Alle Beiträge von Arnhild

Ist es schon soweit?!

Alle Jahre wieder: Plötzlich ist er da, der erste Advent. Wir waren noch mitten im Jahr – sind es übrigens immer noch -, haben geschuftet, geregelt, geschwitzt und gelitten, uns gefreut, beeilt, verbessert, da war’s geschehen, und zwar gemeinerweise in diesem Jahr gefühlt  noch mitten im November!

Ich habe immerhin vor einigen Wochen schon (das ist ein Novum) meine Fenster dekoriert: In der neuen Wohnung gibt es sogenannte “Vorfenster”, also außen am Haus zusätzlich zum einfach verglasten regulären Fenster noch einmal eines, das man im Sommer abnehmen kann, wenn man möchte. Dazwischen ist Platz für Dekoration, und den habe ich genutzt (und etwas isoliert außerdem).

Andererseits gibt es noch sehr viel, was ich an Altlasten gewiss ins neue Jahr mitnehmen “darf”, schlichtweg, weil ich nicht dazu kommen werde.  Aber ich freue mich, dass ich wieder Rad fahre, weil meine geländetauglichen Fahrzeuge endlich zur Verfügung stehen. Beziehungsweise gefahren bin, denn mich hat eine heftige Erkältung erwischt: Wochenlang war ich gesund, während mindestens seit Oktober Krankheitswelle um Krankheitswelle unsere Klinik überrollte. Immer war ich fit und gesund, freute  mich sehr darüber, blieb teils “der letzte Mohikaner”, wie meine Chefin kürzlich zu mir sagte, an jenem Tag, als ich gleich mehrere kranke Kollegen vertreten durfte und auf meiner Station die einzige war, die an jenem Tag anwesend war.

Dummerweise exakt der Tag, an dem auch ich erste Anzeichen einer schweren Erkältung an mir bemerkte. Und weil wir bei der Ausbildung eigentlich nicht fehlen können, konnte ich gestern und vorgestern nicht erholen, sondern musste mich krank nach Konstanz schleppen. Das war hart. Der Tagesplan bestand aus: Durchhalten bei minimalem Aufwand. Der Feierabendplan wiederum lautetete jeweils einfach nur: Sachen wegräumen und ins Bett. Tatsächlich ging’s mir gestern deutlich besser, ich hatte kein Fieber mehr, kein Kopfweh! Heute läuft die Nase weiterhin, ich huste, aber nach einer erholten Nacht bin ich zufrieden.

Ein kleiner Trost: Es regnet ohne Unterlass, also wäre ich heute ohnehin nicht auf dem Rad gesessen, schätze ich.

Sportlich hat sich eine für mich angenehme Routine eingestellt: Ich bin in seminarfreien Wochen drei Abende im Studio, wo wir ja üblicherweise erst jeder sein klassisches Programm durchziehen, dann gemeinsam ein ausdauerlastiges Zirkeltraining. Häufig gibt es auch “Spezialangebote”, wo wir besondere Trainingsformen kennen lernen. Das macht Spaß, ist Herausforderung, Schulung für Technik, Kraft, Ausdauer, Konzentration. Und wir sind gemeinsam dort. Am Wochenende gehe ich auf’s Rad, bisher noch im sehr gemütlichen und Erkundungsmodus. Unter der Woche gehe ich, wenn es hell wird und komme im Dunkeln nach Hause. Die paar Kilometer in den Nachbarort zum Milch und Eier holen gehe ich oft zu fuß, um abends noch ein bisschen an die frische Luft zu kommen. Jeden Mittag in der Mittagspause gehe ich mit ein paar Kollegen spazieren.

In Seminarwochen sind nur zwei Studiotermine möglich, auch kann ich allerhöchstens sonntags Radfahren. Ich versuche, in diesen Wochen besonders hart zu trainieren, weil ich mehr Zeit zur Regeneration habe. Ich hadere immer wieder damit, dass meine Tage so lang und voll sind, weil ich die langen Touren vermisse, endlich die Region besser kennen lernen möchte, und auch wieder mit anderen Leuten fahren!

Auf der anderen Seite liebe ich meine Arbeit. Sie ist immer wieder sehr hart, aber zugleich auch dankbar. Deshalb, weil in sehr kurzer Zeit oft sehr viel Veränderung sichtbar wird, Wunden heilen, neue Wege gebahnt werden. Und ich bin so stolz und fasziniert davon zu sehen, wie mutig und entschlossen Menschen an sich arbeiten. Wenn sie wüssten, welch ein Vorbild sie damit für uns werden! Davon zehre ich und das fordert mich auch heraus, sowohl im Privaten als auch beruflich und erst recht auf sportlicher Ebene!

