so.

Ich hatte ja auf jeden Fall beschlossen, nichtsdestotrotz allen Spaß der Welt zu haben in Schotten, und den hatte ich (zumindest nach dem ersten nicht-enden-wollenden Berg, von dem ich schon vorher wusste, dass er gemein weh tun würde) auch! Gewappnet war ich, somit konnte der zähe Einstieg mich nicht zermürben (und auch nicht die vielen Damen, die ich nur von hinten zu Gesicht bekam und später dann nie wieder). Dann doch eher schon der verdorbene Endlostraumpfad danach. Aber da war ja immer noch die Aussicht – nicht vergessen, wir waren in der Vogelsbergregion, und die ist so urtümlich schön, dass ich nicht bereit war, aufgrund von renntaktischen Überlegungen darauf zu verzichten, immer mal wieder den einen oder anderen staunenden Blick in die Ferne zu richten -, das völlig überraschend wunderbare Wetter, die schöne Strecke, die klare Luft, mein tolles Fahrrad, beste persönliche Betreuung durch meinen Schatz. Weshalb sollte ich mir durch platte Beine den Tag verderben lassen?

Hinterher war ich dennoch selbstverständlich rechtschaffen erschöpft und der Weg zu den Duschen (was die Menschen so alles unter “500 Meter” verstehen) in Gesellschaft eines weiteren Reinheitssuchenden entsprechend mühsam. Immerhin bekam ich so eine bilderbuchtaugliche Altstadt zu sehen, das hat man nicht alle Tage. Es kann doch ein Segen sein, wenn eine Region jahrhundertelang nicht wohlhabend war.

Nach dem Duschen ging’s ab nach Hause und das Ergebnis habe ich gestern abend erst gelesen: Platz 9 bei den Seniorinnen (das Feld von uns “alten Ladies” war wohl ganz gut besetzt, in der Damenklasse wäre die erste Seniorin allerdings auf Platz 3 gelandet), mit sage und schreibe 33 Minuten und 25 Sekunden Rückstand auf Platz 1 der Damenklasse und immer noch 27 Minuten, 44 Sekunden auf Platz 1 der Seniorinnen.

Und schließlich fehlten mir 16 Minuten auf Platz 3 der Seniorinnen, das ist ein ganzes Stück Holz. Genauergesagt, hätte ich dafür 1,76 km/h schneller fahren müssen….

Es bleibt jedoch ein schönes Rennen, tolle Strecke, nette Leute, super Landschaft, traumhaftes Wetter, hach, und mein handliches Rädchen (jetzt, wo die neuen Superreifen drauf sind, noch viel besser!).

Am Sonntag folgt Siedelsbrunn, wo ich meinen allerersten Marathon gefahren bin.

“Fair play”

Ich habe das gestrige Rennen ganz gut überstanden. Erstmals weiß ich meine Position nicht, aber die werde ich schon noch erfahren. Bis dahin aber ein ganz anders Thema:

Fair play. Das hat mich gestern eine Weile lang beschäftigt: Ich habe mich über eine Konkurrentin geärgert, massiv. Irgendwann waren es sehr viele Fahrer, die hinter ihr hingen, während sie niemanden vorbei ließ und jegliche Überholversuche an den wenigen und sehr kurzen breiteren Stellen mit Zwischensprints vereitelte. Letztlich konnten 2 oder 3 starke Fahrer dennoch passieren, aber wir übrigen durften im Schneckentempo sehr, sehr lange Zeit ihr fahrtechnisches Miserium live miterleben.

Es war ein schöner Trail, ein sehr schöner, den man wunderbar hätte genießen können. Teils jedoch musste man absteigen, weil sie vorn (viel zu dicker Gang, Linienwahl nichtexistent und ja, irgendwann wusste man recht genau, was alles sie falsch machte, wir durften ja lange genug zusehen) nicht vom Acker kam. Das ging mir auf die Nerven, nachdem ich realisiert hatte, dass sie aktiv zu verhindern suchte, dass irgendwer vorbei kam. Und das fand ich nicht in Ordnung.

