Neuanfang

Manchmal ändern sich die Dinge im Leben sehr schnell, schneller als man es erwartet und vll. auch zu schnell um es richtig zu begreifen. Monatelang musste ich auf eine Stelle warten und dann fällt sie einem zu, ohne dass man konkret damit rechnen konnte. Umso schöner ist das natürlich, schwierig nur deshalb weil es so rasant ging und keine Zeit blieb sich langsam auf die neue Situation einzustellen. Natürlich…das positive überwiegt und viele Unsicherheiten sind erstmal weg. Jetzt heißt es den neuen Lebensrhythmus aufnehmen und dabei nicht vergessen das Leben zu genießen :-)

Doch nicht nur die Arbeit ist neu, sondern auch das Radfahren. Nicht komplett neu, aber doch für mich etwas neues/anderes.So ging es für mich am Samstag zu meinem ersten MTB-Marathon in Calmbach. Es standen 50km und ca. 1000 Höhenmeter auf dem Plan. Die Runde sollte nicht zu schwer und auch für einen MTB-Neuling wie mich gut zu fahren sein.

Selbstverständlich hatte ich dennoch einen großen Respekt und ordnete mich zunächst einmal weiter hinten ein. Ich wollte erstmal gucken wie die anderen das so machen, Spaß haben und genießen. Zu Beginn ging es auch erst einmal längere Zeit den Berg hoch und da ich mich frisch fühlte, begann ich doch schneller als erwartet viele andere Teilnehmer zu überholen. Äußerst überrascht war ich, dass ich auch so viele andere Frauen ziemlich schnell überholen konnte, von denen ich dachte sie seien auf dem MTB definitiv stärker als ich. Von diesem guten Gefühl bestärkt forcierte ich weiter das Tempo sicherlich auch ein bisschn zu sehr, was sich in Runde 2 von 3 doch bemerkbar machte. In dieser Phase musste ich ein wenig durchschnaufen, wollte ich doch in der letzten Runde nochmal drauflegen. So konnte ich mich Mitte der letzten Runde mit einem Mann von der kleinen Gruppe lösen, in der ich mich bis dahin befunden hatte. Damit schaffte ich es auch mich von einer weiteren Frau zu lösen und letztendlich sehr kaputt aber auch sehr zufrieden das Ziel zu erreichen. Da ich keine Orientierung hatte wo die restlichen Frauen ins Ziel gekommen sind, musste ich die Ergebnisliste abwarten. Am Ende war es tatsächlich der 4. Platz und das bei meinem ersten Einsatz auf dem MTB. :-)

Sogar einen Preis durfte ich mit nach Hause nehmen…natürlich freue ich mich jetzt schon auf den nächsten Marathon, da es mal etwas anderes war als die Straßenrennen. Nicht nur das Rennen selbst, sondern auch die entspannte Atmosphäre vorher und nachher. Bleibt wohl als einziger Negativpunkt das schlechte Wetter…aber bei einer gratis Fangopackung darf man sich auch nicht wirklich beschweren ;-)

#Annette

Fehler und Verbesserungen

Meine Hämatome sehen zunehmend unschön aus, will sagen: Es geht mir besser! Auf dem Rad fühle ich mich allerdings immer noch wohler als zu fuß. Das war eine Qual gestern: Ich musste zu Veranstaltungen in die Heidelberger Altstadt (= Kopfsteinpflaster und zu vernachlässigender Öffentlicher Nahverkehr, Altbauten ohne Aufzug,…) und war danach komplett fertig. “Doch nicht so unversehrt wie ich dachte.”, war mein persönliches Fazit.

Später hielt ich mich für schlauer und schwang mich aufs Stadtrad, um Apotheke, Bank, Bäcker (1), Supermarkt (2), Hofladen (3) jeweils einen Besuch abzustatten. Aber auch das stellte eine größere Belastung dar als erwartet. Danach also war ich platt und nicht einmal mehr an “lockeres Rollen am Abend” zu denken.

