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Regen im Schwarzwald

Der Vorteil an so einem zeitigen Samstagmorgen ist, dass ich in Ruhe hier sitzen darf, meinen Kaffee und parallel dazu eine Tasse Tee trinken, und wach werden. Allerdings muss ich doch bald weg, habe einiges vor heute. Ich bin ja umgezogen und lebe nicht mehr ganz so neuerdings im Schwarzwald, dort, wo gerade der Wind um’s Haus pfeift und es schon seit Wochen zeitweise ziemlich kalt geworden ist.
Das Fahrrad steht buchstäblich in der Ecke, weil ich nur wenige Wochenenden überhaupt frei habe und es bisher genau da nicht geklappt hat.

Untätig bin ich aber keinesfalls: Ich habe mir ein in Deutschland sicherlich ungewöhnliches Studio gesucht, wo ich zu festen Terminen unter Aufsicht meine eigenen Übungen machen und wir dann im Anschluss noch jeweils verschiedenste Zirkeltrainings absolvieren. Gestern haben wir eine Boxjump-challenge veranstaltet, man musste also jeweils eine feste Zeit lang auf verschieden hohe Hindernisse springen, um dann wieder soundsoviel Sekunden zu pausieren (sie wurden gefühlt rasch sehr viel kürzer), dann kam das nächsthöhere Hindernis für den gleichen Zeitraum an die Reihe, bis zum höchsten, von wo aus man das niedrigste ansteuern durfte. Bei solchen Übungen wird ebenfalls unsere Technik überwacht und notfalls korrigiert.

Für mich hat das einige Vorteile: Ich kann (außer an Seminarwochenenden) 3x pro Woche sowohl Kraft (Langhantel) als auch Ausdauer trainieren, arbeite dabei hart an meiner Technik und lerne neue Übungen kennen. Weil immer erfahrener Trainer (kein üblicher Studiotyp also) dabei ist, kann ich jedes Mal an der Ausführung feilen und er sagt mir auch, wenn ich mehr Gewicht auflegen oder aber mir an diesem speziellen Tag  auch mal weniger zumuten soll. Allerdings bedeutet das auch, dass ich an jedem Trainingstag aufs Neue herausgefordert bin. Gestern beispielsweise, wo ich eigentlich stolz war, mit neuem maximalen Gewicht (knapp an meinem persönlichen Rekord vom letzten Jahr) Kreuzheben zu machen, musste direkt im Anschluss eine Technikübung für den Start der Zugphase einlegen, die mich wirklich fertig gemacht hat. Aber sie wahr wirklich lehrreich und ich werde sie in Zukunft – bei aller Qual – häufiger einfügen. Ach, und da ist da noch der Trupp an liebenswerten Chaotinnen und Chaoten, oder auch Nichtchaoten, denen ich mich damit angeschlossen habe und die zu sehen ich mich jedes Mal freuen darf.

Ich pendle weiter mit dem Rad zur Arbeit, aber nicht an einem Großteil derTrainingstage, wo ich direkt nach der Arbeit sehr rasch ein paar Ortschaften weiter sein muss.

Ja, ich vermisse das Radfahren sehr! Nach einer ersten Serie von Seminarwochenenden, Besuchswochenende (da war ich aber wandern hier oben, und das war wunderschön und ebenfalls durchaus anspruchsvoll), dazu mehreren Dauerregen- und Arbeitswochenenden weiß ich, dass ich im Winter tatsächlich nicht auf’s Radtraining bauen darf, nicht in meiner Situation.

Das Radfahren aber vermisse ich nicht nur, ich habe es auch gewiss nicht an den Nagel gehängt! Es ist eher das Gegenteil der Fall: Ich weiß inzwischen, wie gut es mir tut, freue mich auf jede Gelegenheit, endlich mehr von der Gegend zu sehen, bin auch schon am Kontakte knüpfen, um hier Anschluss zu finden.

Ich freue mich außerdem auf den ersten Schnee (angeblich könnte es dieses Wochenende schon soweit sein), denn dann kann ich das Skilanglaufen wieder anfangen! Und: Es gibt in der Region so genannte Nachtloipen, wo man theoretisch auch unter der Woche am Abend noch ein paar Runden absolvieren kann.

