Grimmige Tage

Magengrimmen klingt so harmlos. Aber ich habe seit einer Woche irgendeinen Magen-Darm-Infekt, vielleicht mir den Magen verdorben (woran auch immer). Auf jeden Fall tut es weh. Und ich bin schlapp. Und ich habe so etwas eigentlich nicht und wundere mich darüber. Essen fällt mir schwer und trinken auch. Und selbstverständlich stehe ich recht platt auf und sitze entsprechend kraftlos auf dem Rad. Mittags muss ich mich teils sogar hinlegen. Morgen  ist mein erstes Rennen. Schmerzen und Rennen sind nicht korreliert übrigens, denn mit aufregungsbedingten Beschwerden kenne ich mich aus. Die sind ganz anders. Dummerweise habe ich für die Langstrecke gemeldet und noch dümmerweise kann ich das nicht ändern, denn ich habe eine Lizenz, wenn auch eigentlich nur für die Straße, und für Lizenzfahrer gibt es nur die Langstrecke. Allzu lange ist die Langstrecke in diesem Fall immerhin auch wieder nicht: 66 Kilometer und 1440 Höhenmeter auf 4 Runden.

Fazit: Ich saß kaum auf dem MTB. Ich bin nicht fit. Ich weiß nicht wie. Aber ich werde Spaß haben. Punktum.

Event, Event, Event!

Die Tour Challenge wurde abgesagt. “Das neue Rennrad-Event für Jedermann“, so wurde es zur ersten Durchführung im Jahr 2013 beschrieben, sollte auch 2014 wieder aus einem eingänglichen Bergzeitfahren gefolgt von 3 Etappen durch die Schweitzer Alpen bestehen. Die Startgebühr war in diesem Jahr mit € 345,- beanschlagt (bei der Erstauflage 2013 waren es noch € 325,- gewesen).

Immer mehr derlei Veranstaltungen, wie Pilze sprießen – oder eher schießen – sie  aus dem Boden: Wichtig ist hier nebem der Wettkampfveranstaltung für den 08/15-Radbegeisterten das Erleben, die Kulisse, das ganze “Drumherum”. Und ja, der Ultranormalbürger lässt es sich durchaus etwas kosten, eine solche Veranstaltung, wenn nicht gar mehrere davon, in seinen Jahresplan mit aufzunehmen. Warum auch nicht? Schließlich erhält man hier ein Komplettprogramm, wird rundum versorgt und kann einfach nur Radfahren, heldenhaft Berge bezwingen, sich vielleicht auch ein bisschen so fühlen wie die ganz Großen, die Profis, die mit Team, Begleitfahrzeug und Physios im Gepäck am Start stehen.

Etwas Genugtuung verschafft es mir dann aber doch, dass die Veranstalter gelegentlich dann doch den viel zitierten “Griff ins Klo” landen. Wie bei einer ähnlichen Veranstaltung in der Schweiz, nach deren Ankündigung in den sozialen Medien der Kommentarbereich überquoll vor negativer Rückmeldung: Den Preis betreffend.

Durchgeführt und angeboten werden solche Veranstaltungen nämlich immer häufiger nicht von Kommunen und Vereinen, sondern von professionellen Agenturen, die vor allem eines wollen: Geld verdienen. Und das gelingt ihnen, dank unserer Faulheit (dazu später mehr) auch immer häufiger. Dagegen ist nichts zu sagen, doch es schließt viele aus: Die nicht so viel zahlen können bspw.

Aber zurück zur Tour Challenge: € 345,- ist nicht allzuviel, könnte man meinen. Jedoch vergisst man, dass es sich um eine Veranstaltung in der Schweiz handelt: An- und Abreise kommen uns aus Deutschland nicht gerade günstig. Und nur wer ein geräumiges Fahrzeug in der Garage stehen hat, kann die Fahrtkosten auf mehr als 2 Personen verteilen. Dann die Unterkunft (an verschiedenen Etappenorten, was es nicht günstiger macht), die Verpflegung, je nach Ehrgeiz muss auch mindestens ein Betreuer mit.