Ich hatte verdammt viel Zeit zum Überlegen, also überlegte ich, ob meine Kritik gerechtfertigt sei. Ich wollte nicht unfair sein, nur aus Frust, dass ich nicht vorbei kam (wäre ich stärker, hätte ich ja vorbei sprinten können. Andererseits, es gab letztlich nur eine Gelegenheit, wo man trotz ihrer bewussten Konter hätte vorbei kommen können und da haben es die 3 vor mir gerade noch geschafft und der Rest nicht mehr, ich war halb vorbei und musste wieder einscheren, weil es wieder eng wurde). Also habe ich überlegt, wie ich es selbst halte.

Okay, und da fielen mir Grundregeln in meinem Kopf auf: Schnellere möglichst rasch vorbei lassen. Mich entschuldigen, wenn ich jemanden aufgehalten, ausgebremst oder zum Absteigen gezwungen habe (nicht bemerkt, Fahrfehler meinerseits o. Ä.). Auch im technischen Terrain möglichst seitlich halten, wenn Fahrer von hinten kommen. Darauf achten, auch wenn ich kaputt bin, andere vorbei zu lassen. Gefahren/plötzliche Richtungwechsel per Handzeichen/Zuruf markieren. Andere motivieren, etwas nettes zurufen, wenn etwas schief läuft. Schauen, wie es Gestürzten geht oder solchen, die schieben. (…)

Ich will mich hier nicht profilieren, denn das, was ich oben aufgelistet habe, ist selbstverständlich. Gelernt habe ich es nicht, weil mir es jemand gesagt hat, sondern weil ich es von Beginn an bei anderen gesehen, von ihnen erlebt habe und ebenso gehalten.

Nun, und wenn ich weiß, dass ich eine Stelle evtl. nicht schaffe, lasse ich schnellere/stärkere Fahrer passieren. Oder wenn ich absteigen musste, steige ich so wieder auf, dass man vorbei kommt. Auch das sollte man so tun und habe ich wiederum von anderen abgeschaut.

Meine Überlegungen gestern kamen zu einem eindeutigen Ergebnis, als besagte Dame, sie war sehr stark und konnte enorm beschleunigen, sobald es das Gelände zuließ, vor einem kurzen Steilstück bewusst andere schnitt und dann – es war zu erwarten gewesen – vom Rad musste. Sie zwang so gut 10 Personen vom Rad, stieg später so wieder auf, dass auch niemand vorbei kam und ja, da war ich richtig wütend.

Das ist nicht in Ordnung. Leute: Ob stark oder schwach, sportlich faires Verhalten gehört dazu. Und die Lady von gestern, ich habe sie ganz schön angemacht, mehrfach, und schäme mich nicht dafür, hätte durchaus profitiert, hätte sie all diejenigen, die technisch um Welten besser waren als sie, nach vorn gelassen und sich hinten an gehängt. So hätte zumindest ihre Linienwahl ansatzweise gepasst und sie wäre sicherer und um ein Vielfaches schneller durch die technischen Passagen gekommen.

Abgesehen von diesem selten extremen Negativbeispiel habe ich vom Start bis ins Ziel nur sehr freundliche Erfahrungen gemacht und eine tolle neue Strecke kennen gelernt, die ich auf jeden Fall wieder einmal fahren möchte!

Wer kein Ziel hat, kann auch keines erreichen

Die Worte des “Lao Tse” gefallen mir. Das Zitat hab ich zufällig gelesen und es passt einfach gut zu jedem! Im Moment ist es für mich schwierig, das Ziel vor Augen zu behalten. Ich habe täglich Kopfschmerzen (woher auch immer sie kommen) die erst im Laufe des Morgens verschwinden. Die letzte Woche war sehr anstrengend und ich hatte kaum MÖglichkeit, zu trainieren. Dann noch die Hiobsbotschaft dass ich am heutigen Rennen in Mannheim (meiner damaligen 2. Heimat…) nicht teilnehmen kann da mein Rad noch nicht fertig ist (Foxgabel im Service). Es ist zum “Mäuse melken”…..Aber….es gibt auch schöne Erlebnisse….den gestrigen Tag auf dem Rad. Die Landschaft durch die Pfalz war herrlich. VIele Felder, Wiesen, Wälder und Sonne pur. Das lässt mich dann wieder für kurze zeit einfach den Rest ausblenden und ich schaue nur und genieße….