Und wenn die Tage länger werden, bin ich die erste, die wieder mehr auf dem Rad sitzt. Ich werde fit sein, fitter denn je, auch deshalb, weil ich meine Arbeit zwar sehr gerne mache (der lange harte Weg ist offenbar durchaus der richtige für mich), aber sie nicht selten keine einfache ist, und der Ausgleich, das Draußensein in der Natur, das bewusste Aktiv-und-bei-sich-sein von unschätzbarem Wert, um nicht selbst krank zu werden.

Ihr werdet nicht glauben, wieviel Leid hinter allzuvielen ganz normalen Gesichtern versteckt ist. Doch ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Potential, wieviel Kraft und Ressourcen auch die vermeintlich Kränksten immer wieder mitbringen.

Euch einen wunderschönen Tag! Ganz gleich, wie das Wetter wird, genießt ihn!

Kommen & Gehen

Eben wurde mein Bett abgeholt. Gestern die Küche. Letzte Woche schon der alte schwere Fernseher, ein Kühlschrank, die Waschmaschine.

Ich miste gewissermaßen aus, nutze den bevorstehenden Umzug. Manches ist, so stelle ich fest, tatsächlich unsinnig: Weshalb eine gewichtige altersschwache Waschmaschine hunderte Kilometer zu transportieren, wenn Du Dir vor Ort gebraucht und günstig eine neuere kaufen kannst, die Du dann vielleicht im Nachbarort abholen kannst? Gleiches gilt für den Kühlschrank. Das Bett musste gehen, weil es dort nicht passt bzw. ich in Zukunft eines mit Stauraum haben möchte.

Somit lebe ich  momentan zwischen Kisten und Kartons, bin stolz auf das, was ich in den letzten Wochen schon aussortiert und geordnet, organisiert und geschafft habe, versuche gelassen zu bleiben angesichts der Herausforderungen, die allesamt noch anstehen.

Da, wo ich hinziehe, ist alles anders: Die Infrastruktur, das Wetter, das Trainingsterrain. Meine Arbeit, meine Wohnung, mein Leben. Ich bereite mich vor, sofern das möglich ist und freue mich auf das, was kommt.

Renntechnisch bin ich den Sommer über ein paar Straßenrennen gefahren, das hat mir Spaß gemacht. Leider habe ich Bellheim verpasst, weil ich kurzfristig krank war. Ansonsten wird weiter trainiert – und geplant.

 

Immer wenn es regnet,…

Seit ich wieder Zeit habe zu trainieren, folgt ein Regentag auf den nächsten. Ist es einmal trocken, habe ich einen Termin. Das aber ist kein furchtbares Schicksal, sondern schlichtweg das Leben. Und so wollte ich eigentlich trotzdem fahren heute, wie gestern auch schon, trotz des gemeldeten leichten Regens. Gestern hat es gegen Ende nicht einmal mehr geregnet, kam in den letzten Minuten sogar unglaublich strahlend die Sonne zum Vorschein.

Allerdings regnet es heute überhaupt nicht leicht, und im Dauerregen zu fahren halte ich nicht für sinnvoll. Krafttraining ist morgen dran, also habe ich mich tatsächlich und wahrhaftig zum Spinningkurs angemeldet, denn ich wollte auf jeden Fall etwas tun heute. Es muss mindestens ein paar Jahre her sein, seit ich zum letzten Mal einen solchen Kurs besucht habe, aber was soll’s: Bewegung. Den Rest werde ich auch überleben.

Perspektive

Ein paar Leute, die ich sehr gern habe, wiegen zuviel. Sie sind dick. Ich mag sie nicht trotzdem. Ich mag sie unabhängig davon.

Sehr viele Leute, die ich kenne – manche mag ich, manche nicht – sind nicht trainiert. Sie haben keine Ausdauer, keinen stabilen Körper, und/oder keine Muskulatur.

Sehr viele Menschen, denen ich Tag für Tag begegne, sind nicht stark, nicht trainiert.

Sie sind häufig schlank, jeder sieht das.
Sie sind häufig nicht fit, ich sehe das.

So könnte ich Euch verurteilen, wie Ihr diejenigen verurteilt, die dick sind. Weil mein Kriterium, was oder wie ein Körper zu sein hat, ein anderes ist als Eures: Ihr seht dicke, ich sehe starke Beine. Ihr seht dünne, ich schwache.

Sehr viele Menschen, die ich sehr gern habe, trainieren zu wenig. Sie sind nicht fit. Ich mag sie nicht trotzdem. Ich mag sie unabhängig davon.

Ein Mensch ist nicht sein Gewicht, nicht seine Muskulatur. Nicht sein Beruf, nicht sein Geld.