Regen im Schwarzwald

Der Vorteil an so einem zeitigen Samstagmorgen ist, dass ich in Ruhe hier sitzen darf, meinen Kaffee und parallel dazu eine Tasse Tee trinken, und wach werden. Allerdings muss ich doch bald weg, habe einiges vor heute. Ich bin ja umgezogen und lebe nicht mehr ganz so neuerdings im Schwarzwald, dort, wo gerade der Wind um’s Haus pfeift und es schon seit Wochen zeitweise ziemlich kalt geworden ist.
Das Fahrrad steht buchstäblich in der Ecke, weil ich nur wenige Wochenenden überhaupt frei habe und es bisher genau da nicht geklappt hat.

Untätig bin ich aber keinesfalls: Ich habe mir ein in Deutschland sicherlich ungewöhnliches Studio gesucht, wo ich zu festen Terminen unter Aufsicht meine eigenen Übungen machen und wir dann im Anschluss noch jeweils verschiedenste Zirkeltrainings absolvieren. Gestern haben wir eine Boxjump-challenge veranstaltet, man musste also jeweils eine feste Zeit lang auf verschieden hohe Hindernisse springen, um dann wieder soundsoviel Sekunden zu pausieren (sie wurden gefühlt rasch sehr viel kürzer), dann kam das nächsthöhere Hindernis für den gleichen Zeitraum an die Reihe, bis zum höchsten, von wo aus man das niedrigste ansteuern durfte. Bei solchen Übungen wird ebenfalls unsere Technik überwacht und notfalls korrigiert.

Für mich hat das einige Vorteile: Ich kann (außer an Seminarwochenenden) 3x pro Woche sowohl Kraft (Langhantel) als auch Ausdauer trainieren, arbeite dabei hart an meiner Technik und lerne neue Übungen kennen. Weil immer erfahrener Trainer (kein üblicher Studiotyp also) dabei ist, kann ich jedes Mal an der Ausführung feilen und er sagt mir auch, wenn ich mehr Gewicht auflegen oder aber mir an diesem speziellen Tag  auch mal weniger zumuten soll. Allerdings bedeutet das auch, dass ich an jedem Trainingstag aufs Neue herausgefordert bin. Gestern beispielsweise, wo ich eigentlich stolz war, mit neuem maximalen Gewicht (knapp an meinem persönlichen Rekord vom letzten Jahr) Kreuzheben zu machen, musste direkt im Anschluss eine Technikübung für den Start der Zugphase einlegen, die mich wirklich fertig gemacht hat. Aber sie wahr wirklich lehrreich und ich werde sie in Zukunft – bei aller Qual – häufiger einfügen. Ach, und da ist da noch der Trupp an liebenswerten Chaotinnen und Chaoten, oder auch Nichtchaoten, denen ich mich damit angeschlossen habe und die zu sehen ich mich jedes Mal freuen darf.

Ich pendle weiter mit dem Rad zur Arbeit, aber nicht an einem Großteil derTrainingstage, wo ich direkt nach der Arbeit sehr rasch ein paar Ortschaften weiter sein muss.

Ja, ich vermisse das Radfahren sehr! Nach einer ersten Serie von Seminarwochenenden, Besuchswochenende (da war ich aber wandern hier oben, und das war wunderschön und ebenfalls durchaus anspruchsvoll), dazu mehreren Dauerregen- und Arbeitswochenenden weiß ich, dass ich im Winter tatsächlich nicht auf’s Radtraining bauen darf, nicht in meiner Situation.

Das Radfahren aber vermisse ich nicht nur, ich habe es auch gewiss nicht an den Nagel gehängt! Es ist eher das Gegenteil der Fall: Ich weiß inzwischen, wie gut es mir tut, freue mich auf jede Gelegenheit, endlich mehr von der Gegend zu sehen, bin auch schon am Kontakte knüpfen, um hier Anschluss zu finden.

Ich freue mich außerdem auf den ersten Schnee (angeblich könnte es dieses Wochenende schon soweit sein), denn dann kann ich das Skilanglaufen wieder anfangen! Und: Es gibt in der Region so genannte Nachtloipen, wo man theoretisch auch unter der Woche am Abend noch ein paar Runden absolvieren kann.

