Kurz davor.

Gestern bin ich die letzte harte Einheit gefahren, dieses Mal auf der Straße. Ich hatte das Auto meiner Eltern, habe das zurück gefahren und bin von dort aus gestartet. Das ist auch trainingstechnisch gelegentlich eine willkommene Abwechslung, was die Strecke angeht. Weil ich recht müde war und zu fortgeschrittener Stunde los fuhr, entschied ich mich für eher flaches Terrain. “Zwei Stunden Grundlage – schnell und hart” klingt erst einmal wie ein Widerspruch, und auch eher gar nicht so hart. Ist es aber mit der Zeit, wenn das Ziel ist, den Puls immer schön im G2-Bereich zu halten. Ein paar Ausreißer nach oben habe ich mir erlaubt, ansonsten auch gegen Ende durch gehalten, wo die Beine nach jedem Ampelstop protestierten. Danach bin ich noch ein bisschen ausgerollt, was selbstverständlich “den Schnitt versaut” hat, wie man als Strava-Süchtling gerne sagt.

Ab heute wird nur noch locker gerollt. Anstrengend wird es dennoch: Heute packen (viel, aber möglichst nicht zuviel, sonst gibt es berechtigen Ärger von der – nicht nur im Packen – besseren Hälfte), zudem die obligatorischen tausend Kleinigkeiten erledigen, lockere zwei Stündchen auf’s Rad zwischendurch. Morgen Anreise, ermüdende Anreise. Kurz vor der Ankunft Vorräte kaufen (ich denke, ich schreibe eine Einkaufsliste dafür).

Freitag kurz locker, Samstag kurz locker, Sonntag Prolog. Der Prolog, das weiß ich inzwischen, fühlt sich schon endlos an. Wenige Kilometer, lächerlich eigentlich, die ich kaum überwinden kann, wo ich häufiger werde absteigen müssen als mir lieb ist: Ein paar kleinere Stellen kann ich schlichtweg noch immer nicht fahren. Ich nehme das hin, habe ich beschlossen: Es gibt Dinge, die kann ich nicht. Und andere klappen mal, dann wieder nicht. C’est la vie, n’est-ce pas?

Montag, Dienstag, Mittwoch viele Kilo- und Höhenmeter, fast nur technische Trails, häufige fahrtechnische Überforderung gepaart mit Anforderung am oder auch über dem Leistungslimit. Besonders in sich haben es auch die Abfahrten, die für mich gelegentlich nicht fahrbar sind und lange, unglaublich steile Kletterpartien (in Radschuhen, mit Rad…) zur Folge haben. – Nicht vergessen, die Landschaft zu bewundern, abwechslungsreich und traumhaft schön, menschenleer und überwältigend idyllisch, vielerorts anmutend wie eine Zeitreise. Nicht vergessen, durch zu atmen, zu trinken, zu essen, zu genießen, zu entspannen. Immer wieder annehmen, wie es ist.

Ich mache mir keine Hoffnungen auf eine tolle Platzierung, muss mir aber auch die Erwartung an mich dahingehend “abgewöhnen”. Bisher sind sechs Frauen gemeldet für die Extreme-Version, und die paar, die ich bisher kenne, sind erfahrene Langdistanz-Damen, an hochtechnische Trails (, wie man sie hierzulande nur spärlich findet und eigentlich nicht im Wettkampf,) gewöhnt, allesamt mit sehr viel mehr Renn- und Trainingskilometern und -jahren als ich sie habe. Dennoch gibt es eine Stimme in meinem Kopf (naja, Stimmen im Kopf sollte man ohnehin mit Misstrauen begegnen), die sagt, ich sollte das ebenfalls können.

Dementsprechend wird die größte Herausforderung, neben allen Schmerzen, Müdigkeit, psychischer Erschöpfung und sonstigen Leiden, darin liegen, nach jedem Absteigenmüssen dennoch mit Freude weiter zu fahren. Zur zweiten Hälfte einer jeden Etappe hin werden solche Situationen häufiger, weil ich müde bin, die Konzentration nachlässt, und zudem bspw. auf der ersten Etappe die härtesten Brocken hinten raus kommen und für mich dann schlichtweg zu gefährlich wird, bestimmte Stellen (meist unmittelbar am Abgrund) einfach zu versuchen.

All das sage ich mir jetzt bereits, versuche, zu antizipieren, mich vorzubereiten, überlege, was ich mir zusprechen werde, wenn es soweit ist. Und ich freue mich. Langsam freue ich mich mehr und mehr auf unsere gemeinsame Zeit in Adršpach!