Der normalsterbliche (und somit regulär arbeitende) Hobbyfahrer muss sich für die Veranstaltung frei nehmen, Anfang September ist vielleicht nicht mehr soviel Resturlaub vorhanden. Wo man stattdessen im Hochsommer die Alpen genießen kann. Oder mit der Familie auf den Kanaren brutzeln.

Wie auch immer, eine solche Veranstaltung ist Luxus, den sich eben nicht jeder so mal eben gönnen kann. Hinzu kommt, dass die Teilnehmer dem gewöhnlichen Renngeschehen “zuhause” abgehen, dass die Wettkampfkultur in Deutschland, von Vereinen getragen, verödet und die Vereine an allen Fronten kämpfen müssen: Zu wenige Teilnehmer, schwer zu erhaltende Genehmigungen, dadurch wiederum immer weniger und kürzere, weniger interessante Rennen, meist irgendwo an entlegenen Orten (Stichwort: sonntags früh im Gewerbegebiet), so dass wiederum Interesse und Rückhalt durch die Bevölkerung verloren gehen. Viele kommen nicht mehr, also wird wenig verdient: Weder an Startgeldern noch durch Getränke und Verzehr auf den Zuschauerrängen. Erst recht nicht, wenn das Wetter schlecht ist.

Ich war einmal auf einer traumhaften CTF (einer wohl-organisierten Mountainbike-Spaßveranstaltung mit Verpflegung und Streckenauszeichnung, jedoch ohne Zeitnahme), wo mehr Streckenposten und Verpflegungspersonal da waren als Teilnehmer. Es war warm, aber es regnete immer mal wieder kurz. Und es tat uns wenigen, die wir doch da waren, so leid, dass all der Aufwand in der Hauptsache umsonst gewesen war. Seither versuche ich, an so etwas zu denken.

Aber ich schweife wieder ab: Kurz gesagt, weniger Trainingsgruppen (jeder organisiert sich seine Veranstaltungen selbst, schließlich gibt es immer wieder Konflikte und Ärger mit den anderen “alten Hasen”), kein Raum und Anreiz für den Nachwuchs, der zudem bei einer Tour Challenge nichts zu suchen hat, also selbst mit zahlungswilligen Eltern keinen Zugang hätte. Zugegeben, dieser Absatz ist etwas holprig und extrem zusammengerafft, aber den Rest kann sich jeder denken: Die Vereine haben gewaltig zu knapsen und (von glücklicherweise so mancher Ausnahme abgesehen) wenig zu bieten.

“Die bösen Agenturen”, das will ich gar nicht sagen. Aber eine Entwicklung, die nur auf Events baut, ist nicht gesund, das meine ich. Ein Verein, vereinseigene Rennen und Tourismusfahrten (RTFs und CTFs), die muss man ebenfalls haben und unterstützen.

Das ist wie Facebook, das per se nicht schlecht sein muss, wenn man nicht nur virtuelle, sondern auch reale Freunde hat. Und wenn man realen Freunden auf Facebook wieder- und nicht einzig da begegnet. Wenn man sie aushält, wenn sie mal nerven und sich von ihnen wiederum ertragen lässt, sollte man selbst eventuell gelegentlich auch nervtötend sein.

Denn das eigentliche Highlight ist es, an einem Samstag wie jedem anderen auf der Hausrunde unterwegs zu sein, mit den üblichen Verdächtigen selbstverständlich, und bei einem Blick über die Schulter erstaunt festzustellen, dass man diesen wunderschönen Ausblick noch nie genossen hat (, man war wohl immer schwer beschäftigt, den in der Ferne immer kleiner werdenden Udo nicht komplett aus den Augen zu verlieren, der bergauf mehr kann als alle anderen). Oder gerade noch ein Reh im Wald verschwinden zu sehen. Oder sich über einen dummen Spruch – zwischen zusammen gebissenen Zähnen des Hintermanns hervorgebracht – schepp lachen zu müssen, während man selbst kaum noch Luft hat. Oder sich gemeinsam ein Event leisten, alle miteinander. Gelegentlich.

