Ist es schon soweit?!

Alle Jahre wieder: Plötzlich ist er da, der erste Advent. Wir waren noch mitten im Jahr – sind es übrigens immer noch -, haben geschuftet, geregelt, geschwitzt und gelitten, uns gefreut, beeilt, verbessert, da war’s geschehen, und zwar gemeinerweise in diesem Jahr gefühlt  noch mitten im November!

Ich habe immerhin vor einigen Wochen schon (das ist ein Novum) meine Fenster dekoriert: In der neuen Wohnung gibt es sogenannte “Vorfenster”, also außen am Haus zusätzlich zum einfach verglasten regulären Fenster noch einmal eines, das man im Sommer abnehmen kann, wenn man möchte. Dazwischen ist Platz für Dekoration, und den habe ich genutzt (und etwas isoliert außerdem).

Andererseits gibt es noch sehr viel, was ich an Altlasten gewiss ins neue Jahr mitnehmen “darf”, schlichtweg, weil ich nicht dazu kommen werde.  Aber ich freue mich, dass ich wieder Rad fahre, weil meine geländetauglichen Fahrzeuge endlich zur Verfügung stehen. Beziehungsweise gefahren bin, denn mich hat eine heftige Erkältung erwischt: Wochenlang war ich gesund, während mindestens seit Oktober Krankheitswelle um Krankheitswelle unsere Klinik überrollte. Immer war ich fit und gesund, freute  mich sehr darüber, blieb teils “der letzte Mohikaner”, wie meine Chefin kürzlich zu mir sagte, an jenem Tag, als ich gleich mehrere kranke Kollegen vertreten durfte und auf meiner Station die einzige war, die an jenem Tag anwesend war.

Dummerweise exakt der Tag, an dem auch ich erste Anzeichen einer schweren Erkältung an mir bemerkte. Und weil wir bei der Ausbildung eigentlich nicht fehlen können, konnte ich gestern und vorgestern nicht erholen, sondern musste mich krank nach Konstanz schleppen. Das war hart. Der Tagesplan bestand aus: Durchhalten bei minimalem Aufwand. Der Feierabendplan wiederum lautetete jeweils einfach nur: Sachen wegräumen und ins Bett. Tatsächlich ging’s mir gestern deutlich besser, ich hatte kein Fieber mehr, kein Kopfweh! Heute läuft die Nase weiterhin, ich huste, aber nach einer erholten Nacht bin ich zufrieden.

Ein kleiner Trost: Es regnet ohne Unterlass, also wäre ich heute ohnehin nicht auf dem Rad gesessen, schätze ich.

Sportlich hat sich eine für mich angenehme Routine eingestellt: Ich bin in seminarfreien Wochen drei Abende im Studio, wo wir ja üblicherweise erst jeder sein klassisches Programm durchziehen, dann gemeinsam ein ausdauerlastiges Zirkeltraining. Häufig gibt es auch “Spezialangebote”, wo wir besondere Trainingsformen kennen lernen. Das macht Spaß, ist Herausforderung, Schulung für Technik, Kraft, Ausdauer, Konzentration. Und wir sind gemeinsam dort. Am Wochenende gehe ich auf’s Rad, bisher noch im sehr gemütlichen und Erkundungsmodus. Unter der Woche gehe ich, wenn es hell wird und komme im Dunkeln nach Hause. Die paar Kilometer in den Nachbarort zum Milch und Eier holen gehe ich oft zu fuß, um abends noch ein bisschen an die frische Luft zu kommen. Jeden Mittag in der Mittagspause gehe ich mit ein paar Kollegen spazieren.

In Seminarwochen sind nur zwei Studiotermine möglich, auch kann ich allerhöchstens sonntags Radfahren. Ich versuche, in diesen Wochen besonders hart zu trainieren, weil ich mehr Zeit zur Regeneration habe. Ich hadere immer wieder damit, dass meine Tage so lang und voll sind, weil ich die langen Touren vermisse, endlich die Region besser kennen lernen möchte, und auch wieder mit anderen Leuten fahren!

Auf der anderen Seite liebe ich meine Arbeit. Sie ist immer wieder sehr hart, aber zugleich auch dankbar. Deshalb, weil in sehr kurzer Zeit oft sehr viel Veränderung sichtbar wird, Wunden heilen, neue Wege gebahnt werden. Und ich bin so stolz und fasziniert davon zu sehen, wie mutig und entschlossen Menschen an sich arbeiten. Wenn sie wüssten, welch ein Vorbild sie damit für uns werden! Davon zehre ich und das fordert mich auch heraus, sowohl im Privaten als auch beruflich und erst recht auf sportlicher Ebene!