Ernsthafte Vorbereitungen & Zweifel

Gestern hatte ich einen schlechten Tag, einen richtig schlechten Tag. Wir hatten Intervalle im Gelände auf dem Plan, kurz und hart, aber es fing schon damit an, dass ich mich auf dem Rad nicht wohlfühlen wollte: Alles fühlte sich falsch an. Wir fuhren uns ein, und ich hatte Zweifel, ob ich auch nur eine einzige Vollgassequenz würde fahren können. Am Traileinstieg war ein Auto geparkt, und ich hatte Zweifel, ob ich da vorbei kommen würde.

Ich kam vorbei, ich fuhr das erste Intervall, das zweite ging auch noch. Beim dritten habe ich wohl überzogen, denn es ging recht technisch zu, ich war am Kotzen und bekam Panik, als ich an einer Stelle durchrutschte, alles Vertrauen auf der Stelle verlor und in der Folge vom Rad musste: Verzweiflung!

Mir ist klar, dass das ziemlich überspitzt klingt und unangemessen, doch ich war tatsächlich voll und ganz verzweifelt, außer mir, dachte an das bevorstehende Rennen, dass ich “nicht mal richtig auf dem Rad sitzen kann”, “nicht mal solch ein kurzes Intervall ordentlich fahren”, “hier rumstehe und rumheule wie ein Anfänger”.

Gott sei Dank war ich nicht alleine und habe in meinem geliebten Freund auch einen duldsamen und verständnisvollen Trainingspartner. Er sagt nicht viel, beruhigt mich mit wenigen Worten, steigt dann auf und fährt langsam weiter, hat mich im Blick, aber lässt sich nicht beirren.

Ich fuhr weiter, weitere Intervalle folgten, nicht besonders gut, aber ich tat, was ich konnte. Ich baute ein paar Mal  Mist, war nicht ideal konzentriert, fluchte und schimpfte und schrie. Er hielt mich aus und war da. Ich holperte wenig elegant die letzte Abfahrt hinunter. Mir tat alles weh: Die Beine, die Hände, die Füße. Ich hatte Zweifel, große Zweifel an allem: Der Einstellung meines Rades, der Schaltung, den Bremsen, meinen Schuhen. Oh, und meiner Fitness, erst recht meiner Fitness. Vorbereitung?

MTB-Trilogy steht an, und wieder einmal konnte ich, weil die äußeren Umstände so waren und nicht anders, die zur Vorbelastung notwendigen Wettkämpfe im Vorfeld größtenteils nicht bestreiten, war müde, hatte zu wenig Ruhe. Ich will es mir nicht verderben lassen, auch wenn ich weiß, dass ich wieder werde leiden müssen, viele Stunden lang, an mehreren Tagen. Und dennoch langsam sein. Ich hoffe sehr, dass es nicht regnet, denn andernfalls weiß ich nicht, ob es – für mich – zu schaffen ist.

Ein spezielles Phänomen dieses Rennens besteht darin, dass ich ungewohnt rasch allein unterwegs bin. Weil nur die starken Männer dort überhaupt am Start stehen, und sehr wenige sehr starke Frauen. Bis auf mich, die ich wohl verrückt sein muss. Bald nach der Startphase bin ich, wenn ich nicht überziehen möchte, also meist schon abgehängt, hinter mir nur die Fahrer der Endurowertung, die es locker angehen lassen.

Wenn die Landschaft, die Strecke, die Leute nicht so unsagbar wunderbar und speziell wären, all die Angst, den Schmerz, den Schweiß, das Blut, die Tränen bei weitem aufwögen, ich wäre nicht wieder dabei. Ich wünschte nur, ich könnte eines Tages mit einer richtig großen Gruppe anderer Frauen am Start stehen und jeden einzelnen Tag gemeinsam durchleiden und genießen. Bis dahin werde ich wohl Jahr um Jahr die einsame Verrückte sein, die im Schneckentempo für sich unterwegs ist und manchmal vor Erschöpfung und dennoch mit Bedauern das eine oder andere technische Highlight zu fuß überwindet.

15. Überwald-Bike-Marathon Siedelsbrunn

Gestern stand mein erst zweiter MTB-Marathon der Saison an. Ich meldete für die Langdistanz, während aufgrund der Wettervorhersage viele Fahrer auf die Mittel- oder Kurzstrecke ummeldeten bzw. gar nicht erschienen und/oder meldeten. So war es ein für Siedelsbrunn sehr kleines Startfeld. Ich wusste, dass ich nicht würde konkurrieren können. Mir fehlen die MTB-Kilometer, erst recht, was Rennen angeht.  6 starke Damen waren zudem schon im Vorfeld gemeldet, und üblicherweise bleibt es nicht dabei.

