Rückblick: Trainingslager am Gardasee

Während draußen ein kurzer Graupelschauer niedergeht, verbringe ich den Tag mit Lesen: Recherchieren, recherchieren, recherchieren. Zwischendurch eine Tasse Kaffee, immer mal wieder ein Schluck Wasser, Mittagessen, die eine oder andere E-Mail. Der Wind heult übellaunig um die Ecken des Hauses, die Nachbarkinder tun es ihm heiter nach und freuen sich. Aber er zerzaust Bäume und Blätter, stößt um und pustet weg, so sehr er es vermag, hetzt den Regen gegen Fensterscheiben, unverdrossen den ganzen Tag. – So sitzt es sich recht bequem im warmen Zimmer am PC.

 

Letzte Woche noch war ich am Gardasee, wo es gleichfalls nicht immer heiter Sonnenschein gab, aber dennoch sehr schön war: Wir haben 14 Tage dort zugebracht, die Region mit dem Rennrad erkundet, dabei viel Strecke gemacht, doch auch nicht wenige Höhenmeter zurückgelegt.

 

Leider habe ich nur wenig Bildmaterial, dafür um so mehr schöne, ganz persönliche Eindrücke „im Vorbeifahren“ aufgeschnappt: Hellgelbe Primeln (oder eine Sorte Himmelsschlüssel?), die auch an düstren Tagen überall am Wegrand prächtige Teppiche bilden, den Waldboden bedecken, selbst die kärgsten Mauerspalten zieren; Tupfen leuchtendvioletter Veilchen, frisch gestutzte Olivenbäume, dieser eine Olivenhain mit tief zerklüftetem Wurzelwerk, wie ein Relikt aus alten Tagen; der immer wieder neue Blick auf den See. Blühende Obstbäume, riesige Zitronenfalter, Blüten- (und gelegentlich auch Regenduft; das laute Rascheln der Palmwedel im Wind; Vogelzwitschern, der Rundgang durch’s Dorf mit Nachbar’s Katze, die mich täglich treu besucht hat. Ach, und ein Lieblingshaus habe ich auch: mit in den Fels gehauenem Garten. (Ich geb’ Bescheid, wenn’s soweit ist, und ihr mich dort besuchen könnt.)

 

Bilder gibt es zwar, doch die sind wenig schmeichelhaft: Eine rotgesichtige, verschwitzte Arnhild, die selten lächelt und doch, das kann ich Euch versichern, zufrieden ist, wieder irgendwo oben angekommen zu sein. An manchen Tagen konnte ich nach 100 Kilometern noch vorne mächtig Tempo machen und fühlte mich gut; an anderen kam ich von Beginn an nur mit Mühe voran und die Beine wollten einfach nicht locker werden. Nach anfänglichem Hadern nahm ich es einfach, wie es kam und genoss die tollen Strecken, ob ich nun gerade leiden musste oder nicht, ob’s windig war, sonnig oder doch mal trüb und kühl. Und obwohl wir meist nur zu 3. oder 4. unterwegs waren, hatten wir einen absolut zuverlässigen Windschattenspender, der meistens wusste, wo es langgeht und für gute Laune sorgte (, dabei noch ganz nebenbei ohne zu murren seine Begleiterin die Berge hinaufschob).

 

Es gab jedoch längst nicht nur Positives. Eine Sache war das Wetter, das immer mal wieder umschlug. Mein Freund hatte zudem ziemlich zu Beginn unserer Reise völlig unvermittelt einen Rahmenbruch seines Cannondale Supersix Evo Hi-mod (ich glaube, so heißt das Modell, muss ihn aber nochmal fragen) zu verkraften, das war ein Tiefschlag der herbsten Sorte: So ein edles Gefährt bricht einfach unvermittelt unterwegs! Der Horror eines jeden Radfahrers! – Wir waren an dem betrefffenden Tag gerade mal 70 km gefahren, hatten in einem kleinen Örtchen kurz angehalten, um uns zu orientieren. Dann fuhr er an, trat aus dem Stand bergan in die Pedale, da gab es einen furchtbaren Krach und seine Kettenstrebe war entzwei gebrochen! Das wünscht man wirklich Niemandem.

Es gab einen Bus vom Nachbardorf nach Riva, und dort konnte ich ihn mit dem Auto abholen. Die Tage drauf musste er ein wenig erquickliches Mietrad fahren, das schlecht passte, viel wog, schlecht schaltete, dessen Reifen porös und Bremsen unsagbar schwach waren. Er durfte erst einmal alles einstellen und den gröbsten Schmutz entfernen. Einziger Vorteil: Die Übersetzung. Zumindest an steilen Anstiegen konnte er im Sitzen flüssig treten, während mir ohnehin längst die Gänge ausgegangen waren und unser Frontmann in Zeitlupe trat (, der jedoch trotzdem keine Schwäche zeigte). Dafür jedoch konnte ich die Abfahrten nicht wie gewohnt in seinem Schlepptau genießen, weil auf die Bremsen kein Verlass war.

 

An den Tagen vor Mailand – San Remo bekamen wir rund um den See Gesellschaft von ein paar Profi-Teams; und selbst an einem wetterbedingt taktischen Ruhetag begegnete uns noch eine Fahrerin beim Roller-Training während eines Intervalls: Auch radsporttechnisch ist einiges los am Gardasee.

Ein paar Fotos findet ihr in meinem “Dies & Das 2015″-Album auf unserer Facebookseite.

Hier auch ein Bericht zum Thema auf Sportupyourlife.

 

 

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>