Langweilig wird’s nie.

Nein! Langweilig wird’s nie, auch dann nicht, wenn man sich nach draußen gequält hat, weil das Wetter wenig einladend ist:

Ich habe ein bisschen überlegt, ob ich Euch das erzähle. Warum aber eigentlich nicht?, dachte ich dann, weshalb wiederum ihr im Folgenden (ausführlich) erfahren sollt, was mir vorgestern passiert ist:Wir waren zu 2. unterwegs, und ich habe eine Dose gefunden. (Wie ihr vielleicht bereits wisst, sammle ich gelegentlich Müll ein, sofern er transportabel ist in den Trikottaschen oder sonst irgendwie.) Es war ein ausländisches Fabrikat, ich wollte es am nahen Supermarkt entsorgen, bin darum alleine voraus gefahren.

Auf dem Parkplatz angekommen, rollte ich zum Mülleimer, der in einer Ecke am Eingangsbereich stand. Ich bremste ab und war gerade kurz vor dem Stillstand, da kam ein älterer Herr aus dem Laden. Rechts war die Wand, links waren andere Fußgänger, ich war ohnehin am Bremsen, konnte aber logischerweise nicht ausweichen. Ich sah ihn also erwartungsvoll an und versuchte zugleich, zumindest ein klein wenig zur Seite auszuweichen, auch deswegen schwierig, weil ich ja fast schon stand (ich kann ja schlecht vollgas auf den Eingang zupreschen). Er starrte mich an und ging weiter. Ich blieb somit seitlich versetzt vor ihm stehen und er lief mich einfach um, während er mich ansah, und beschimpfte mich laut und aggressiv. Mir fiel zugleich nur ein (zugegebenermaßen schlechter) Witz ein: “Reaktionszeit so ziemlich gegen Null?”, habe ich lachend gesagt. Sein Vokabular hat mich doch ziemlich überrascht, ich will’s hier gar nicht widergeben, wirkte noch absurder in Anbetracht seines seriösen Erscheinungsbildes. “Sie sind aber höflich.”, meinte ich also. Und als Dinge wie “Halt die Fresse,…” (und deutlich Schlimmeres) kamen, meinte ich, er habe doch einen erstaunlichen Umgangston, weiterhin freundlich bleibend, schließlich war es ein wildfremder Mensch, ein älterer Herr zudem.

Daraufhin schlug er mich. – Ja, genau, er lief auf mich zu und holte weit aus und schlug mich. Ich konnte – weiterhin über dem Rad stehend – nur bedingt ausweichen, hatte aber die Reaktion, einfach (und mit voller Wucht) zurück zu schlagen. Daraufhin war ich sauer, wie ihr euch vorstellen könnt. Ich “befahl” ihm fast zeitgleich, sofort zurück zutreten, kurz und knapp. Er schrie weiter, und ich meinte, ob er verrückt sei, mich zu schlagen

Bevor er noch einmal auf mich losgehen konnte, kam mein Freund auf seinem Rad angerollt, genau zwischen uns, rempelte den Mann sozusagen an, so dass der zwangsläufig zurückweichen musste, und schlug ihn ebenfalls, was verrückterweise tatsächlich notwendig war.

Ein sehr freundlicher Handwerker kam mir zur Hilfe, er hatte alles beobachtet, der Mann schrie weiter Obszönitäten, der Handwerker trat zwischen den Mann und meinen Freund, der kaum an sich halten konnte, weil er meinen Ausruf, der Mann habe mich geschlagen, ja gehört hatte.

Das Verrückte war, dass dieser edel gekleidete Mann, der erst dann zögerlich den Rückzug in Richtung seines wiederum edlen SUV antrat, als der Handwerker mir anbot, als Zeuge zu fungieren, da er und sein Kollege (im Transporter nicht weit von uns sitzend) alles gesehen hätten, brüllte, er werde “die Bullen” rufen usw. Der Handwerker war wirklich goldig, ruhig und verlässlich stand er einfach da und wartete, bis ich sicher war. Er sprach schlecht deutsch, trug die übliche Handwerkerkluft und verstärkte dadurch noch die komplette Befremdlichkeit der Situation.

Zittern und Erschrecken kamen zum Glück erst später. Ich habe nicht verstanden, was ich meine, in den Augen des Mannes gesehen zu haben: Dass er erstens Jeden so angerempelt hätte, ob ich nun ein junger Mann gewesen wäre oder eine alte, gebrechliche Frau. Hinzu kam, dass er nicht einen Moment gezögert hat oder auch nur Hemmungen hatte, mich mit voller Kraft zu schlagen, die er mich nicht kannte und die ich nichts getan hatte gegen ihn, die ich ihn nicht einmal beschimpft hatte und auf seine Beschimpfungen doch recht stoisch reagiert (anfangs war ich einfach zu überrascht, um wütend oder frech reagieren zu können).

Und noch später empfand ich Freude. Freude und Stolz, dass ich zurück geschlagen habe. Es gab eine Situation vor nun schon recht langer Zeit, da war ich hilflos, als fast etwas Schlimmes geschehen wäre. Da saß ich gelähmt da und konnte nichts tun. Das hat mich immer erschreckt. Und es ist unglaublich wunderbar, dass ich mich dieses Mal ohne nachzudenken wehren konnte, dass ich mich ruhig und mit klarer Stimme vor ihn gestellt habe und keine Angst gezeigt.

Und dass außerdem Leute da waren, ein Fremder und ein Freund, die mich geschützt haben und bei mir waren.

Fazit: Ob eine Trainingsrunde langweilig wird, weiß man immer erst hinterher. Oder um  mit Frau Merkel zu sprechen (und das Zitat, wie ich aus der SZ erlernt habe, nun richtig anzuwenden): “The proof of the pudding is in the eating.” Da bleibt mir nichts anderes übrig, als zu schauen, was das Training heute so mit sich bringt.

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