Und wenn die Tage länger werden, bin ich die erste, die wieder mehr auf dem Rad sitzt. Ich werde fit sein, fitter denn je, auch deshalb, weil ich meine Arbeit zwar sehr gerne mache (der lange harte Weg ist offenbar durchaus der richtige für mich), aber sie nicht selten keine einfache ist, und der Ausgleich, das Draußensein in der Natur, das bewusste Aktiv-und-bei-sich-sein von unschätzbarem Wert, um nicht selbst krank zu werden.

Ihr werdet nicht glauben, wieviel Leid hinter allzuvielen ganz normalen Gesichtern versteckt ist. Doch ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Potential, wieviel Kraft und Ressourcen auch die vermeintlich Kränksten immer wieder mitbringen.

Euch einen wunderschönen Tag! Ganz gleich, wie das Wetter wird, genießt ihn!

Voll & ganz verzogen.

Noch ein bisschen verschlafen starre ich an die hässliche Wand, verunstaltet von Dübeln und einem schmutzigen Abdruck da, wo einst die Einbauküche stand. Mir fällt auf, dass Tisch und Stühle in dieser Ecke viel besser ausgesehen hätten.  Derweil trinke ich den Kaffee, den ich auf der geliehenen Herdplatte für die Steckdose gekocht habe: Meine improvisierte Küche. Geschirr gespült wird in einer Schüssel in der Badewanne.

Ich habe mich ja einiger Sachen entledigt, und wenn gerade jemand etwas dringend gebraucht hat, so musste ich eben ein paar Tage ohne auskommen. Wie schon erwähnt, habe ich einiges aussortiert von meinen gesammelten Gütern, aber doch auch einiges behalten, genug, um das ganze Vorhaben zu einem ausreichend stressigen zu machen: Ich ziehe ja um!

Jetzt wird es konkret: Die letzten Kisten (oh, so viele!) müssen gepackt, die letzten Schritte organisiert werden. Klar Schiff machen, Ordnung schaffen.

Kommen & Gehen

Eben wurde mein Bett abgeholt. Gestern die Küche. Letzte Woche schon der alte schwere Fernseher, ein Kühlschrank, die Waschmaschine.

Ich miste gewissermaßen aus, nutze den bevorstehenden Umzug. Manches ist, so stelle ich fest, tatsächlich unsinnig: Weshalb eine gewichtige altersschwache Waschmaschine hunderte Kilometer zu transportieren, wenn Du Dir vor Ort gebraucht und günstig eine neuere kaufen kannst, die Du dann vielleicht im Nachbarort abholen kannst? Gleiches gilt für den Kühlschrank. Das Bett musste gehen, weil es dort nicht passt bzw. ich in Zukunft eines mit Stauraum haben möchte.

Somit lebe ich  momentan zwischen Kisten und Kartons, bin stolz auf das, was ich in den letzten Wochen schon aussortiert und geordnet, organisiert und geschafft habe, versuche gelassen zu bleiben angesichts der Herausforderungen, die allesamt noch anstehen.

Da, wo ich hinziehe, ist alles anders: Die Infrastruktur, das Wetter, das Trainingsterrain. Meine Arbeit, meine Wohnung, mein Leben. Ich bereite mich vor, sofern das möglich ist und freue mich auf das, was kommt.

Renntechnisch bin ich den Sommer über ein paar Straßenrennen gefahren, das hat mir Spaß gemacht. Leider habe ich Bellheim verpasst, weil ich kurzfristig krank war. Ansonsten wird weiter trainiert – und geplant.

 

Kurz davor.

Gestern bin ich die letzte harte Einheit gefahren, dieses Mal auf der Straße. Ich hatte das Auto meiner Eltern, habe das zurück gefahren und bin von dort aus gestartet. Das ist auch trainingstechnisch gelegentlich eine willkommene Abwechslung, was die Strecke angeht. Weil ich recht müde war und zu fortgeschrittener Stunde los fuhr, entschied ich mich für eher flaches Terrain. “Zwei Stunden Grundlage – schnell und hart” klingt erst einmal wie ein Widerspruch, und auch eher gar nicht so hart. Ist es aber mit der Zeit, wenn das Ziel ist, den Puls immer schön im G2-Bereich zu halten. Ein paar Ausreißer nach oben habe ich mir erlaubt, ansonsten auch gegen Ende durch gehalten, wo die Beine nach jedem Ampelstop protestierten. Danach bin ich noch ein bisschen ausgerollt, was selbstverständlich “den Schnitt versaut” hat, wie man als Strava-Süchtling gerne sagt.