10305069_392612797546267_7412077251336036650_n

Hauptaugenmerk

Was für ein seltsames Wort: “Hauptaugenmerk”! (Ich musste es nach dem Schreiben doch kurz einmal nachschauen: “Gibt’s das wirklich?!” Im Kopf schon, aber man weiß ja nie…)

Wie dem auch sei, mein Hauptaugenmerk für das morgige Rennen, worauf soll es liegen? Ich will – unabhängig von der Form – ein gutes Rennen fahren. Die Leistung jedoch ist erst einmal völlig nebensächlich, solange ich im Ziel ankomme. Aber ich möchte in den Rhythmus finden, den mein Körper morgen braucht. Ich möchte technisch schön fahren. Ich möchte “sauber” essen und trinken, sowohl während dem Rennen als auch zuvor und hinterher. Ein weiteres Ziel ist eigentlich schon geschafft: Frühzeitig alles zu richten und vorzubereiten. Und einen kleinen Wunsch habe ich zudem: Dass es mir nach dem Rennen besser geht als nach dem letzten. Das wäre sehr schön.

Und nun kann ich mein Hauptaugenmerk auf die Vorfreude richten: Darauf, die neuen Klamotten erstmals komplett tragen zu dürfen. Darauf, mit vielen anderen Frauen im Feld fahren zu dürfen (gemeldet sind nicht wenige). Darauf, ein ganz neues Rennen kennen zu lernen. Nicht zuletzt auf meine neuen Reifen (die sollen nun endlich schlammtauglich sein). Und darauf, dass ich ich aufgrund dieser Reifen den Schlamm werde genießen können, auch wenn es kalt und nass sein sollte.

Aus Fehlern lernen.

“Aus Fehlern lernen.”, den Satz unterschreibt jeder, gehört er doch zum Standardvokabular. Andererseits, zumindest in meinem Fall, gehört die Umsetzung nicht unbedingt immer und überall zu meinem Standardprocedere. Das möchte ich ändern.
Immerhin bin ich so weit, zu erkennen, dass es nicht hilfreich ist, alles schlecht zu reden. Ich habe diese Woche beispielsweise sicherlich zuviel Zeit damit zugebracht, mir zu überlegen, was alles nicht gut war beim letzten Rennen. In dem Bestreben, es in Zukunft besser zu machen. Aber letztlich bin ich so “hängen geblieben” und  nicht vorwärts gekommen, wie ich es ja gern hätte tun wollen.

Dann aber habe ich den Werbeclip von Mariane Vos für Liv Cycling (Giant) gesehen, in dem sie sagt: “I never  know how the ride … (?), but I know I will give it my best. – That way I never really lose.”

Von daher ist es gleich, ob ich nun dies oder das hätte anders tun können. Ich weiß, ich habe alles gegeben. Und Spaß hatte ich ebenfalls. Darum geht es. So kann ich tatsächlich niemals wirklich verlieren.

Auf der anderen Seite will ich es selbstverständlich besser machen, es zukünftig leichter haben, etwas weniger leiden bzw. vielleicht einfach “zweckdienlicher leiden”. Es ist also durchaus sinnvoll zu schauen, was gut war und was besser sein könnte. Oft sind kleine Veränderungen bekanntlich das sprichwörtliche Zünglein an der Waage.

Ich habe am Vortag des Rennens zuviel gemacht: Essen gerichtet bspw. Und die Tage zuvor zu wenig gegessen (was in diesem Fall nicht geändert werden konnte, aber zukünftig sehr wohl). Es ist mir so eindrücklich bewusst geworden, wie wichtig das Essen in der Woche vor dem Rennen tatsächlich ist, insbesondere bei längeren Wettkämpfen. Ebenso relevant ist natürlich das Essen während des Rennens. Auch hier hatte ich Schwierigkeiten und muss erst wieder eine Routine finden. Zudem hatte ich zu wenig Kleidung dabei für nach dem Rennen und mich fälschlicherweise auf die Wettervorhersage verlassen.

