Herbstlaub

Da sitze ich nun und überlege. Überlegen kann tödlich sein. Ich habe mir gestern selbstgebackenen Hefezopf und Kaffee einverleibt, den täglichen Obst-und-Gemüseteller gerichtet und das Internet nach motivationsrelevantem Material durchforstet.

Das Rennrad steht in der Werkstatt, eigenhändig frisch poliert, aber noch nicht fit für’s nächste Jahr. Wenn ich allein fahre, lande ich meist auf der Straße, also mit dem Rad. Heute aber soll’s das Mountainbike sein, und warum auch immer, ich tue mich schwer damit.

Vielleicht, weil das Mountainbike für mich immer auch “Gemeinschaft” bedeutet. Wenn ich dann mal unterwegs bin, ist das keine Frage mehr. Da fahre ich einfach, genieße die Natur, die Trails, das Leben.

Jetzt aber kombiniere ich Kohlrabi- und Karottenschnitze mit frischem Kaffee; eine seltsame Zusammenkunft, ich weiß. Außerdem gibt’s übrigens heute Clementinen, Pflaumen und Birne. Der Teller ist meist gemüselastig, aber nicht jeden Tag. Anlass für diese noch recht neue Gewohnheit war ein einfacher Gedanke: “5 a day. Jeder spricht davon. Aber wer setzt das denn wirklich um? Und wie könnte das in der Praxis überhaupt aussehen?” Seither suche ich mir allmorgendlich mindestens 5 Gesellen aus der Obst- bzw. Gemüsefraktion aus. Manches schäle und schnipple ich schon, anderes bleibt so wie es ist bis zum Verzehr. Bin ich unterwegs, packe ich alles in eine Dose. Im Laufe des Tages wird davon gefuttert, mal dies, mal das, und abends ist alles weg und ich hab’ einmal  mehr genug Gesundes gegessen. Schmeckt gut, gammelt nicht im Kühlschrank vor sich hin. Übrigens unabhängig von sonstigen Mahlzeiten.

Derweil sinniere ich über den Radsport, die Unterrepräsentiertheit der Frauen. Wie mich das nervt. Warum das wohl so ist. Und ob ich das werde ändern können. Aus diesem Grund haben wir einmal unser Team gegründet. Es hat viel Mühe gekostet, aber auch schon großen Spaß gemacht. Ich habe tolle Leute getroffen und zwar bisher nur sehr wenige, aber treue und ganz spezielle und wertvolle Mitstreiterinnen gefunden. Enttäuschungen gehören dazu: Menschen, die nicht mittragen, sondern mitgeschleift werden wollen. Die nicht bereit sind, Aufgaben zu übernehmen. Das vielleicht nicht können; nicht unbedingt aufgrund ihrer Person, sondern vielmehr aus ihrer Situation heraus. Zeiten, die nicht leicht sind und uns an unsere Grenzen bringen. Widrigkeiten, die uns manchmal einfach über den Kopf wachsen.

Daraus möchte ich lernen, unabhängig von der Sicht anderer weiter zu gehen. Ich will meine Ziele nicht aufgeben, weil andere nicht mitmachen. Soviel Macht darf keiner haben. Daraus möchte ich aber ebenfalls lernen, wie wichtig andere sind, die Unterstützung, gegenseitige Ermutigung, Gemeinschaft. Und weiterhin darauf bauen. Unermüdlich suchen wir also weiter nach anderen Frauen, die Mountainbike fahren und sich genau das wünschen. Wir bauen weiter am Traum von einem großen, heterogenen Frauenteam mit starkem Zusammenhalt.

Mountainbike Marathon, Crosscountry, Enduro, Rennrad, Cyclocross.

Heute Mountainbike. Auf in’s Herbstlaub!

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