Ab heute wird nur noch locker gerollt. Anstrengend wird es dennoch: Heute packen (viel, aber möglichst nicht zuviel, sonst gibt es berechtigen Ärger von der – nicht nur im Packen – besseren Hälfte), zudem die obligatorischen tausend Kleinigkeiten erledigen, lockere zwei Stündchen auf’s Rad zwischendurch. Morgen Anreise, ermüdende Anreise. Kurz vor der Ankunft Vorräte kaufen (ich denke, ich schreibe eine Einkaufsliste dafür).

Freitag kurz locker, Samstag kurz locker, Sonntag Prolog. Der Prolog, das weiß ich inzwischen, fühlt sich schon endlos an. Wenige Kilometer, lächerlich eigentlich, die ich kaum überwinden kann, wo ich häufiger werde absteigen müssen als mir lieb ist: Ein paar kleinere Stellen kann ich schlichtweg noch immer nicht fahren. Ich nehme das hin, habe ich beschlossen: Es gibt Dinge, die kann ich nicht. Und andere klappen mal, dann wieder nicht. C’est la vie, n’est-ce pas?

Montag, Dienstag, Mittwoch viele Kilo- und Höhenmeter, fast nur technische Trails, häufige fahrtechnische Überforderung gepaart mit Anforderung am oder auch über dem Leistungslimit. Besonders in sich haben es auch die Abfahrten, die für mich gelegentlich nicht fahrbar sind und lange, unglaublich steile Kletterpartien (in Radschuhen, mit Rad…) zur Folge haben. – Nicht vergessen, die Landschaft zu bewundern, abwechslungsreich und traumhaft schön, menschenleer und überwältigend idyllisch, vielerorts anmutend wie eine Zeitreise. Nicht vergessen, durch zu atmen, zu trinken, zu essen, zu genießen, zu entspannen. Immer wieder annehmen, wie es ist.

Ich mache mir keine Hoffnungen auf eine tolle Platzierung, muss mir aber auch die Erwartung an mich dahingehend “abgewöhnen”. Bisher sind sechs Frauen gemeldet für die Extreme-Version, und die paar, die ich bisher kenne, sind erfahrene Langdistanz-Damen, an hochtechnische Trails (, wie man sie hierzulande nur spärlich findet und eigentlich nicht im Wettkampf,) gewöhnt, allesamt mit sehr viel mehr Renn- und Trainingskilometern und -jahren als ich sie habe. Dennoch gibt es eine Stimme in meinem Kopf (naja, Stimmen im Kopf sollte man ohnehin mit Misstrauen begegnen), die sagt, ich sollte das ebenfalls können.

Dementsprechend wird die größte Herausforderung, neben allen Schmerzen, Müdigkeit, psychischer Erschöpfung und sonstigen Leiden, darin liegen, nach jedem Absteigenmüssen dennoch mit Freude weiter zu fahren. Zur zweiten Hälfte einer jeden Etappe hin werden solche Situationen häufiger, weil ich müde bin, die Konzentration nachlässt, und zudem bspw. auf der ersten Etappe die härtesten Brocken hinten raus kommen und für mich dann schlichtweg zu gefährlich wird, bestimmte Stellen (meist unmittelbar am Abgrund) einfach zu versuchen.

All das sage ich mir jetzt bereits, versuche, zu antizipieren, mich vorzubereiten, überlege, was ich mir zusprechen werde, wenn es soweit ist. Und ich freue mich. Langsam freue ich mich mehr und mehr auf unsere gemeinsame Zeit in Adršpach!

Ernsthafte Vorbereitungen & Zweifel

Gestern hatte ich einen schlechten Tag, einen richtig schlechten Tag. Wir hatten Intervalle im Gelände auf dem Plan, kurz und hart, aber es fing schon damit an, dass ich mich auf dem Rad nicht wohlfühlen wollte: Alles fühlte sich falsch an. Wir fuhren uns ein, und ich hatte Zweifel, ob ich auch nur eine einzige Vollgassequenz würde fahren können. Am Traileinstieg war ein Auto geparkt, und ich hatte Zweifel, ob ich da vorbei kommen würde.

Ich kam vorbei, ich fuhr das erste Intervall, das zweite ging auch noch. Beim dritten habe ich wohl überzogen, denn es ging recht technisch zu, ich war am Kotzen und bekam Panik, als ich an einer Stelle durchrutschte, alles Vertrauen auf der Stelle verlor und in der Folge vom Rad musste: Verzweiflung!