Sieh’ genau hin! (Ich versuche das auch zu lernen.)

 

PS: Ich sehe mich nicht als unfehlbar, bin (leider) gewiss kein Vorbild im Nicht(vor)verurteilen von Menschen und mir meiner Unvollkommenheit bewussst. Aber ich möchte es lernen. Mich nicht über andere erheben. Was mir teils sehr schwer fällt, wenn es umgekehrt der Fall ist.

Und der sehr einseite “Figur-Hype”, der allzu häufig nichts mit tatsächlicher Gesundheit und körperlicher Leistungsfähigkeit zu tun hat, geht mir ebenfalls auf die Nerven. Erst recht, wenn ich sehe, zu welch ignoranten Ausblüten er häufig führt.

Späte Einsicht

Jeder, der einen solchen Abgabetermin schon hinter sich hat, wird mir sagen, dass das alles ganz normal ist: Dass die Daten nie so sind, wie sie sein sollten. Dass Programme spinnen und nicht laufen, Computer zwischenzeitlich zumindest teilweise den Geist aufgeben, die Formatierung des Dokumentes nicht klappen will (trotz langwieriger Vorbereitung, um exakt das zu vermeiden), bei der Berechnung der Daten ebenso wenig alles glatt läuft wie bei der Auswertung, oder aber da noch viel weniger, und selbstverständlich – wie hast Du das nicht wissen können, Arnhild?! – dauert alles länger als gedacht.

Ich aber bleibe Monate, Tage und Wochen – eine Panne nach der anderen, und ich habe erstaunlich wenige davon selbst verursacht – überraschend entspannt, arbeite weiter, komme nichtsdestotrotz gut voran, und die Ergebnisse, ja die Ergebnisse, die sind gar nicht mal so schlecht. Damit lässt sich doch ‘was anfangen!

Ich beschneide die Zeit, die ich mit anderen Dingen zubringe, immer mehr: Weniger Rad, noch weniger Rad, gar kein Rad. Nicht lesen. Nicht telefonieren. Erst recht niemanden treffen. Kaum noch das Haus verlassen. Nur Studio, damit ich wenigstens ein klein wenig schlafe nachts. Möglichst nicht einkaufen, nicht kochen, Essen richten als Pause, kurz durchsaugen als Pause. Wäsche waschen als Pause.

Morgens früh am PC. Abends spät ebenfalls.

Heute aber muss ich erkennen, dass alles doch zu knapp ist. Muss einen Termin verschieben. Und während ich das endlich erkenne, mir eingestehe und mich schäme, denn ich muss das ja auch mitteilen und organisiert bekommen, atme ich durch, bin ich erleichtert. Freue mich sogar: So ist es machbar. – Und jetzt ab an die Arbeit. Ich bin spät dran heute.

Peinlich, peinlich…

Gestern habe ich ein etwas unangenehmes Intermezzo fabriziert, unerwartet (logisch, denn andernfalls hätte ich es zu vermeiden gewusst):

Mein Liebster wollte unbedingt mit einer bestimmten Gruppe (Triathleten…) fahren, gegen Abend. Also war ich pünktlich dort und wurde zunehmend unruhig, als eine “Gestalt” nach der anderen angerollt kam: Ein solch seltsames Sammelsurium an Rädern und vor allem deren Besitzern hatte ich bis dato noch nicht auf einem Haufen gesehen und machte mich dementsprechend auf einiges gefasst. Dummerweise kam es dennoch schlimmer als erwartet:

Die hatten schon beim Anfahren Schwierigkeiten, und so waren wir noch fester entschlossen, gehörig Abstand zu wahren und ganz hinten zu fahren. Um den Einstieg kurz zu halten: Es dauerte fast schon eine Stunde, bis wir endlich und wirklich unterwegs waren. Erst hatte eine direkt nach dem Start einen Platten, den wiederum viel zu viele Leute in extrem viel zu langer Zeit behoben. Derweil musste ich auf die Toilette (und wenn ich gewusst hätte, dass man für einen Schlauchwechsel 20 Minuten brauchen kann, wäre ich derweil davon gefahren und hätte das erledigt gehabt), stand also in der prallen Sonne, ohne zu trinken. Dann gab es auf dem Weg durch den Ort einige üble Aktionen, oder nennen wir es lieber “Interaktionen” mit dem übrigen Straßenverkehr. Gott sei dank waren in diesem Fall die anderen Verkehrsteilnehmer wachsam. Dann wiederum wurde ein weiterer Haufen Radfahrer eingesammelt, zwischendurch gewartet. Irgendwann kassierten wir noch Ärger von einem idiotischen Autofahrer, den er besser auf den Haufen gemünzt hätte, der dank wahnwitziger Manöver eben davon pedaliert war, während wir beide die vernunftbehaftete Minderheit darstellten, die noch vor Ort stand  und wartete, bis der Verkehr ein Weiterkommen ermöglichte.