Der größte Fehler dieser Woche jedoch war wohl das “normale” Training am Dienstag: Nach 1 1/2 – 2  entspannten Stunden auf dem Rennrad ging dann relativ plötzlich gar nichts mehr: Keine Luft. Gestern habe ich dann folglich einen Ruhetag eingelegt, was das Training anging.

Hinzu kommt, dass ich schlecht schlafe (wird allerdings besser, jetzt wo ich das Bein zumindest wieder frei bewegen und auch darauf liegen kann) und am Morgen immer müde und wie erschlagen aufwache.

Und schließlich ist da der Kopf, der mir das Leben schwer macht: “Hättest Du doch…!?”, “Längst hättest Du sollen?!”, “Wie kannst Du nur!”, “Was soll das nun wieder?!”, “So wird das eh nichts!”… Mein härtester Gegner bin ich nun mal selbst.

All dem zum Trotz habe ich diese Woche fleißig gelernt und bin auch gut voran gekommen. Trotz Schmerzen. Habe gut gegessen (gestern gab’s Pizza Provencale, selbst gemacht, klar, und frischen Eichblatt, rot und grün, mit eigenen Kräutern).

Nächste Woche, das ist das Schwierigste im Augenblick für mich, geht es schon wieder nach Tschechien zur Specialized Trilogy, einem mehrtägigen (meinem ersten mehrtägigen) Rennen im Tschechisch-Polnischen Grenzgebiet. Da war ich  noch nie. Die Landschaft soll toll sein. Die Strecke hart: Sehr, sehr hoher Trailanteil mit heftig technischem Anspruch. Und ich, die ich so lange schon nicht fit werden konnte. Mit verletztem Bein. Unausgeruht, müde, an mir zweifelnd. Nicht nur auf dem Rad (das wäre nicht das Problem). Mit Sorgen in vielen Bereichen. Der Kopf schwerer als die Beine. Das ist das Problem.

Vielleicht auch nicht, denn ich bin fest entschlossen, freudig zu fahren: Die Landschaft, die Strecke, die Herausforderung zu genießen. Egal was kommt.

Den Malevilcup bin ich verletzt dennoch gut zu ende gefahren, bin spätere Trails hinunter gerauscht und habe wild überholt trotz kaputten Lenkers und nicht belastbaren Beines. Hatte tatsächlich Spaß. Das will ich nicht vergessen. Das will ich mir sagen. Was die anderen machen, ist nebensächlich. Kämpfen lernt man, wenn es hart wird.

Oder um es Theorie-lastig zu formulieren: Handlungs- statt Lageorientierung!

Der Morgen danach

Ich bin müde. Der gestrige Tag bestand aus einer Aneinanderreihung von Staus, quer durch Deutschland. Wir sind entspannt geblieben, wiewohl es sehr anstrengend war, haben herumgealbert, gelacht, Musik gehört, uns abgewechselt beim Fahren, zwischendurch versucht zu schlafen. Es begann schon schwierig: Kurz nach der Abreise, genauer gesagt handelte es sich um den direkten Nachbarort, stießen wir auf eine Vollsperrung aufgrund eines Straßenfestes. Die genannte Alternativroute, es dauerte ein wenig, bis wir dort waren, denn diese Strecke bildete bereits einen beträchtlichen Umweg, war jedoch nach einer Weile ebenfalls voll gesperrt: Straße nicht vorhanden. Und  noch eine Umwegstrecke, dieses Mal weit zurück, sehr weit in eine andere Richtung, über aufgefräste Straßen, offenliegende Karkassen, durch kleine Ortschaften bis hin zur eigentlichen Route. Beinahe zwei Stunden Umfahrung, bis es tatsächlich los ging. Wegen eines Straßenfestes in einem Straßendorf ohne Alternativen. Viel schöne Landschaft freilich, tolle Häuser, niedliche Örtchen. Aber Zeitverlust. Und dadurch später dann die Staus, einen nach dem anderen.