Mir ist klar, dass das ziemlich überspitzt klingt und unangemessen, doch ich war tatsächlich voll und ganz verzweifelt, außer mir, dachte an das bevorstehende Rennen, dass ich “nicht mal richtig auf dem Rad sitzen kann”, “nicht mal solch ein kurzes Intervall ordentlich fahren”, “hier rumstehe und rumheule wie ein Anfänger”.

Gott sei Dank war ich nicht alleine und habe in meinem geliebten Freund auch einen duldsamen und verständnisvollen Trainingspartner. Er sagt nicht viel, beruhigt mich mit wenigen Worten, steigt dann auf und fährt langsam weiter, hat mich im Blick, aber lässt sich nicht beirren.

Ich fuhr weiter, weitere Intervalle folgten, nicht besonders gut, aber ich tat, was ich konnte. Ich baute ein paar Mal  Mist, war nicht ideal konzentriert, fluchte und schimpfte und schrie. Er hielt mich aus und war da. Ich holperte wenig elegant die letzte Abfahrt hinunter. Mir tat alles weh: Die Beine, die Hände, die Füße. Ich hatte Zweifel, große Zweifel an allem: Der Einstellung meines Rades, der Schaltung, den Bremsen, meinen Schuhen. Oh, und meiner Fitness, erst recht meiner Fitness. Vorbereitung?

MTB-Trilogy steht an, und wieder einmal konnte ich, weil die äußeren Umstände so waren und nicht anders, die zur Vorbelastung notwendigen Wettkämpfe im Vorfeld größtenteils nicht bestreiten, war müde, hatte zu wenig Ruhe. Ich will es mir nicht verderben lassen, auch wenn ich weiß, dass ich wieder werde leiden müssen, viele Stunden lang, an mehreren Tagen. Und dennoch langsam sein. Ich hoffe sehr, dass es nicht regnet, denn andernfalls weiß ich nicht, ob es – für mich – zu schaffen ist.

Ein spezielles Phänomen dieses Rennens besteht darin, dass ich ungewohnt rasch allein unterwegs bin. Weil nur die starken Männer dort überhaupt am Start stehen, und sehr wenige sehr starke Frauen. Bis auf mich, die ich wohl verrückt sein muss. Bald nach der Startphase bin ich, wenn ich nicht überziehen möchte, also meist schon abgehängt, hinter mir nur die Fahrer der Endurowertung, die es locker angehen lassen.

Wenn die Landschaft, die Strecke, die Leute nicht so unsagbar wunderbar und speziell wären, all die Angst, den Schmerz, den Schweiß, das Blut, die Tränen bei weitem aufwögen, ich wäre nicht wieder dabei. Ich wünschte nur, ich könnte eines Tages mit einer richtig großen Gruppe anderer Frauen am Start stehen und jeden einzelnen Tag gemeinsam durchleiden und genießen. Bis dahin werde ich wohl Jahr um Jahr die einsame Verrückte sein, die im Schneckentempo für sich unterwegs ist und manchmal vor Erschöpfung und dennoch mit Bedauern das eine oder andere technische Highlight zu fuß überwindet.

15. Überwald-Bike-Marathon Siedelsbrunn

Gestern stand mein erst zweiter MTB-Marathon der Saison an. Ich meldete für die Langdistanz, während aufgrund der Wettervorhersage viele Fahrer auf die Mittel- oder Kurzstrecke ummeldeten bzw. gar nicht erschienen und/oder meldeten. So war es ein für Siedelsbrunn sehr kleines Startfeld. Ich wusste, dass ich nicht würde konkurrieren können. Mir fehlen die MTB-Kilometer, erst recht, was Rennen angeht.  6 starke Damen waren zudem schon im Vorfeld gemeldet, und üblicherweise bleibt es nicht dabei.

Am Start ließ ich es locker angehen, holperte anfangs auch über die Trails, bis ich mich einfand, und fuhr dann mit der späteren 5. Seniorin bzw. dann der 2. Dame der Mittelstrecke, die ein entspanntes Tempo anschlugen. Als es in der 2. Runde aber heftig zu regnen begann, ich nichts mehr sah und erste Schaltprobleme auftraten, ließ ich die beiden zu ihrem “Finale” ziehen und begann zu kämfen: Immer wieder die Brille säubern, die Kontaktlinsen schlammfrei halten, verlorene Flaschen anderer Fahrer nutzen, um den Antrieb zu reinigen. Kettenklemmer um Kettenklemmer ließen mir die Beine zugehen, später versagten die Bremsen und ich hatte einen etwas unangenehmen Sturz deswegen. Mir war extrem kalt, ich hatte Durst und auch Hunger, wollte mein letztes Gel aber aufsparen.

