Eurobike 2013 –

Eurobike - Rapha Evening Ride

Mein persönliches Eurobike-Highlight war definitiv der Rapha-Evening-Ride am Mittwoch.

Das Ganze hatte sehr hektisch begonnen: Wir waren spät zuhause weggekommen, die Anreise verlängerte sich ins gefühlt-Unendliche, durch Staus, stockenden Verkehr, dann kurz vor dem Messegelände noch durch den Rückstau von Besuchern, die bereits nach Hause wollten. Unser ursprünglicher Plan, erst noch entspannt 1 – 2 Stunden auf der Messe zuzubringen, war inzwischen zusammen geschmolzen auf den Wunsch, pünktlich zur Abfahrt am Eingang zu sein. 18 Uhr hieß es auf einer Seite, 18:30 Uhr war auf einer anderen angegeben. Irgendwann waren wir nicht einmal mehr optimistisch, es bis 18 Uhr schaffen zu können. Ich hoffte einfach, dass meine Vermutung richtig war, dass nämlich um 18 Uhr Treffpunkt und um 18:30 Uhr die eigentliche Abfahrt angesetzt waren. Kurz vor halb sieben trafen wir schließlich ein. Ich war ein nervliches Wrack, muss ich zugeben, hatte Angst, dass ich halb angezogen da stehen und nur würde zuschauen können, wie die anderen abfahren. Schnellstmöglich also habe ich mich auf dem Parkplatz umgezogen, mein – wirklich ein großer – Schatz hat mich in aller Ruhe unterstützt und beruhigt, und kaum war ich angezogen, saß ich auch schon auf dem Rad, um mich herum eine Horde anderer Radfahrer. Verdammt viele Radfahrer. Außerdem mir war nur eine andere Frau da.

Leider war keine Zeit, die vielen schönen Räder und stylishen Klamotten ausreichend zu würdigen, mehr als nur ein paar Worte mit den netten Leuten zu wechseln. Da ging es auch schon los: Ich fand mich relativ weit vorn im Pulk wieder, kam gelegenetlich mit wechselnden Nebenfahrern ins Gespräch, genoss die unglaubliche Landschaft im Hinterland des Bodensees, mit seinen lieblichen Hügeln, endlosen Apfelplantagen, kurzen Stichen, unerwarteten Weitblicken, die hinter jeder Kuppe, in so manchem langgezogenen Tal auf uns zu warten schienen.

Teils wie hypnotisiert folgte ich im Verband vieltönend schnurrender Rennräder und surrender Freiläufe – gelegentlich einmal unterbrochen von Bremsenquietschen, Gelächter, kurzen Ausrufen – schmalen, sanft gewundenen Asphaltbändern, flogen wir vorbei an kleinen Siedlungen und einzelnen Häusern, schlichten Kirchengebäuden, Scheunen, Fachwerkhäusern, Gärten, Wiesen, Stoppelfeldern. Manchmal bekam ich Unterhaltungen mit, vor oder hinter mir, es wurde Englisch gesprochen, mal mit britischem, mal mit US-amerikanischem Akzent, oft gab es einen deutlich deutschen oder osteuropäischen Einschlag. Daneben wurde Deutsch, Polnisch, Tschechisch und sogar Russisch gesprochen, unisono schwiegen wir aber, wenn es etwas steiler wurde. Keuchen, das Klackern von Schaltungen, Körper im Wiegetritt, ein Teil drängt nach vorn, andere fallen zurück, gemeinsam weiter.

Wir kannten einander nicht, manche fuhren sehr routiniert und ausdauernd, einige waren vollkommen durchtrainiert, einzelne extrem; Andere schienen erst wenige Male auf dem Rad gesessen zu haben, tasteten sich bremsend durch die Kurven, die Abfahrten hinab, beäugten Hinterräder und Lenker der Mitfahrenden wie feindliches Terrain und erschraken sichtlich bei jedem Kuhfladen, jedem Schotterhäufchen, litten an den Anstiegen. Die Rapha-Jungs waren unermüdlich, fuhren nach vorn, ließen sich zurückfallen, gaben Zeichen, stellten sicher, dass jeder zurecht kam, zufrieden war, nicht allein gelassen. Selten war ich so heiter-still dahin gerollt, entspannt, raum- und zeitlos fast. Ein Zwischenraum.

Es wurde dunkel, bis wir zurück waren: Nebelschwaden und kalte Luft, die aus den Wäldern aufstieg, ließen mich dankbar meine Windjacke überstreifen. Dass ich Arm- und Knielinge trug, war mir nur auf den ersten Kilometern übertrieben vorgekommen: Ein kühler Spätsommerabend. Am Rapha-Stand hatten sie ein nettes Barbecue für uns vorbereitet. Wie schön, wenn man so versorgt wird! Bis spät unterhielten wir uns, streiften über, was ging, um warm zu bleiben und gingen erst auseinander, als sich die Kälte und Müdigkeit nicht mehr ignorieren ließen.

Vielen Dank an Rapha für diesen wunderschönen Abend!

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