Die Tage im Grenzgebiet und in Tschechien waren schön: Das Wetter nur mäßig, doch die Landschaft wieder einmal eindrucksvoll, spektakulär immer aufs Neue. Das Rennen selbst war für mich etwas besonderes, wenn auch nicht im positiven Sinn. Oder vielleicht doch:

Ich konnte am Start nicht mitgehen, war erst nach langer Zeit in einem ordentlichen Rhythmus und hatte dann Mut gefasst, als ich feststellte, dass die anderen Damen um mich herum immer müder wurden, ich aber nicht. Ich war am Berg nicht besonders stark, musste aber in technischen Anstiegen nicht absteigen, in der Ebene mittelmäßig und verlor dadurch jeweils Zeit, in den Abfahrten holte ich jedes Mal deutlich Zeit heraus, Stück für Stück dauerte es länger, bis ich wieder eingeholt wurde bzw. konnte ich müheloser das Tempo halten. Ich war nicht so müde wie ich es erwartet hätte. Das war gut. Die härtesten und technischsten Abfahrten sowie Anstiege kamen noch. Es waren erst etwa zwei Stunden vergangen. Ich war gut dabei.

Dann aber ein Fehler: Eine der wunderbaren, steilen Abfahrten, die ganz schön auf die Beine gehen. Ich muss mich kurz gestreckt haben, war auf jeden Fall nicht angemessen bei der Sache, stürzte schwer: Überschlag, frontal seitlich auf den Kopf, das Bein. Ich schrie wohl sehr, konnte auch nicht gleich aufstehen, winkte dann aber alle weiter, die helfen wollten. Eine ganze Horde Frauen überholte mich in den nächsten Minuten, aber ich brauchte Zeit. Dass der Helm eingedellt war, stellte ich erst später fest. Fand die Brille, die ein paar Meter entfernt lag. Musste noch ein bisschen liegen bleiben. Versuchte, festzustellen, ob ich gefährlich verletzt war. Ich bemerkte, dass mein Bein nicht zu belasten war, dass ich irgendetwas im Gesicht hatte, aber nichts Tragisches wohl. Sonst Schrammen, sicher bald blaue Flecken.

Das Rad sah erst mal gut aus, aber der Lenker schien gebrochen. Gleich darauf stellte ich jedoch fest, dass nur die Karbonummantelung geborsten war, der Alukern darunter nur massiv verbogen. Gerade biegen wollte ich nicht, zu riskant.

Alles tat weh. Ich überlegte: Sanis oder weiter? Dann: Erst mal hier runter und schauen, ob es rollt. Wie es rollt. Ob ich fahren kann. Aufsteigen. Das tat weh, aber ging. Das Einklicken ins Pedal die Hölle: Das Bein wollte nicht. Die Abfahrt schmerzte, ich war sehr langsam, ungelenk. Musste mich schräg auf dem Rad halten wegen des Lenkers: Riserbar rechts, Flatbar links. Sehr gewöhnungsbedürftig. Schaltung, Bremse, Rahmen gut. Das wichtigste.

Dann die Ebene: Ich konnte treten. Der Kopf schien ok. Alles wichtige gut. Also weiter, außerdem Trinken, Essen. Will nicht. Egal! Muss sein. Kurz fror ich, dann ging’s mir zunehmend besser. Die nächste Abfahrt testete ich noch aus, war extrem langsam, verlor weiter extrem viel Zeit. Sie war sehr verblockt, das war nicht leicht, mein Bein litt bei jedem Schlag. Aber auch das wurde besser. Drücken konnte ich ebenfalls nicht mehr, aber konstant fahren ging. Am Berg kam ich ebenfalls besser klar als gedacht, hatte nur Probleme, über Hindernisse zu pedalieren, das mochte das Bein gar nicht. Von daher musste ich dann auch gelegentlich absteigen. Später dann bei einer Stufe, die hätte es nicht ausgehalten, das Bein. Gebrochen war nichts, beschloss ich später, massiv geprellt.