Regen im Schwarzwald

Der Vorteil an so einem zeitigen Samstagmorgen ist, dass ich in Ruhe hier sitzen darf, meinen Kaffee und parallel dazu eine Tasse Tee trinken, und wach werden. Allerdings muss ich doch bald weg, habe einiges vor heute. Ich bin ja umgezogen und lebe nicht mehr ganz so neuerdings im Schwarzwald, dort, wo gerade der Wind um’s Haus pfeift und es schon seit Wochen zeitweise ziemlich kalt geworden ist.
Das Fahrrad steht buchstäblich in der Ecke, weil ich nur wenige Wochenenden überhaupt frei habe und es bisher genau da nicht geklappt hat.

Untätig bin ich aber keinesfalls: Ich habe mir ein in Deutschland sicherlich ungewöhnliches Studio gesucht, wo ich zu festen Terminen unter Aufsicht meine eigenen Übungen machen und wir dann im Anschluss noch jeweils verschiedenste Zirkeltrainings absolvieren. Gestern haben wir eine Boxjump-challenge veranstaltet, man musste also jeweils eine feste Zeit lang auf verschieden hohe Hindernisse springen, um dann wieder soundsoviel Sekunden zu pausieren (sie wurden gefühlt rasch sehr viel kürzer), dann kam das nächsthöhere Hindernis für den gleichen Zeitraum an die Reihe, bis zum höchsten, von wo aus man das niedrigste ansteuern durfte. Bei solchen Übungen wird ebenfalls unsere Technik überwacht und notfalls korrigiert.

Für mich hat das einige Vorteile: Ich kann (außer an Seminarwochenenden) 3x pro Woche sowohl Kraft (Langhantel) als auch Ausdauer trainieren, arbeite dabei hart an meiner Technik und lerne neue Übungen kennen. Weil immer erfahrener Trainer (kein üblicher Studiotyp also) dabei ist, kann ich jedes Mal an der Ausführung feilen und er sagt mir auch, wenn ich mehr Gewicht auflegen oder aber mir an diesem speziellen Tag  auch mal weniger zumuten soll. Allerdings bedeutet das auch, dass ich an jedem Trainingstag aufs Neue herausgefordert bin. Gestern beispielsweise, wo ich eigentlich stolz war, mit neuem maximalen Gewicht (knapp an meinem persönlichen Rekord vom letzten Jahr) Kreuzheben zu machen, musste direkt im Anschluss eine Technikübung für den Start der Zugphase einlegen, die mich wirklich fertig gemacht hat. Aber sie wahr wirklich lehrreich und ich werde sie in Zukunft – bei aller Qual – häufiger einfügen. Ach, und da ist da noch der Trupp an liebenswerten Chaotinnen und Chaoten, oder auch Nichtchaoten, denen ich mich damit angeschlossen habe und die zu sehen ich mich jedes Mal freuen darf.

Ich pendle weiter mit dem Rad zur Arbeit, aber nicht an einem Großteil derTrainingstage, wo ich direkt nach der Arbeit sehr rasch ein paar Ortschaften weiter sein muss.

Ja, ich vermisse das Radfahren sehr! Nach einer ersten Serie von Seminarwochenenden, Besuchswochenende (da war ich aber wandern hier oben, und das war wunderschön und ebenfalls durchaus anspruchsvoll), dazu mehreren Dauerregen- und Arbeitswochenenden weiß ich, dass ich im Winter tatsächlich nicht auf’s Radtraining bauen darf, nicht in meiner Situation.

Das Radfahren aber vermisse ich nicht nur, ich habe es auch gewiss nicht an den Nagel gehängt! Es ist eher das Gegenteil der Fall: Ich weiß inzwischen, wie gut es mir tut, freue mich auf jede Gelegenheit, endlich mehr von der Gegend zu sehen, bin auch schon am Kontakte knüpfen, um hier Anschluss zu finden.

Ich freue mich außerdem auf den ersten Schnee (angeblich könnte es dieses Wochenende schon soweit sein), denn dann kann ich das Skilanglaufen wieder anfangen! Und: Es gibt in der Region so genannte Nachtloipen, wo man theoretisch auch unter der Woche am Abend noch ein paar Runden absolvieren kann.

Und wenn die Tage länger werden, bin ich die erste, die wieder mehr auf dem Rad sitzt. Ich werde fit sein, fitter denn je, auch deshalb, weil ich meine Arbeit zwar sehr gerne mache (der lange harte Weg ist offenbar durchaus der richtige für mich), aber sie nicht selten keine einfache ist, und der Ausgleich, das Draußensein in der Natur, das bewusste Aktiv-und-bei-sich-sein von unschätzbarem Wert, um nicht selbst krank zu werden.

Ihr werdet nicht glauben, wieviel Leid hinter allzuvielen ganz normalen Gesichtern versteckt ist. Doch ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Potential, wieviel Kraft und Ressourcen auch die vermeintlich Kränksten immer wieder mitbringen.

Euch einen wunderschönen Tag! Ganz gleich, wie das Wetter wird, genießt ihn!