Am Start ließ ich es locker angehen, holperte anfangs auch über die Trails, bis ich mich einfand, und fuhr dann mit der späteren 5. Seniorin bzw. dann der 2. Dame der Mittelstrecke, die ein entspanntes Tempo anschlugen. Als es in der 2. Runde aber heftig zu regnen begann, ich nichts mehr sah und erste Schaltprobleme auftraten, ließ ich die beiden zu ihrem “Finale” ziehen und begann zu kämfen: Immer wieder die Brille säubern, die Kontaktlinsen schlammfrei halten, verlorene Flaschen anderer Fahrer nutzen, um den Antrieb zu reinigen. Kettenklemmer um Kettenklemmer ließen mir die Beine zugehen, später versagten die Bremsen und ich hatte einen etwas unangenehmen Sturz deswegen. Mir war extrem kalt, ich hatte Durst und auch Hunger, wollte mein letztes Gel aber aufsparen.

Ohnehin nicht besonders schnell unterwegs, war ich nun wirklich langsam. Es war Überwindung, unter diesen Bedingungen in die 3. Runde zu gehen, insbesondere als man mich fragte: “Aufgeben oder weiterfahren? Es sind schon einige ausgestiegen.” Auf der 3. Runde war ich dann so ziemlich alleine, wurde dann noch von einer Frau aufgeholt, mit ihr und einem Mann war ich von da ab quasi allein unterwegs, und dem Schlussfahrzeug, das von da ab treu hinter uns fuhr… Die Frau war immer schön vor mir, ein guter Fixpunkt, während wir durch Schlammtiefen und neue Bachläufe kämpften; dann nach einem Abzweig im ersten Drittel der Runde aber war sie plötzlich verschwunden. Ich hatte nicht  lange Zeit, mich zu fragen, wo sie abgeblieben war, musste ich mich doch auf’s “Überleben” konzentrieren. Später erfuhr ich, dass sie in der Folge falsch gefahren war und unfreiwillig massiv “abgekürzt” hatte. Gott sei Dank hatte sie überhaupt zurück zum Start-Ziel-Bereich gefunden. Allerdings waren uns in der 3. Runde auch Hindernisse in den Weg gelegt und Markierungen verdreht worden, und das Schlussfahrzeug war es, dass mich selbst gegen Ende des Rennens kurz vom falschen Weg abbrachte und an anderer Stelle den Mann einholte, der ebenfalls falsch gefahren war.

Ich habe über eine Stunde länger gebraucht als die Siegerin Danièle Troesch aus dem Elsass. Sie ist sehr gut gefahren und ich enorm schlecht. Somit war ich überrascht, als man uns aus den Duschen zur Siegerehrung rief: Wegen ihres Falschfahrens wurde ich gemeinsam mit der 3.-Platzierten auf den 3. Platz gestellt.  Ich bin die letzte Fahrerin, die ins Ziel kam, auch eine neue Erfahrung. Trotzdem bin ich stolz, mich durch alle Widrigkeiten gekämpft zu haben:

Wenn man nichts mehr sieht, keine Kraft mehr hat, die Schaltung nicht mehr will, und dann auch die Bremsen nicht, Essen fehlt (ich hatte mich in der Kalkulation der Gels vertan) und Trinken (Brille und Antrieb reinigen hatten Vorrang), es extrem kalt ist und mehr als nass, ist weiterfahren nicht unbedingt die erste Option. Ich bin dankbar, dass ich mich dafür entschieden habe.

Leben und leben….

Hallöchen,
mal wieder hört ihr von mir. DIe letzten Wochen waren wirklich sehr schön und ich hab die Schwangerschaft total genossen. So sollte es ja auch sein. Dass es nicht immer so laufen kann hat mir der Termin beim Frauenarzt letzte Woche gezeigt. Da mein Gebärmutterhalt verkürzt ist und ich ncoh ein paar Probleme hatte (möchte ja hier nicht ins Detail gehen), sollte ich mich min. 3h am Tag hinlegen und allgemein alles runterfahren was anstrengend ist. Also kein schwimmen mehr, keine Anstrengungen im Haushalt..nichts….da es mir am Samstage echt hundselend ging und ich wegen Rückenproblemen und Übungswehen kaum laufen konnte entschied ich mich, das Wochenende im Bett zu verbringen damit ich die bevorstehende Hochzeit nicht gefährde….undenkbar, an meiner eigenen Hochzeit im Bett zu liegen.

Es hat Wunder bewirkt denn heute gehts mir viel besser aber ich bleib immernoch im Ausruhmodus da ich noch genug Stress vor mir habe die Tage ab Mittwoch. Drückt mir die Daumen dass die Ärztin am Mittwoch Entwarnung gibt und die Bettruhe lockert. Das wäre echt das schönste Geschenk <3 Man ist oft deprimiert wenn der Körper nicht mehr die Leistung bringt die er früher gebracht hat aber dann muss man sich auch echt mal an den Kopf fassen und begreifen dass ein LEBEN in einem entsteht und das benötigt nunmal viel meiner Kraft und Energie. Und das ist doch einfach nur HAMMER oder?