Recht bald überholte ich: Männer, die mich zuvor eingeholt hatten, ein paar Frauen auch. Ich machte mich auf eine deutlich verlängerte Fahrtzeit gefasst und rechnete mit weiteren 2 Stunden. Solange war ich dann tatsächlich noch unterwegs und es war relativ hart. Ging aber andererseits erstaunlich gut. JWD das Ergebnis, ich habe es gestern abend nachgeschaut: Platz 13 bei den Frauen, immerhin noch Platz 4 bei den Seniorinnen I: Es waren einige deutlich jüngere bzw. um einiges ältere Frauen sehr viel schneller unterwegs als ich.

Dann ein Glücksgefühl. Trotz des Migräneanfalls, der später kam. Trotz der Probleme zu laufen. Trotz der vielen Hämatome, die langsam Gestalt gewinnen, den Stauchungen im Nacken, der Boxer-Tätowierung am Auge. Vielleicht auch gerade deswegen: Ich bin durch gefahren. Gar nicht so schlecht. Obwohl ich nicht stark war, auch ohne den dummen Sturz nicht vorn gefahren wäre, kein Traumrennen abgeliefert hätte. Es war gut so.

Glückwunsch an Daniela Storch vom Scott Generation Team, die mir nicht nur mühelos 54 Minuten abgenommen hat, sondern souverän das Rennen (65 km) gewonnen!

Vorbereitung

Morgen geht’s nach Tschechien. Zum Malevilcup. Ein Marathon, der für mich etwas ganz Besondres ist: Weil die Strecke toll ist, erstklassige Singletrails, lange Abfahrten, anspruchsvolle Anstiege. Weil es stets das bisher größte Erlebnis war, dort zu fahren. Und auch, weil mich die Kombination aus Landschaft und Leuten in der deutsch-tschechischen Grenzregion dort oben jedes Mal aufs Neue packt. Die Tage dort gemeinsam mit meinem Freund sind für mich wie für Frederick das Farbensammeln.

Das Anforderungs- und Höhenprofil für mich immer noch sehr hart. Ich bin noch nie gut gefahren dort, war, wenn ich  mich recht erinnere, bestenfalls irgendwo hinten in den Topten vertreten. Es sind immer starke Frauen dort, an sich starke Fahrer in allen Klassen und auf allen Distanzen. Einige meiner schwärzesten Tage waren dort: Als ich nach 1/3 der Strecke so leer war, dass ich kaum mehr voran kam bspw. Oder als ich erstmals in meinem Leben solche Krämpfe bekam, dass ich meine Beine nicht mehr in der Gewalt hatte. Trotzdem liebe ich das Rennen: Es ist schön. Ein Marathon wie er sein soll. Und eines Tages werde ich es gut bewältigen. Der Rest ist nicht so wichtig.

Heute wird gepackt: Die Liste hab’ ich längst geschrieben, durchüberlegt, geplant.

Ich freu mich auf Oybin! Ich freu’ mich auf die Burg (, die werde ich mir trotz schwerer Beine sicherlich auch in diesem Jahr antun). Ich freu’ mich auf das Rennen!

Meine erste “RR-Rennerfahrung”

 Hallo zusammen,

heute möcht ich euch mal wieder ein wenig von mir berichten. Die letzten Wochen waren eher deprimierend als erfreulich, zuaml der LBS-Cup für mich gestorben war….ich gebe zu..nur ein paar Rennen mitzufahren ohne Ziel vor Augen….das bringt mir persönlich garnichts. Daher dachte ich ich versuche, soviel wie möglich sonst mitzunehmen. Gott sei Dank hatte ich ja noch mein Rennrad, was mir zuerst ja noch ein Dorn im Auge war. Glücklicherweise hab ich mal wieder auf meine Schwester gehört und das Rennrad näher inspiziert und getestet. Oh….welch Freude..es hat mir zunehmend Spaß gemacht.

