Kirschernte

Gestern früh setzte ich mich nicht auf’s Rad, sondern war zeitig schon mit der Bahn unterwegs nach Hause zu meinen Eltern. Dort verbrachte ich den Tag im Kirschenbaum, einem haushohen betagten Baum auf unserer Wiese. Es war sehr windig und schön, wenn die Blätter rundherum rauschen und die Kirschen im Spiel von Licht und Schatten immer wieder rot aufblitzen wie winzige Lampions. Ich bin geklettert, vorsichtig – Kirschholz ist trügerisch – und habe geerntet. Richtig viel ist im Lauf des Tages Eimer für Eimer in die großen Obstkörbe gewandert. Meditativ und entspannend war das, ja. Konzentriert auf jede Bewegung: Klettern, sich strecken, ernten, den Eimer umhängen, weiterklettern, nur nicht übermütig werden. Irgendwann steht man freihändig ganz oben im Baum, pflückt und befüllt den Eimer und hat es nicht einmal bemerkt: Dass man sich nicht festhält. Flowerleben nennt sich das wohl. Die Äste wiegen im Wind. Ich stehe mit meinen Fivefinges irgendwo mitten im Geäst und fühle mich zeitlos wohl. Das war tatsächlich sehr schön. Angenehm gestreckt, “durchbewegt” und belebt kehre ich am Abend nach Hause zurück: Im Kühlschrank frische Kirschen, weiße und rote Johannisbeeren, die ich mir auch noch rasch gepflückt habe.

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