“Fair play”

Ich habe das gestrige Rennen ganz gut überstanden. Erstmals weiß ich meine Position nicht, aber die werde ich schon noch erfahren. Bis dahin aber ein ganz anders Thema:

Fair play. Das hat mich gestern eine Weile lang beschäftigt: Ich habe mich über eine Konkurrentin geärgert, massiv. Irgendwann waren es sehr viele Fahrer, die hinter ihr hingen, während sie niemanden vorbei ließ und jegliche Überholversuche an den wenigen und sehr kurzen breiteren Stellen mit Zwischensprints vereitelte. Letztlich konnten 2 oder 3 starke Fahrer dennoch passieren, aber wir übrigen durften im Schneckentempo sehr, sehr lange Zeit ihr fahrtechnisches Miserium live miterleben.

Es war ein schöner Trail, ein sehr schöner, den man wunderbar hätte genießen können. Teils jedoch musste man absteigen, weil sie vorn (viel zu dicker Gang, Linienwahl nichtexistent und ja, irgendwann wusste man recht genau, was alles sie falsch machte, wir durften ja lange genug zusehen) nicht vom Acker kam. Das ging mir auf die Nerven, nachdem ich realisiert hatte, dass sie aktiv zu verhindern suchte, dass irgendwer vorbei kam. Und das fand ich nicht in Ordnung.

Ich hatte verdammt viel Zeit zum Überlegen, also überlegte ich, ob meine Kritik gerechtfertigt sei. Ich wollte nicht unfair sein, nur aus Frust, dass ich nicht vorbei kam (wäre ich stärker, hätte ich ja vorbei sprinten können. Andererseits, es gab letztlich nur eine Gelegenheit, wo man trotz ihrer bewussten Konter hätte vorbei kommen können und da haben es die 3 vor mir gerade noch geschafft und der Rest nicht mehr, ich war halb vorbei und musste wieder einscheren, weil es wieder eng wurde). Also habe ich überlegt, wie ich es selbst halte.

Okay, und da fielen mir Grundregeln in meinem Kopf auf: Schnellere möglichst rasch vorbei lassen. Mich entschuldigen, wenn ich jemanden aufgehalten, ausgebremst oder zum Absteigen gezwungen habe (nicht bemerkt, Fahrfehler meinerseits o. Ä.). Auch im technischen Terrain möglichst seitlich halten, wenn Fahrer von hinten kommen. Darauf achten, auch wenn ich kaputt bin, andere vorbei zu lassen. Gefahren/plötzliche Richtungwechsel per Handzeichen/Zuruf markieren. Andere motivieren, etwas nettes zurufen, wenn etwas schief läuft. Schauen, wie es Gestürzten geht oder solchen, die schieben. (…)

Ich will mich hier nicht profilieren, denn das, was ich oben aufgelistet habe, ist selbstverständlich. Gelernt habe ich es nicht, weil mir es jemand gesagt hat, sondern weil ich es von Beginn an bei anderen gesehen, von ihnen erlebt habe und ebenso gehalten.

Nun, und wenn ich weiß, dass ich eine Stelle evtl. nicht schaffe, lasse ich schnellere/stärkere Fahrer passieren. Oder wenn ich absteigen musste, steige ich so wieder auf, dass man vorbei kommt. Auch das sollte man so tun und habe ich wiederum von anderen abgeschaut.

Meine Überlegungen gestern kamen zu einem eindeutigen Ergebnis, als besagte Dame, sie war sehr stark und konnte enorm beschleunigen, sobald es das Gelände zuließ, vor einem kurzen Steilstück bewusst andere schnitt und dann – es war zu erwarten gewesen – vom Rad musste. Sie zwang so gut 10 Personen vom Rad, stieg später so wieder auf, dass auch niemand vorbei kam und ja, da war ich richtig wütend.

Das ist nicht in Ordnung. Leute: Ob stark oder schwach, sportlich faires Verhalten gehört dazu. Und die Lady von gestern, ich habe sie ganz schön angemacht, mehrfach, und schäme mich nicht dafür, hätte durchaus profitiert, hätte sie all diejenigen, die technisch um Welten besser waren als sie, nach vorn gelassen und sich hinten an gehängt. So hätte zumindest ihre Linienwahl ansatzweise gepasst und sie wäre sicherer und um ein Vielfaches schneller durch die technischen Passagen gekommen.

Abgesehen von diesem selten extremen Negativbeispiel habe ich vom Start bis ins Ziel nur sehr freundliche Erfahrungen gemacht und eine tolle neue Strecke kennen gelernt, die ich auf jeden Fall wieder einmal fahren möchte!

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