Ohnehin nicht besonders schnell unterwegs, war ich nun wirklich langsam. Es war Überwindung, unter diesen Bedingungen in die 3. Runde zu gehen, insbesondere als man mich fragte: “Aufgeben oder weiterfahren? Es sind schon einige ausgestiegen.” Auf der 3. Runde war ich dann so ziemlich alleine, wurde dann noch von einer Frau aufgeholt, mit ihr und einem Mann war ich von da ab quasi allein unterwegs, und dem Schlussfahrzeug, das von da ab treu hinter uns fuhr… Die Frau war immer schön vor mir, ein guter Fixpunkt, während wir durch Schlammtiefen und neue Bachläufe kämpften; dann nach einem Abzweig im ersten Drittel der Runde aber war sie plötzlich verschwunden. Ich hatte nicht  lange Zeit, mich zu fragen, wo sie abgeblieben war, musste ich mich doch auf’s “Überleben” konzentrieren. Später erfuhr ich, dass sie in der Folge falsch gefahren war und unfreiwillig massiv “abgekürzt” hatte. Gott sei Dank hatte sie überhaupt zurück zum Start-Ziel-Bereich gefunden. Allerdings waren uns in der 3. Runde auch Hindernisse in den Weg gelegt und Markierungen verdreht worden, und das Schlussfahrzeug war es, dass mich selbst gegen Ende des Rennens kurz vom falschen Weg abbrachte und an anderer Stelle den Mann einholte, der ebenfalls falsch gefahren war.

Ich habe über eine Stunde länger gebraucht als die Siegerin Danièle Troesch aus dem Elsass. Sie ist sehr gut gefahren und ich enorm schlecht. Somit war ich überrascht, als man uns aus den Duschen zur Siegerehrung rief: Wegen ihres Falschfahrens wurde ich gemeinsam mit der 3.-Platzierten auf den 3. Platz gestellt.  Ich bin die letzte Fahrerin, die ins Ziel kam, auch eine neue Erfahrung. Trotzdem bin ich stolz, mich durch alle Widrigkeiten gekämpft zu haben:

Wenn man nichts mehr sieht, keine Kraft mehr hat, die Schaltung nicht mehr will, und dann auch die Bremsen nicht, Essen fehlt (ich hatte mich in der Kalkulation der Gels vertan) und Trinken (Brille und Antrieb reinigen hatten Vorrang), es extrem kalt ist und mehr als nass, ist weiterfahren nicht unbedingt die erste Option. Ich bin dankbar, dass ich mich dafür entschieden habe.

Vom Schwarzwald, Regen, Ausmisten und Husten

Ich habe lange nicht geschrieben, dabei immer wieder überlegt, ob und was ich schreiben könnte und sollte. Nun entscheide ich, dass es Zeit ist für einen “Rundumschlag”, weil ihr sonst nicht nachvollziehen könnt, was vielleicht als Nächstes folgt.

Somit aber muss ich auch mit Privatem beginnen, nämlich der Tatsache, dass ich höchstwahrscheinlich bald werde umziehen müssen. Ich habe mich auf insbesondere eine Stelle beworben, aus berufsbezogenen Gründen, und werde parallel dazu die eine oder andere Weiterbildung in die Therapierichtung angehen. Das scheint mir der nächste Schritt in die richtige Richtung zu sein, wenn auch kein leichter.

Dementsprechend bin ich gerade viel unterwegs:

Vor Pfingsten habe ich drei Rennen bestritten, in einer Woche. Die Bedingungen waren denkbar schlecht, aus persönlicher Sicht, sowohl die Organisation als auch Anreise gestalteten sich kurzfristig sehr schwierig, ich hatte keine Vorbereitung und keine Ruhepausen, habe aber das Beste daraus gemacht, denke ich.