 

Ein neuer Tag

Gestern war so vollgepackt mit Aktion, dass ich nicht zum Luftholen kam. Auf’s Rad erst recht nicht. Einerseits. Andererseits aber habe ich am Morgen eine Vorbesprechung für eine sicherlich erlebnisreiche Spaßveranstaltung gehabt, unmittelbar im Anschluss daran rasch die Bahn genommen und so eine lehrreiche und herausfordernde Veranstaltung an der Uni gerade noch pünktlich erreicht, wiederum danach ein paar Bescheinigungen eingeholt, die mich sehr stolz und froh gemacht haben (und ich frage mich, ob es das ganze Warten und Leiden und Umwege gehen nicht doch wert gewesen war, allein dieser Augenblick unbändigen Freuens), dann die Unbilden verspäteter und ausfallender Bahnen durchgestanden, zuhause rasch gegessen, keine Ruhe gefunden, weil’s gleich weiter ging. Ausnahmsweise bin ich eingesprungen und sehr spät, aber doch zufrieden heim gekehrt.

Am Wochenende startet mein erstes Rennen der Saison. Ich werde aufgeregt sein. Ich habe keine einzige Abfahrt auf dem Mountainbike zurück gelegt, was entschiedenermaßen nicht die klügste Vorbereitung war, aber nun nicht zu ändern ist. Es wird sicher schlammig werden und mir anfangs schwer fallen. Aber ich habe schon den Entschluss gefasst, das Rennen selbst als Teil meiner Vorbereitung zu nehmen: Nichts erwarten, alles geben. Spaß haben. Punkt.

 

 

Freud und Leid

Es läuft nicht immer rund…aber, dass auf einen sehr guten Tag so schnell ein schlechter folgen sollte, hatte selbst ich nicht erwartet.

Konnte ich am Donnerstag in Belgien noch all meine für das Rennen gesetzten Ziele umsetzen…mich also immer aktiv vorne zeigen und dabei sogar noch ein ansprechendes Ergebnis herausfahren, ging am Samstag bei der Landesverbandsmeisterschaft vieles deutlich daneben. Das eigentlich frustrierende dabei, dass es mehr der Kopf als der Körper war, der mich im Stich gelassen hat. So konnte ich leider nur bis zur letzten Runde meine zweifelsohne gute Form zeigen….danach Stecker gezogen, Körper und Kopf irgendwo…aber nicht mehr gemeinsam auf dem Rad.

Was bleibt davon? Es geht voran, ich fühle mich stark auf dem Rad und muss jetzt in gewisser Weise lernen damit umzugehen. Die richtigen Entscheidungen treffen, nicht mit Gewalt überziehen, die Ruhe bewahren….und das nicht nur auf dem Rad, auch einfach so…jeden Tag, im ganz normalen Leben.

#Annette

Tägliche Herausforderung

Die eigentliche Kunst, letztlich bei allem, ist es, dran zu bleiben. Was wiederum bedeutet, jeden Tag aufs Neue die richtige Entscheidung zu treffen. Mir fällt das nicht leicht.

Widrigkeiten sind schließlich ebenfalls alltäglicher Natur: Das Wetter spielt nicht mit; das ist eine Standardsituation. Ich wache müde auf; das leider auch. Doch genau hier gilt es, Strategien zu entwickeln, Tag für Tag also gewappnet zu sein. Schließlich sind die Alltäglichkeiten das, was uns am meisten zu schaffen macht, aber andererseits auch das, was am ehesten zu erwarten und somit (zumindest theoretisch) bestens einkalkulierbar ist.

Heute ist es großteils trocken, sieht aber permanent nach Regen aus. Es ist kühl, jedoch nicht unangenehm kalt. Ich bin müde und habe ein hartes Training auf dem Programm. Die alltäglichen Erschwernisse also.

Unterwegs dann ist alles in Ordnung: Warmfahren, Intervalle, Pausen, Intervalle. Regen, heftiger Regen, dann wieder Sonnenschein. Ich überlege, früher nach Hause zurück zu kehren, lasse es dann doch wieder sein: Etwas holprig, das Training, aber ich habe es gut gemacht.