Eins auf den Deckel

Die letzte Woche über bin ich konsequent nicht Rad gefahren. Es war notwendig: Ich war müde, erschöpft, habe viel geschlafen, gut gegessen, mein Tagwerk erledigt, soweit es ging.

Am Sonntag dann stand das nächste Rennen der Roßbacher Bike Challenge an, der Keiler-Bike-Marathon in Wombach. Dort wollte ich am Start stehen, komme was wolle. Und es kam einiges: Ich war immer noch kaputt, aber es ging mir schon viel besser. Das war die gute Seite. Doch vor allem kam Regen, sintflutartig, dazu selbstverständlich Schlamm – und ja, viel mehr Schlamm und Dreck als man ihn als Mountainbiker üblicherweise gewohnt ist – und wo ich anfangs zumindest nur langsam und nicht schleichend den Berg hinauf kam, wurde ich recht bald schon extrem langsam und fühlte mich wie die vermenschlichte Version einer Zeitlupe.

Mein großes Glück war, dass ich ab dem 1. Drittel etwa mit Partner unterwegs war, erstmals überhaupt: Mein Freund hatte Schwierigkeiten mit dem Rad und als ihm klar wurde, dass er an diesem Tag ohnehin nichts würde reißen können, wartete er auf mich und fuhr das restliche Stück mit mir gemeinsam. Dafür war ich sehr dankbar, denn rasch schon habe ich nichts mehr gesehen: Waren Brille und Augen zu, ich trage Kontaktlinsen, was das Reiben und Säubern der Augen beinahe unmöglich machte und hatte auch am Tag darauf noch gereizte Augen. So jedoch konnte ich “einfach hinterher” fahren. Blind fahren ist furchtbar, das ist wirklich nicht meins! Die Augen schmerzten, ich sah teilweise buchstäblich nichts und litt enorm darunter. Ohne meinen geliebten Vorausfahrer wäre ich wirklich aufgeschmissen gewesen, erst recht, nachdem mit jegliche Kraft verlassen hatte.

Nach den Erfahrungen bei er MTB Trilogy jedoch waren die vielen Warnschilder “Gefährliche Abfahrt!”, “Gefährliche Kurve!” samtsämtlich entsprechender Gefahrensymbole aus unserer Sicht eine wahre Lachnummer. Das waren sehr lustige Momente, wie haben wir gelacht! Das soll nicht arrogant klingen, aber diese Abfahrten waren weder steil noch schwierig und nachdem wir mehrmals umsonst abgebremst hatten, ignorierten wir derlei Ankündigungen von da ab erfolgreich.

Ich war außerdem – trotz meiner extremen Langsamkeit – erstaunt, wie schnell eine Verpflegungsstation nach der anderen kam und wie viele Forst- und Waldwege wir entlang fuhren. Aber ich musste mich sehr quälen und wenn ich das Hinterrad nicht gehabt hätte, an dem ich mich bildlich gesprochen mit aller Kraft und Konzentration festbiss, hätte ich massiv viel länger gebraucht, weil es mir hinten raus doch relativ schlecht ging.

Um die Veranstalter tat es mir sehr leid: Die tolle Zielverpflegung mit allem Drum und Dran: Edle Müsliriegel, Kuchen aller Art, sogar herzhaftes Gebäck, verschiedenes Obst, Getränke in allen Varianten etc. konnte man kaum genießen, weil ein Unwetter nach dem anderen niedergingen, wir alle nass, verschmutzt und rasch auch durchgefroren waren und an ein längeres Verweilen im Zielbereich nicht zu denken war.

Dann auch lange Schlangen an den Hochdruckreinigern (obwohl mehrere und für übliche Verhältnisse absolut ausreichend viele aufgestellt worden waren). Ich stand gut 30 Minuten an und gab dann auf, zitternd hätte ich keine weitere halbe Stunde durchgehalten. Über uns tobte sich derweil lautstark ein Gewitter aus und diejenigen, die bereits geduscht hatten, waren nach Sekunden ebenso nass wie die noch Dreckverschmierten.

Viele Leute fuhren also nach Hause, ohne noch zu essen, man verpasste die Siegerehrung, was ich besonders schade fand, weil man noch am Warten und Duschen war und all das, was sonst ein Rennen für alle Beteiligten zum Erfolg werden lässt, die Gemeinschaft, die Gespräche, das gemeinsame Ausklingenlassen bei leckerem Essen und etwas zu Trinken, der Applaus und die Bewunderung für die Schnellsten, die Diskussion über die Strecke, all das fiel weg. Das war sehr schade!

Stattdessen also packten wir die Räder wie sie waren ins Auto (wohl dem, der viele Decken, Laufradtaschen und eine gute Packtechnik hat), verzichteten auf weiteres Anstehen, gingen schnell unter die Dusche: Geduscht habe ich kurzentschlossen alles: Stellte mich samt Helm, Schuhen, Kleidung hinein. Eines nach dem anderen entdreckt und die Klamotten ausgewrungen, in die schlauerweise mitgebrachte IKEA-Tasche gepackt, dann erst eine gefühlte weitere Ewigkeit später selbst geduscht. Schließlich später noch die Dusche selbst geduscht, denn solch einen Dreck wollte ich nicht hinterlassen. Gott sei dank war das Wasser wunderbar warm und die Kälte wich endlich irgendwann aus den Gliedern. Und zudem war alles – Helm, Schuhe, Kleidung, Arnhild, Dusche – hinterher annehmbar sauber.

Am Ende haben wir noch gemeinsam gegessen, eine liebe Bekannte getroffen und mit ihr geredet. Ich jedoch war so kaputt wie wirklich seit Jahren nicht mehr, für meine Verhältnisse auch extrem schweigsam: In einer Hand die Gabel, in der anderen meinen Kopf. Der wollte nicht mehr alleine aufrecht bleiben. Benimm adé, ich war fertig, wollte aber trotzdem nichts verpassen: Weder die Bekannte noch das Essen. Prioritäten…

So habe ich die gesamte Rückfahrt über tief und fest geschlafen, die heftigen Unwetter auf der Autobahn nicht mitbekommen und wachte erst 2 Stunden später bei großer Hitze kurz vor zuhause wieder auf. Ziemlich erholt. Auch hier war ich sehr dankbar, dass ich  nicht alleine unterwegs war, einen treuen “Fahrdienst” hatte, der mich lieb nach Hause brachte.

Gesamtfünfte und Vierte bei den Seniorinnen-I mit jedoch sage und schreibe einer Stunde auf die Erste, das ist das niederschmetternde Resultat. Ich bin rasch bergab unterwegs gewesen, war aber sowohl in der Ebene als auch vor allem dann bergauf massiv zu schwach. Nicht nur verglichen mit den anderen – was hülfe ein solcher Vergleich? – , sondern wiederum vor allem im Vergleich zu meinen üblichen Leistungen. Also erst einmal weiter gut erholen und schauen, dass ich meine alte Form wieder finde.

Der Pilateskurs, dann Schaumrolle & Mobilisation im Studio waren mein gestriges Abendprogramm: Sehr wohltuend, das bekommt zukünftig einen festen Platz, habe ich beschlossen.

 

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