Mit meinem Lieben, J., war ich danach über Pfingsten erst einmal auf der Pfingsttour, die dieses Jahr von Dresden über Tschechien und Bayern, später dann den Taunus, nach Frankfurt am Main führte. Allerdings mussten wir uns beide wegen Krankheit am Montag früh verabschieden, so dass ich nur bis zum fränkischen Hammelburg geradelt bin. Die beiden Etappen von jeweils über 200 km hatten es an sich schon in sich. Die Strecken waren toll gewählt, allerdings bei permanent massivem Gegenwind, teils Sturm, Regen, Hagelschauern und im Stundentakt schwankenden Temperaturen bis um den Gefrierpunkt schon hart, mit einer rasch beginnenden Erkältung natürlich extrem kräftezehrend, so dass ich schlichtweg sehr langsam war und eine Menge Geduld für mich selbst aufbringen musste, was definitiv nicht zu meinen Stärken gehört. Das Abbrechen liegt mir sowieso überhaupt nicht, und es fiel mir enorm schwer, diese Entscheidung zu treffen, obwohl sie auf der Hand lag, und J. ohnehin nicht weiterfahren hätte können. Drum auch war ich froh, dass Rebecca (sie ist ein Schatz!) mir noch einmal Mut in diese Richtung zugesprochen hat.

Direkt im Anschluss ging es auf Fortbildung, den ersten Teil einer systemisch orientierten Basisausbildung, eine sehr intensive und zugleich schöne Woche in idyllischer Umgebung und mit tollen Menschen. Parallel versuchte ich mich zu erholen und den hartnäckigen Husten los zu werden.

Heute wiederum geht es gleich wieder weg, wenn auch nur bis morgen, zum Hospitieren, und zwar dort, wo ich eigentlich arbeiten möchte. Dass ich nach dem Bewerbungsgespräch vor 2 Wochen dazu eingeladen wurde, freut mich umso mehr als dass ich mich – wegen der besonderen Ausrichtung der Organisation – initiativ beworben hatte. Ich hoffe zudem, danach mehr zu wissen, um langfristig planen zu können.

Nächste Woche folgt dann der zweite Teil der oben stehenden Weiterbildungsreihe in der deutschen Hauptstadt: Wieder eine Menge Reise und Erfahrungen, hoffentlich überwiegend gute.

Und zwischendurch kümmere ich mich um ein paar formale “Herumrennereien”, die bis Ende der Woche erledigt sein müssen.

Ob ich am Wochenende Rennen fahre, kann ich nicht sagen. Die Erkältung ist weitestgehend abgeklungen, ich habe auch letzte Woche jeweils früh morgens und immer zwischendurch ein Sportprogramm absolviert und werde das auch in der kommenden Woche so halten, aber ganz fit bin ich noch nicht, wie ich die letzten beiden Tage beim pedalieren festgestellt habe. Und auf’s Rad werde ich vor der zweiten Wochenhälfte nur bedingt kommen.  Aber wir werden sehen: Und ich halte Euch auf dem Laufenden.

PS: Das mit dem Ausmisten aus der Überschrift, das habe ich gar nicht erwähnt in meinem oben stehenden Roman: Ich habe zwischendurch immer wieder aussortiert und Ordnung geschaffen, habe aber noch eine Menge zu tun. Denn falls ich umziehen muss in nächster Zeit, könnte es ja u. U. durchaus schnell gehen.

Endlich Frühling, eine Menge Veränderungen, Muskelkater.

Als ich heute früh aufgestanden bin, habe ich mich sehr gefreut: Vogelkonzert und strahlender Sonnenschein, milde Luft schon so zeitig am Morgen, zudem hatte ich endlich einmal wieder bestens geschlafen. Ein solcher Umstand hatte in letzter Zeit eher Seltenheitscharakter, sowohl, was das Wetter als auch den Schlaf betrifft.

Der gestrige Ruhetag sah nur ein bisschen Krafttraining für die Körpermitte vor; allerdings habe ich nach einem nur 20-minütigen neudeutsch “core” gennannten Programm im Fitnessstudio, gefolgt von Faszienrollen, ausgiebigem Gespräch mit verschiedensten Bekannten und abschließendem Saunabesuch doch – jetzt schon – etwas Muskelkater, dummerweise u. a. in den Oberschenkeln (von den planks?). Naja, aber ansonsten hat es sowohl Spaß gemacht als auch gut getan.

Seit ein paar Monaten bin ich nun schon fertig mit der Uni, und habe auch schon den nächsten Weg eingeschlagen. In manchem muss ich mich ein wenig gedulden, das fällt mir doch schwer: Mir wär’s am liebsten, ich könnte alles sofort abhaken und regeln.