Nachdem ich etliche km abgespult hatte und der Spaß nicht aufhörte, hab ich mich richtig auf das “S-Staffel-Rennen” des “Challenge Kraichgaus” gefreut, ein Triathlon, wo man die Möglichkeit hat, jeden Bereich einzeln zu absolvieren. EIne Freundin fragte mich, da sie noch dringend Radfahrer suchten….ich hab also zugesagt und wusste ehrlich gesagt garnicht, was mich erwartete, zumal ich NOCH NIE RR-Erfahrung hatte – schon garnicht unter Leistungsdruck und im “Rennmodus”……nun ja…gesagt getan…..Sonntag wars dann endlich soweit….komischerweise war ich äußerlich sehr ruhig, aber innerlich dopste ich im Dreieck :-) challenge_kraichgauMorgens war erstmal viel zu tun. Räder einchecken, Wechselbeutel holen, Sachen richten, schauen, dass alles bereit ist (denn wenn man erstmal eingecheckt hatte, war es sehr schwierig nochmal zurückzugehen….). Die Zeit rannte und irgendwnan gings dann für die Schwimmer los. WIr haben also am See gestanden und der ersten Gruppe zugeschaut. Gegen halb drei haben wir uns dann in die Wechselzone gestellt um absolut bereit zu sein, sobald der Schwimmer uns erreichte. Ich wurde zunehmend nervöser und wusste nicht was mich erwarten würde. Es wurden immer weniger wartende Menschen und irgendwnan war ich nur noch mit ca 4Leuten in der Wechselzone….zunehmend deprmierter, aus Angst nicht mehr dranzukommen. Doch plötzlcih rannte mein Partner auf mich zu und ich wusste, jetzt würde es endlich losgehen. Schnell Chipwechseln und los gings…erst zum Rad rennen, mit Rad zum Aufstiegsplatz und los gings…..

…die ersten 10km ging es nur flach, aber konstant gegen den Wind bis zum ersten Berg….da dachte ich, ich würde es niemals schaffen….was für ein Irrsinn…..dann kam der erste Berg. Nicht zu flach aber auch nicht zuuu steil. Ich war sehr müde und angestrengt. Irgendwann dann überholte ich die ersten Fahrer, einer nach dem anderen…..das gab mir Ansporn, denn ich war auf einem guten Weg……..da wars um mich geschehen….voller Ergeiz spulte ich Km um Km ab und merkte dass ich nur am grinsen war. Die Berge waren plötzlich kaum mehr ein Problem und sogar berghoch fuhr ich an stöhnenden Männern/Frauen vorbei……am Ende gab ich nochmal alles und kontte die flache Reststrecke mit einer schönen Geschwindigkeit meistern und im Ziel einlaufen.

Fazit: Hammer!!! Adrenalin pur, auf jeden Fall eine Wiederholung wert und vorallem das Eingeständnis, dass ich RR fahren über alles liebe!!!!!!!!!! H A M M E R!!!!!