“Routine” ist ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang. Wenn ich bspw. Sally Bigham’s neuesten Beitrag lese (und nein, eigentlich ist es nicht das erste Mal, dass ich das höre bzw. lese, jedoch die Umsetzung….), sehe ich, dass sie einen fast schon rigiden Ablauf einhält. Der Sinn dessen ist klar: Routine gibt Sicherheit, reduziert unnötigen Stress und stellt zudem sicher, dass kein wichtiger Schritt ausbleibt. Durch die Anreise, das Vorbereiten des Materials, die eigene Vorbereitung, im Vorfeld häufig weitere alltägliche Termine, immer neuen Veranstaltungsorte, Strecken und sonstige Dinge ist man ohnehin voll ausgelastet; hinzu kommt in meinem Fall meist recht große Nervosität vor dem Rennen. Da liegt doch die beste Unterstützung in einem klar strukturierten und routinierten Zeitplan.

Es ist nicht so, dass ich das bisher nicht gehabt hätte. Jedoch habe ich mich vor dem ersten Rennen zu wenig zurück besonnen auf die wichtigen Details (okay, ich war krank und hatte keinen Kopf dafür). Das möchte ich nun ändern, so dass ich mich, selbst wenn etwas dazwischen kommen sollte (und wann im Leben kommt einem rein gar nichts dazwischen, frage ich euch?), gelassener und weniger gestresst auf das anstehende Rennen freuen kann.

Schauen, Staunen, Strampeln.

Den Tag bisher vor dem PC zugebracht: Der erste Schritt “tiefer in die Materie” ist getan. Die Arbeit, an der ich gerade schreibe, ist sozusagen die Fortsetzung bzw. logische Konsequenz der letzten. Das Thema ist mühsam, da emotional keineswegs neutral, aber auch gut. Interessant. Aufschlussreich.

Auf’s Rad will ich jetzt, aber es ist mir schwer gefallen, überhaupt so weit zu kommen: Das Essen wollte nicht in den Magen (nicht mal in den Mund), das Umziehen schob sich auch immer weiter nach hinten, sämtliche volitionalen Prozesse liefen auf Hochtouren. Dennoch war jedes Stück weg bis hierher sehr mühsam.

Nun aber sitze ich gestiefelt und gespornt hier, möchte Euch noch ein aus meiner – rennradbegeisterungsschwangeren – Sicht unglaublich schönes Video zur Motivation mitgeben, bevor ich letztendlich auf dem Rad ankomme:

 

 

Mosca-Bikefestival Waldkatzenbach 2014

Mit gemischten Gefühlen blickte ich ihm entgegen, mit gemischten Gefühlen bin ich hingefahren; Gemischte Gefühle gab’s mit Sicherheit zuhauf unterwegs und mit gemischten Gefühlen schließlich blicke ich darauf zurück:

Das Mosca-Bikefestival in Waldkatzenbach, das ist im malerischen Odenwald, bildet alljährlich auch den Rahmen für den Katzenbuckel-Marathon rund um den gleichnamigen höchsten Berg des Odenwaldes. Die Strecke ist schön, abwechslungsreich, traillastig und spaßig: Technische Anstiege und Abfahrten halten einen permanent auf Trab.

Mir ging’s die Woche zuvor ja wirklich nicht gut und ich wusste, dass es hart werden würde: Ich hatte schlecht geschlafen, wenig Essen bei mir behalten können und war, auch wenn es mir über die Tage Schritt für Schritt deutlich besser ging, nicht die Form, die man sich für das erste Rennen der Saison erhofft. Am Morgen hatte ich Kopfschmerzen gehabt, die im Hintergrund lauerten.

Weil aber ich eine Lizenz (eigentlich für die Straße) habe, musste ich in der Lizenzklasse starten und da wiederum stand mir nur die Langstreckenvariante zur Verfügung. Die Kurzstrecke hätte ich mir eher zugetraut bzw. für angemessen gehalten.

66 km und 1440 hm (letztlich war beides wohl mehr, da die Strecke geändert werden musste) in 4 Runden klingt eigentlich nicht allzuviel, aber es handelt sich um eine doch recht anspruchsvolle Strecke ohne jegliches Flachstück.

