Peinlich, peinlich…

Gestern habe ich ein etwas unangenehmes Intermezzo fabriziert, unerwartet (logisch, denn andernfalls hätte ich es zu vermeiden gewusst):

Mein Liebster wollte unbedingt mit einer bestimmten Gruppe (Triathleten…) fahren, gegen Abend. Also war ich pünktlich dort und wurde zunehmend unruhig, als eine “Gestalt” nach der anderen angerollt kam: Ein solch seltsames Sammelsurium an Rädern und vor allem deren Besitzern hatte ich bis dato noch nicht auf einem Haufen gesehen und machte mich dementsprechend auf einiges gefasst. Dummerweise kam es dennoch schlimmer als erwartet:

Die hatten schon beim Anfahren Schwierigkeiten, und so waren wir noch fester entschlossen, gehörig Abstand zu wahren und ganz hinten zu fahren. Um den Einstieg kurz zu halten: Es dauerte fast schon eine Stunde, bis wir endlich und wirklich unterwegs waren. Erst hatte eine direkt nach dem Start einen Platten, den wiederum viel zu viele Leute in extrem viel zu langer Zeit behoben. Derweil musste ich auf die Toilette (und wenn ich gewusst hätte, dass man für einen Schlauchwechsel 20 Minuten brauchen kann, wäre ich derweil davon gefahren und hätte das erledigt gehabt), stand also in der prallen Sonne, ohne zu trinken. Dann gab es auf dem Weg durch den Ort einige üble Aktionen, oder nennen wir es lieber “Interaktionen” mit dem übrigen Straßenverkehr. Gott sei dank waren in diesem Fall die anderen Verkehrsteilnehmer wachsam. Dann wiederum wurde ein weiterer Haufen Radfahrer eingesammelt, zwischendurch gewartet. Irgendwann kassierten wir noch Ärger von einem idiotischen Autofahrer, den er besser auf den Haufen gemünzt hätte, der dank wahnwitziger Manöver eben davon pedaliert war, während wir beide die vernunftbehaftete Minderheit darstellten, die noch vor Ort stand  und wartete, bis der Verkehr ein Weiterkommen ermöglichte.

Da die Guten eher schlecht den Berg hoch kamen, hatten wir sie immerhin bald wieder eingeholt. Mein Schatz hatte nun wirklich keine Geduld mehr und wollte nur noch weg. Also gaben wir Gas, ich an seinem Hinterrad, und alles lief wie geschmiert, bis mir weiter oben schrittweise die Luft weg blieb und recht bald auch schlecht wurde. Ich begann, wie verrückt zu schwitzen und wusste nicht so ganz wie mir geschah, hatte Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und wusste gleichzeitig, dass ich  nicht stehenbleiben durfte.

Nach einigen Minuten wurde das Ganze aber etwas kritisch, weil ich mir nicht mehr sicher war, ob ich nicht gleich umkippen würde, obwohl wir schon sehr langsam unterwegs waren. Und ja, es war wirklich peinlich, aber ich musste kurz vom Rad und wir wurden bald darauf vom furchtbaren Haufen überholt. Das zum Thema Demut lernen… Dann fuhren wir konstant weiter, holten trotz des Gammeltempos noch ein paar wieder ein, zogen dann an den übrigen vorbei, denn die ganze Truppe musste oben eine Pause einlegen, und nahmen den nächsten Anstieg, wo ich an einem Flachstück etwas essen und trinken konnte. Mir ging es längst schon besser und ich konnte wieder flott fahren, war aber ziemlich platt zuhause.

Dort erst realisierte ich, was genau das Problem gewesen war: Neben nicht richtig warm fahren (stattdessen ewig herum gurken), lange warten, nichts getrunken haben, mich außerdem andauernd aufzuregen und gestresst zu sein wegen einiger Manöver, hatte ich vor allem seit Tagen nicht mehr ausreichend gegessen.

Weil es so heiß gewesen war, ich die Tage tippend am Schreibtisch zugebracht hatte bzw. beispielsweise den Sonntag komplett auf dem Rad, hatte ich keinen Hunger gehabt, immer nur kurz gefrühstückt, zwischendurch irgendetwas Kleines, abends meist gar nichts mehr, und nur am Sonntag abend beim Grillen ein paar Bissen mehr gegessen als alle übrigen Tage. Nach der langen Tour am Sonntag war ich noch verwundert, wie wenig ich gegessen hatte und dass ich auch danach kaum Appetit hattte. Ich kann mich  nicht erinnern, wann ich da rein gerutscht bin und wie weit die letzte ordentliche Mahlzeit zurücklag. Ich glaube, es waren die Pancakes zum Frühstück letzte Woche.

Das war dann wohl mein erster derber Hungerast. Ich bin beinahe kollabiert, weil ich zu wenig gegessen hatte! Und ausgerechnet vor diesen Luschen, die mich geärgert hatten ohne Ende mit ihrer selbstbewussten Unfähigkeit, Verkehrsgefährdung und -behinderung. Das ist wirklich peinlich und soll so bald nicht wieder vorkommen.

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