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Manchmal kommt es unverhofft und ist deswegen umso schöner. Ohne allzu große Erwartungen und zudem ziemlich früh ging es für mich am vergangenen Sonntag nach Gomaringen zu einem LBS-Cup Rennen. Start war um 8:03 Uhr und es warteten 58 anspruchsvolle Kilometer mit einem ständigen Auf und Ab. Sehr zügig ging es dann auch los und bereits zu Beginn der 2. von 14 Runden konnte ich mich mit 5 weiteren Fahrerinnen vom Rest absetzen. Da wir gut zusammenarbeiteten konnten wir auch stets den Vorsprung auf die weiteren Fahrerinnen halten. Insgeheim war ich dabei sehr froh, dass es nicht zu allzu vielen Tempoveränderungen kam und ich so immer mehr meinen Rhythmus finden konnte. Schwierig dabei nur die Situation, dass 3 Fahrerinnen eines Teams mit dabei waren, die natürlich taktisch mehr Möglichkeiten hatten. Nichtsdestotrotz wollte ich meine Chance  auf einen Platz auf dem Podium nicht schon vorab aufgeben.
Weshalb ich dann auch einfach alles in die letzten 300m bis zum Ziel hineinlegte und letztendlich knapp hinter den beiden ersten als 3. den Zielstrich überqueren konnte.
Mein Erfolgsrezept dabei kenne ich nicht, vll. war dieser Erfolg einfach der Tatsache geschuldet, dass ich mir keinen Kopf gemacht habe. Keinen Kopf über den Radsport und dieses Rennen und keinen Kopf über all die anderen Dinge, die einen im Leben so beschäftigen. Meine Balance finde ich, u.a. durch die endlich erfolgreiche Jobsuche, langsam wieder und das wurde auch Zeit. :-)

#Annette

Kirschernte

Gestern früh setzte ich mich nicht auf’s Rad, sondern war zeitig schon mit der Bahn unterwegs nach Hause zu meinen Eltern. Dort verbrachte ich den Tag im Kirschenbaum, einem haushohen betagten Baum auf unserer Wiese. Es war sehr windig und schön, wenn die Blätter rundherum rauschen und die Kirschen im Spiel von Licht und Schatten immer wieder rot aufblitzen wie winzige Lampions. Ich bin geklettert, vorsichtig – Kirschholz ist trügerisch – und habe geerntet. Richtig viel ist im Lauf des Tages Eimer für Eimer in die großen Obstkörbe gewandert. Meditativ und entspannend war das, ja. Konzentriert auf jede Bewegung: Klettern, sich strecken, ernten, den Eimer umhängen, weiterklettern, nur nicht übermütig werden. Irgendwann steht man freihändig ganz oben im Baum, pflückt und befüllt den Eimer und hat es nicht einmal bemerkt: Dass man sich nicht festhält. Flowerleben nennt sich das wohl. Die Äste wiegen im Wind. Ich stehe mit meinen Fivefinges irgendwo mitten im Geäst und fühle mich zeitlos wohl. Das war tatsächlich sehr schön. Angenehm gestreckt, “durchbewegt” und belebt kehre ich am Abend nach Hause zurück: Im Kühlschrank frische Kirschen, weiße und rote Johannisbeeren, die ich mir auch noch rasch gepflückt habe.

Rückansicht

Nach dem Wochenende in Italien, ich war am Sonntag abend zurück gekehrt, das Gepäck notdürftig in die Wohnung geworfen, schnell die Tasche gepackt für den folgenden Tag, durfte ich am Montag um 03:30 Uhr aufstehen und mich aufmachen in die schöne Kaiserstuhlregion: Wir hatten für das Straßenrennen in Merdingen gemeldet und trotz aller Müdigkeit und leeren Beinen hatte ich vor allem das Ziel, das Rennen durch zu fahren. Die Strecke ist durchaus anspruchsvoll: Harter Anstieg, gefolgt von einem weiteren kurzen Stich, nicht enden wollenden sanft ansteigenden Abschnitten, engen Kurven, einer schnellen Abfahrt mit mehreren technischen Einlagen.

Die Herren starteten um 8, darum die frühe Anreise. Ich betreute und schaute zu, wie bereits in der ersten Runde das Feld komplett zerlegt wurde, minutenlange Abstände entstanden, ein Chaos aus U19-Fahrern, C-Klasse, Senioren II und Senioren III, Begleit- und Schlussfahrzeugen an uns vorbeifuhr und manchmal niemand mehr verstand, wer wohin gehörte. Trotz der frühen Stunde litten die Fahrer massiv unter der Hitze, gaben schon auf den ersten Kilometern viele auf und von “meinen” 3 Fahrern stieg einer aus, ein weiterer erlitt einen Hitzeschlag und konnte nur gerade so eben das Rennen beenden. Der 3. hingegen wurde, obwohl er zu leiden hatte, 2.