 

LBS-Cup MTB 1. Lauf Untermünkheim (03.04.2016)

Gestern also stand das erste MTB-Rennen der Saison an, zugleich das allererste Mal, dass im Zuge des LBS-Cup Mountainbike auch ein Damenrennen der Lizenzklasse veranstaltet wurde!

Da ich buchstäblich das zweite Mal diese Saison überhaupt auf dem Mountainbike sitzen würde, die Strecke zudem nicht technisch, aber konditionell anspruchsvoll ist, hatte ich keine großen Erwartungen, war aber entschlossen, mein Bestes zu geben.

Vor dem Start war ich erst einmal etwas warmrollen mit einer netten Radbekanntschaft; wir hatten sogar Gelegenheit, zwischen zwei Wettkämpfen kurz die Strecke einmal abzufahren. Das war ein Glück, denn die Untermünkheimer sind sehr engagiert, und es war dementsprechend einiges los auf der Strecke und drum herum.

Das eigentliche gezielt harte Warmfahren habe ich dann auf der Rolle absolviert, was für mich gut funktioniert.

Die ersten beiden Runden liefen erstaunlich gut, wenn auch ich natürlich sofort leiden musste, das ist nunmal Crosscountry: Anschlag vom Start bis ins Ziel. Allerdings verlor ich mit zwei weiteren Verfolgerinnen ziemlich sofort den Anschluss an die ersten beiden, sehr starken Fahrerinnen, die bald darauf schon nicht mehr zu sehen waren.

In der dritten Runde  hatte ich zu kämpfen und auch die Konzentration litt enorm. Dabei verlor ich immer wieder kurz den Anschluss an Pepe vor mir und Anette, die schließlich eine größere Lücke reißen konnte und von da ab ein Stück weiter vorn für sich blieb. Pepe holte ich mehrfach wieder ein, konnte aber auch ihr bald schon nicht mehr folgen, wenn auch ich sie immer vor mir sah.

In der letzten Runde konnte ich ihr nochmal näher kommen, schaffte es aber nicht einmal mehr auf Schlagdistanz, obwohl ich alle verbleibende Kraft investierte.

Wohl nicht nur ich war aber im Rennverlauf zunehmend häufig behindert von sehr starken Fahrern anderer Klassen, die gemeinsam mit uns unterwegs waren und harte Positionskämpfe “um uns herum” auszufechten hatten und die wir eigentlich selbst wiederum nicht einschränken wollten, sowie – die schwierigere Variante – abgehängten und überrundeten Fahrern eben dieser Klassen, die häufig eher am Pöbeln waren und selbst an breiten Stellen Probleme hatten, zu passieren.

Somit fuhr ich selbst an fünfter Stelle ins Ziel, nach Pepe, die wiederum hinter Anette das Ziel erreichte. Glückwunsch auch auf diesem Wege an Anette Rathmann (3.) von Radsport-Rhein-Neckar zum Treppchenplatz! Sie lag damit hinter Jessica Benz (1.) vom SC Hausach, die für Neumeyer Tekfor fährt, und Nina Kraus (2.) vom TSV Schmiden, die für das Multivan Merida Team Deutschland unterwegs ist. Hinter mir kam nur noch eine weitere Fahrerin ins Ziel, während die beiden übrigen das Rennen nicht beendeten.

Selbstverständlich drehten meine Beine an den steilen Anstiegen nur sehr zäh, technisch habe ich ebenfalls wenig zustande gebracht. Aber angesichts der fehlenden Übung und Rennhärte sowie der dennoch anständig gefahrenen ersten beiden Runden bin ich soweit doch zufrieden und freue mich auf die nächsten Rennen.

Besonders gefreut habe ich mich über das tolle Wetter im frühlinghaft erblühten Kochertal (mir tat’s allerdings leid um die überfahrenen Schlüsselblumen auf der Strecke), die netten Begegnungen und meinen duldhaften und treuen Betreuer und Flaschenservice Jakub!

Vermisst habe ich allerdings die berühmten “Open-air-Duschen”, die es früher dort gegeben hatte.

Einen schönen Abschluss fand der Nachmittag mit einem kurzen Abstecher zuhause auf der Rückfahrt, die Jakub währenddessen auf dem Rad vornahm: Eine Tasse Kaffee mit meiner Mama, Spaziergang mit dem Papa; zuhause gerade das Auto aus- und das größte Chaos aufgeräumt, als durchs geöffnete Fenster das Surren des Freilauf von Jakub’s Rennrad zu hören war, und somit auch er sein Tagwerk hinter sich hatte.