Rückansicht

Nach dem Wochenende in Italien, ich war am Sonntag abend zurück gekehrt, das Gepäck notdürftig in die Wohnung geworfen, schnell die Tasche gepackt für den folgenden Tag, durfte ich am Montag um 03:30 Uhr aufstehen und mich aufmachen in die schöne Kaiserstuhlregion: Wir hatten für das Straßenrennen in Merdingen gemeldet und trotz aller Müdigkeit und leeren Beinen hatte ich vor allem das Ziel, das Rennen durch zu fahren. Die Strecke ist durchaus anspruchsvoll: Harter Anstieg, gefolgt von einem weiteren kurzen Stich, nicht enden wollenden sanft ansteigenden Abschnitten, engen Kurven, einer schnellen Abfahrt mit mehreren technischen Einlagen.

Die Herren starteten um 8, darum die frühe Anreise. Ich betreute und schaute zu, wie bereits in der ersten Runde das Feld komplett zerlegt wurde, minutenlange Abstände entstanden, ein Chaos aus U19-Fahrern, C-Klasse, Senioren II und Senioren III, Begleit- und Schlussfahrzeugen an uns vorbeifuhr und manchmal niemand mehr verstand, wer wohin gehörte. Trotz der frühen Stunde litten die Fahrer massiv unter der Hitze, gaben schon auf den ersten Kilometern viele auf und von “meinen” 3 Fahrern stieg einer aus, ein weiterer erlitt einen Hitzeschlag und konnte nur gerade so eben das Rennen beenden. Der 3. hingegen wurde, obwohl er zu leiden hatte, 2.

Ich wusste also, was mich erwarten würde, als ich um 13 Uhr am Start stand; wurde prompt schon vor dem ersten Berg nach hinten durchgereicht, hatte am Berg zu kämpfen, gewöhnte mich mit der Zeit jedoch daran und fuhr Runde für Runde nach dem Berg wieder ran. Oben durfte ich unfreiwillig viel zu viel von vorn fahren, die Abfahrt sowieso. Die extremen Kurven gelangen mir jedoch nicht optimal, das merkte ich, als wir von den schnellen Junioren eingeholt wurden und ich hinterher fahren konnte.

Abgesehen von Italien am Samstag war es mein erstes Straßenrennen, aber dieses Mal ohne Pausen. Bei 39 Grad erst recht harte Arbeit. Ich hatte Spaß, ich kam zurecht, aber ich war zu wenig spritzig, keinen Druck, litt sehr, fand keine gute Gruppe, musste mehr drücken als ich konnte. 6 Runden waren zu fahren, ich wusste, dass ich das gut schaffen konnte, trank viel und fuhr unbeirrt weiter. Dann im Ziel, ich wusste, ich war ganz hinten, der Schreckmoment, als ich dachte, ich sei nur 5 Runden gefahren, überrundet und eine weniger als der Rest. Dabei war doch das Ziel gewesen, einfach durchzufahren, das zu schaffen.

Erst mal duschen und auf die Ergebnisliste schauen. Da stehe ich, ganz unten: Die allerletzte in der Wertung. Und freue mich so unbändig, dass ich es geschafft habe, bin glücklich als hätte ich den Sprung aufs Treppchen geschafft. Nach mir hat es keine geschafft. Andere sind ausgestiegen, wurden überrundet, aus dem Rennen genommen. Ich bin gerade noch dabei. Ich habe mein Ziel erreicht.

Neben mir steht Danièle, sie ist 6. geworden. Ich freue mich für sie. Ich freue mich für mich.

Was für eine Freude es doch sein kann, die Letzte zu sein!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>