Die erste Runde war erwartungsgemäß sehr hart, fühlte sich an, als wolle sie nie enden: Schon am Start merkte ich, dass ich keinen Druck hatte und die Kopfschmerzen meldeten sich von Beginn an wieder. Ich hatte die erwarteten Schwierigkeiten im technischen Terrain, die dadurch noch verstärkt wurden, dass mein Reifen sich von Beginn an auf schlammigen Abschnitten sofort komplett zusetzte und ich nur mit Mühe die ganze Strecke im Sattel bleiben konnte. Ein paar Mal musste ich kurz den Fuß absetzen, konnte aber durchfahren. Auch meine Fahrtechnik fand sich nach einer Weile wieder und so kam ich Stück für Stück in meinen Rhythmus, wenn auch ich wusste, dass ich hinten raus die Zähne würde zusammenbeißen müssen.

Runde Zwei war wunderbar: Ich konnte mich immer wieder erholen, konzentriert die technischen Passagen fahren, kontrolliert fahren, Kraft sparen, die Abfahrten runter knallen und hatte trotz latenten Kopfwehs wirklich Spaß. Ich musste nicht einmal aus dem Sattel, obwohl es gegen Ende hin immer rutschiger wurde und meine Reifen häufig kaum noch Grip fanden. Auch überholte ich eine Bekannte, die sehr stark ist und obwohl sie in einer anderen Wertung fuhr, wertete ich das als gutes Zeichen.

Einzig das Trinken machte mir Sorgen: Ich hatte vorgehabt, pro Stunde ca. 1 Flasche zu trinken, aber aus welchem Grund auch immer, es reichte nicht aus: Ich hatte immer Durst und zudem Schwierigkeiten, ausreichend zu essen, da die kleinen “Shotbloks” von Clifbar im Mund hängen blieben. Im Nachhinein denke ich, dass ich immer noch etwas entwässert war von der Vorwoche.

Die dritte Runde begann damit, dass man mir zurief, das sei die letzte Runde. Ich wusste, dass das eigentlich nicht sein konnte, bekam dann aber solche Zweifel, dass ich mehrfach bei Streckenposten nachfragte, wovon wiederum einer mir bestätigte, das sei meine letzte Runde. Daraufhin beschloss ich “all out” zu fahren, also alle Energie in diese Runde zu strecken.

Derweil hatte der Regen, der Anfang der zweiten Runde eingesetzt hatte, so stark zugenommen, dass ich sowohl in den Anstiegen als auch in den schlammigen nur leicht ansteigenden oder abfallenden Passagen extrem Körner lassen musste, weil ich auf der immer stärker verschlammten und rutschigen Strecke häufig nur wenig Grip hatte. Ich musste sogar ein bis zwei Mal absteigen und ein paar Meter schieben, weil ich einfach keinen Halt mehr finden konnte. Selbst die einzige erholsame Schotterabfahrt war mühsam, weil mir durch den aufspritzenden Schlamm die Sicht verwehrt wurde. Hier begann ich erstmals zu frieren und mir wurde klar, dass ich zu wenig gegessen hatte. Auch die Kopfschmerzen waren stark geworden und ich wusste, dass es mir im Ziel nicht gut gehen würde. Immer noch fehlte es mir an Trinken, so dass ich daran nicht viel ändern konnte: Zwar aß ich, hatte aber nicht den Eindruck, als würde es “ankommen”.

Kurz darauf geschah dann auch noch ein kleines Unglück: Eine der schönsten Stellen der Strecke, eine felsige Steigung, war ich schön hoch gefahren und bin mit Karacho in die Abfahrt gegangen, wo mir aber sofort beide Reifen komplett zu gingen. Normalerweise ist das nicht schlimm und man gut kontrolliert den Berg hinab rutschen (, was eigentlich zudem großen Spaß bringt), aber in diesem Fall landete ich nicht da wo ich hinwollte. Ich stürzte, rutsche aber weiter und der Lenker verfing sich im Gebüsch, so dass ich mitsamt meinem Rad einen Überschlag vollführte. Ich war dumm im Rad verkeilt, so dass es wie ein Hebel funktionierte und wir sicher eine nette Flugparabel gezeichnet haben. Ich musste den Lenker richten und fuhr weiter, die nächsten kurzen Abfahrten war der Kopf allerdings nicht ganz frei und es dauerte, bis ich wieder konzentriert pedalieren konnte.