Ich wusste also, was mich erwarten würde, als ich um 13 Uhr am Start stand; wurde prompt schon vor dem ersten Berg nach hinten durchgereicht, hatte am Berg zu kämpfen, gewöhnte mich mit der Zeit jedoch daran und fuhr Runde für Runde nach dem Berg wieder ran. Oben durfte ich unfreiwillig viel zu viel von vorn fahren, die Abfahrt sowieso. Die extremen Kurven gelangen mir jedoch nicht optimal, das merkte ich, als wir von den schnellen Junioren eingeholt wurden und ich hinterher fahren konnte.

Abgesehen von Italien am Samstag war es mein erstes Straßenrennen, aber dieses Mal ohne Pausen. Bei 39 Grad erst recht harte Arbeit. Ich hatte Spaß, ich kam zurecht, aber ich war zu wenig spritzig, keinen Druck, litt sehr, fand keine gute Gruppe, musste mehr drücken als ich konnte. 6 Runden waren zu fahren, ich wusste, dass ich das gut schaffen konnte, trank viel und fuhr unbeirrt weiter. Dann im Ziel, ich wusste, ich war ganz hinten, der Schreckmoment, als ich dachte, ich sei nur 5 Runden gefahren, überrundet und eine weniger als der Rest. Dabei war doch das Ziel gewesen, einfach durchzufahren, das zu schaffen.

Erst mal duschen und auf die Ergebnisliste schauen. Da stehe ich, ganz unten: Die allerletzte in der Wertung. Und freue mich so unbändig, dass ich es geschafft habe, bin glücklich als hätte ich den Sprung aufs Treppchen geschafft. Nach mir hat es keine geschafft. Andere sind ausgestiegen, wurden überrundet, aus dem Rennen genommen. Ich bin gerade noch dabei. Ich habe mein Ziel erreicht.

Neben mir steht Danièle, sie ist 6. geworden. Ich freue mich für sie. Ich freue mich für mich.

Was für eine Freude es doch sein kann, die Letzte zu sein!

Castelli 24 hore die Feltre

Das Wochenende war angefüllt mit vielfältigsten Erlebnissen, aber doch auch geprägt von Anstrengung und Schlafmangel: Freitag bis Sonntag hatte ich das Privileg, mit einem Team von Engelhorn Sports an den Castelli 24 hore die Feltre, einem Straßenrennen in der Provinz Bellino in Italien, teilnehmen zu dürfen. Wir waren zu 12. im Team und über 24 Stunden hinweg hatte stets jeweils einer auf der Strecke zu sein und sein Bestes zu geben. Das war hart, hat aber richtig Spaß gemacht! Zu jeder Tages- und Nachtzeit fleißig angefeuert vom Streckenrand aus habe ich wirklich alles gegeben und auch wenn ich vielleicht längst nicht so stark war wie ich es gern gewesen wäre, kann ich sagen, dass ich alles nur Erdenkliche an Kraft und Konzentration in jede Kurbelumdrehung gelegt habe Und dass das auch jeder der anderen im Team genau so gehalten hat. Das wiederum hat wohl auch das Teamgefühl ausgemacht, uns stolz gemacht auf uns und einander. Ein paar von uns waren richtig gut dabei und haben den professionellen Teams im Feld das Leben durchaus etwas erschwert, da hat es noch mehr Freude gemacht, zuzusehen. Und ich habe Italien gesehen: Aus dem Autofenster, aber auch die  geschichtsträchtige und traumhaft hübsche Stadt Feltre, überbordend von italienischer Unbeschwertheit und Lebensfreude, habe ich sehr genossen.

