Überwald Bike Marathon 2015

Ich habe tatsächlich noch auf die Langstrecke umgemeldet, obwohl wir nicht wohl war dabei. Aber ich beschloss, es ruhig anzugehen und einfach nur durch zu fahren. Am Start stelle ich mich etwas zu weit hinten auf, so dass ich von Beginn an eingebaut war und am ersten Anstieg nur mühevoll überholen konnte. Wir waren so langsam, dass ich fror. Das sollte sich auf den ersten Trails fortsetzen, wo die Leute nur sehr zögerlich unterwegs waren; immerhin konnte man dort dann recht gut überholen. In den kurzen Trailanstiegen jedoch fuhr ich immer wieder auf Fahrer auf und war froh, wenn ich nicht aufgrund von Staus vom Rad musste.

Der Vorteil daran war jedoch, dass ich mir irgendwann wirklich Zeit ließ und eine häufig eingeschränkte, jedoch entspannte erste Runde fuhr. In der zweiten Runde dann ging es mir nicht so gut, aber es blieb alles im Rahmen und ich war einfach dankbar, einmal nicht von Grund auf nur leiden zu müssen. Ich hatte keine guten Beine, ich fühlte mich nicht stark, ich war nicht mal in den Abfahrten so schnell wie ich eigentlich bin. Aber ich konnte ein halbwegs tragbares Tempo fahren und quälte mich nicht bei jeder Kurbelumdrehung. Ich genoss die Trails, ich fühle mich ordentlich. – Das war für dieses Jahr definitiv ein Novum!

Zu Beginn der dritten Runde sah ich plötzlich eine Frau von hinten kommen, die logischerweise ebenfalls auf der Langstrecke unterwegs sein musste. Es gab einen kurzen Kampf in meinem Kopf, da ich anfangs einfach davon ausging, dass sie mich gleich einholen würde. Ich konnte nicht glauben, dass ich dieses Tempo würde mitgehen können, denn sie kam ziemlich flott angesaust und wir hatten ja noch knapp 25 Kilometer vor uns.

Kurz darauf dachte ich dann, warum ich es nicht versuchen sollte. Ich wollte ihr nicht hinterher fahren, sondern meinen Vorteil nutzen. Außerdem überlegte ich, dass ich ja nicht wissen konnte, was in meinen Beinen steckt, wenn ich es nicht versuche. Also beschleunigte ich langsam und fuhr ein für mich hohes, aber doch länger durchhaltbares Tempo. Ich wollte mich nicht kaputt fahren und dann “eingehen”. Tatsächlich war ich so offenbar ein wenig flotter als sie und sah, dass der Abstand etwas größer wurde. In den Trails konnte ich sie wiederum etwas distanzieren und irgendwann war sie nicht mehr zu sehen. Da tauchte plötzlich vor mir eine weitere Frau auf. Immer wieder konnte ich sie kurz sehen, war aber unsicher, wie ich mich verhalten sollte. Dann nämlich war auch die Dame hinter mir manchmal wieder im Blickfelde, was mir nicht gefiel. Also beschloss ich, auch wenn wir noch gut die Hälfte der Runde vor uns hatten, aufzufahren und zu sehen, was geschähe.

Ich hängte mich an sie und fuhr eine Weile in ihrem Windschatten, wurde dann aber etwas nervös, weil sie mir langsamer zu werden schien und ich den Eindruck hatte, dass die andere Fahrerin von hinten näher kam.

Also fuhr ich vorbei und gab nochmals ein klein wenig Gas. Sie folgte mir nicht wirklich. Von da ab zwang ich meine müden Beine, das Maximum zu geben, erholte mich zwischendurch immer wieder kurz und schaffte es so tatsächlich, den 3. Platz auf der Langdistanz zu ergattern.

Ich war nicht stark, ich war nicht schnell, aber ich hatte gekämpft und mir eine Position erkämpft. Ich hatte den 4. Platz erfolgreich verteidigt und dann sogar noch den 3. eingenommen. Dadurch bin ich wirklich zufrieden mit meiner Leistung: Der erste Marathon des Jahres, an dem es mir nicht einfach nur schlecht ergangen war, wurde mit einem Treppchenplatz belohnt.

Die zweite (Tina Durst) Dame (bzw. Seniorin, denn in der Damenklasse war niemand gestartet), hatte mir fast 4 Minuten abgenommen, die erste (Gwenda Ruesing) beinahe 21! Das ist schon ein Wort, schmälert aber meine Zufriedenheit nicht.

Toll war außerdem, zu erfahren, dass Berlinde’s Knie keinerlei Probleme machte und sie die Kurzdistanz erfolgreich absolvierte. Sie ist auf dem 8. Platz gelandet. “Unsere” Annette hat die Mitteldistanz in Angriff genommen und sich trotz massiver Konkurrenz den 5. Platz gesichert.

Schön war auch, einige bekannte Gesichter auf und neben der Strecke zu sehen und ein paar wirklich nette neue Leute kennen gelernt zu haben!

Hier geht’s zu den Ergebnissen.