Als ich voll ausgelaugt und wirklich fertig am Ziel eintraf, kam genau das, was ich insgeheim wohl befürchtet hatte: Da stand er und sagte mir, ich müsse doch noch eine Runde fahren, er habe sich geirrt. Ich war derweil eigentlich zu der Erkenntnis gelangt, dass die Aussage des Streckenposten korrekt gewesen war, da ich die angegebenen Gesamthöhenmeter des Rennens circa schon auf dem Tacho stehen hatte. Dann wiederum sagten mir die Schiedsrichter in der Zieldurchfahrt, ich sei fertig. Ich blieb kurz stehen und weinte kurz vor Erleichterung, dann aber rannte mein Freund zu mir und sagte, eine Runde fehle noch. Da weinte ich wiederum einfach weiter, vor Erschöpfung und weil ich so fror und wirklich nicht mehr konnte, enttäuscht war und wütend und traurig und was weiß ich noch alles. In diesem Moment kam ein Jury-Mitglied und sperrte den Zugang zur Strecke: Ich hätte gerade noch das Zeitlimit geschafft, wenn ich weiter gefahren wäre. Das wiederum aber wäre reiner Irrsinn gewesen in meinem Zustand. Der Mann wollte mich trösten und sagte, ich käme ja dennoch in die Wertung.

Ich hatte kaum die Kraft, etwas zu sagen und musste mich beherrschen, zum Auto zu gehen, meine Sachen zu holen, um wiederum zu duschen und mich anzuziehen. Trotz des doch halbwegs warmen Duschwassers wurde mir nicht warm und auch als ich alles anhatte, was mir zur Verfügung stand, zitterte ich weiter vor Kälte. Mir war übel und ich hatte furchtbare Kopfschmerzen, und ja, ich konnte kaum sprechen, was bei mir äußerst selten vorkommt. Somit war ich sehr, sehr dankbar, als mein Freund mir das komplett verschlammte Rad zum Putzen abnahm, mich bestmöglich umsorgte und mir nach der Heimfahrt half, die Sachen in’s Haus zu tragen.

Ich bereue dennoch nicht, gestartet zu sein, denn es gab sehr schöne Momente und obwohl ich in keiner guten Verfassung war, sah ich auch, dass ich im Vergleich zum letzten Mal sehr große Fortschritte gemacht hatte. Es hat mich zudem enorm gefreut, ein paar bekannte Gesichter wieder zu sehen und ich muss mich wirklich entschuldigen, dass ich später keine Energie hatte, mehr als die nötigsten Worte mit ihnen zu wechseln!

Letztlich bin ich 2. in der Lizenzklasse geworden und doch tatsächlich noch auf dem Treppchen gelandet ( Da hoch zu steigen war der letzte Kraftakt des Tages, fürchte ich.). Das kam mir vor wie ein Hohn, aber später habe ich erfahren, dass in allen Wertungsklassen der Damen auf der Langstrecke nur jeweils die Erstplatzierte die 4. Runde absolvieren konnte. Somit sehe ich meine “Schmach” als relativiert an und bin dennoch stolz auf meinen hübschen Pokal.

Meine höchste Achtung aber geht an Pepe Phillips vom VC Racingteam Darmstadt, die ein paar Minuten vor mir in die letzte Runde ging und tapfer die 4. Runde absolvierte. Die Arme musste ungeduscht auf’s Treppchen und völlig ausgekühlt einige Minuten auf die Siegerehrung warten, bis sie wohlverdient ganz oben stehen durfte!

Und wo wir schon dabei sind: Wer technische und gut organisierte Rennen liebt, sollte im nächsten Jahr das Mosca-Bikefestival nicht verpassen! Es ist wirklich super, mit netten Streckenposten und einer spannenden Strecke, wie es sie bei Marathons nicht häufig gibt!