Doch bin ich nach meinem letzten Einsatz im Renngeschehen, dem Ausfahren, weiter Anfeuern, Duschen, Essen und etwas Ausspannen mit doch ganz schön fertigen Beinen doch noch die engen Gassen, steilen Treppen und holprigen Straßen der Alststadt empor und wieder hinab gegangen und habe die Ruhe in mich aufgesogen. Der ständige Lärm des Rennens, der feiernden Massen, die Musik, Zurufe, Pfeiffen und Johlen, all das war oben im Stadtinneren nicht mehr zu hören und es war fast schon verschlafen still. Ich bin gleichfalls ruhig geworden, langsam, zeitlos, habe Häuser und Häuschen, teils Zeugen längst vergangnen beträchtlichen Wohlstandes, Hinterhöfe, Gärtchen, Fenster mit Blumenkübeln und fröhlich wuchernde Rosen, Geranien, Feigen, etc. besehen, konnte es nicht lassen und habe trotz der schlechten Auflösung mit dem Handy fotografiert, als könnte ich es so besser erinnern, festhalten, einpacken, mitnehmen.

Ein sicherlich unglaublich alter Marktplatz mit altrömischem Flair, verlassen wirkend und überdimensioniert ein Prunkbau daneben, ich klein und ganz für mich mitten in dieser unwirklichen Kulisse. Wieder weißsteinerne Häuser, umeben von Mauern, eine neugierige Hundeschnauze hinter dem altem Holztor, ein alter Mann sitzt im Schatten und döst. Ganz oben dann eine Art Festung: Grob behauene Steine, klare Linien, behäbig romanische Erhabenheit. Darum herum kühle Baumwipfel, ein Luftzug, Parkgefühl. und zwischen dem Blattwerk lockt die Aussicht in eine Bilderbuchlandschaft: Ortschaften, Straßenbänder, grüne und gelbfarbene Flecken, mächtiges Gebirge, klarblauer Himmel.

Als ich wieder nach unten gehe, nehme ich einen anderen Weg: Eine Katze liegt faul auf einem Mäuerchen, ein paar Kinder spielen auf der Straße, Spitzenvorhang weht aus dem offenen Fenster, ein Paar begegnet mir: Mehr Leben. Dann Säulengänge, Geschäfte, kleine Bars und Cafés.

Kurz darauf bin ich zurück im Geschehen: Ein Brückengerüst über die abgesperrte Rennstrecke, elegant gekleidete Damen, ein Mann wedelt mit einem Holzschild, auf dem “Pronto” geschrieben steht. In Großbuchstaben. Viele Zuschauer: Junge, Alte, Kinder.

Am Castelli-Zelt stehen unsere Leute an der Strecke und jubeln unserem Fahrer zu. Ich geselle mich zu ihnen. Wir sind gut im Rennen.

 

PS: Bilder gibt’s in der Galerie.

Bella Italia!

Die letzten Tage verliefen, was das Radfahren angeht, eher ruhig: Ausruhen, dann sanft ins Training zurück finden. Beim “Foamrolling” (“Schaumrollen” klingt wohl nicht ganz so attraktiv) die Zähne zusammenbeißen.
Viel Zeit allerdings blieb nicht, denn es galt, an verschiedenen Ecken und Enden ein paar Großeinsätze unterzubringen. Das wiederum  hat ganz gut geklappt und pünktlich zum heutigen Packtag für Italien bin ich nun doch wieder etwas positiver gestimmt.

Morgen früh geht es zeitig los, mit einem Duzend Leuten – wir stellen in diesem Jahr das Engelhorn-Sports-Team – nach Feltre in Venetien, wo ab morgen abend dann schon die Castelli 24 hore di Feltre stattfinden werden. Leistungsdefizit hin oder her, ich werde einerseits genießen, was zu genießen ist und andererseits selbstverständlich soweit wie nur eben möglich Vollgas geben.

Ich freue mich auf die Aussicht unterwegs, den Ort, die Leute, das Hotel, das Essen und natürlich die Veranstaltung, klar! Die Wetteraussichten mögen nicht die besten sein, aber kalt soll’s immerhin nicht werden.