Da die Guten eher schlecht den Berg hoch kamen, hatten wir sie immerhin bald wieder eingeholt. Mein Schatz hatte nun wirklich keine Geduld mehr und wollte nur noch weg. Also gaben wir Gas, ich an seinem Hinterrad, und alles lief wie geschmiert, bis mir weiter oben schrittweise die Luft weg blieb und recht bald auch schlecht wurde. Ich begann, wie verrückt zu schwitzen und wusste nicht so ganz wie mir geschah, hatte Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und wusste gleichzeitig, dass ich  nicht stehenbleiben durfte.

Nach einigen Minuten wurde das Ganze aber etwas kritisch, weil ich mir nicht mehr sicher war, ob ich nicht gleich umkippen würde, obwohl wir schon sehr langsam unterwegs waren. Und ja, es war wirklich peinlich, aber ich musste kurz vom Rad und wir wurden bald darauf vom furchtbaren Haufen überholt. Das zum Thema Demut lernen… Dann fuhren wir konstant weiter, holten trotz des Gammeltempos noch ein paar wieder ein, zogen dann an den übrigen vorbei, denn die ganze Truppe musste oben eine Pause einlegen, und nahmen den nächsten Anstieg, wo ich an einem Flachstück etwas essen und trinken konnte. Mir ging es längst schon besser und ich konnte wieder flott fahren, war aber ziemlich platt zuhause.

Dort erst realisierte ich, was genau das Problem gewesen war: Neben nicht richtig warm fahren (stattdessen ewig herum gurken), lange warten, nichts getrunken haben, mich außerdem andauernd aufzuregen und gestresst zu sein wegen einiger Manöver, hatte ich vor allem seit Tagen nicht mehr ausreichend gegessen.

Weil es so heiß gewesen war, ich die Tage tippend am Schreibtisch zugebracht hatte bzw. beispielsweise den Sonntag komplett auf dem Rad, hatte ich keinen Hunger gehabt, immer nur kurz gefrühstückt, zwischendurch irgendetwas Kleines, abends meist gar nichts mehr, und nur am Sonntag abend beim Grillen ein paar Bissen mehr gegessen als alle übrigen Tage. Nach der langen Tour am Sonntag war ich noch verwundert, wie wenig ich gegessen hatte und dass ich auch danach kaum Appetit hattte. Ich kann mich  nicht erinnern, wann ich da rein gerutscht bin und wie weit die letzte ordentliche Mahlzeit zurücklag. Ich glaube, es waren die Pancakes zum Frühstück letzte Woche.

Das war dann wohl mein erster derber Hungerast. Ich bin beinahe kollabiert, weil ich zu wenig gegessen hatte! Und ausgerechnet vor diesen Luschen, die mich geärgert hatten ohne Ende mit ihrer selbstbewussten Unfähigkeit, Verkehrsgefährdung und -behinderung. Das ist wirklich peinlich und soll so bald nicht wieder vorkommen.

Und wieder zuhause

Die Balkontüre steht offen, ein Spatz sitzt auf einer der Bambusstangen in einem Blumenkübel und flattert dann rasch davon; die Wunderblumen blühen. Sie zeigen ihre Blüte nur vormittags und abends.  Die Vögel gewöhnen sich langsam an die improvisierte Vogeltränke, die ich am Eck des Handlaufs angebracht habe. Abgesehen davon, dass ich in diesem Jahr mehr Platz habe, bspw. um Wäsche aufzuhängen, ist das eine meiner Lieblingsneuerungen, auch wenn es hier keine Goldammern zu sehen gibt. Eine weitere ist der “Bienenschmaus”, eine Tüte mit Saatgut, die ich in einen Topf ausgebracht habe, und die wirklich verspricht, was sie hält, nein, umgekehrt natürlich! Es ist schön, dass mir plötzlich sowohl hübsche Falter als auch Bienen, Schwebfliegen und sogar Hummeln gelegentlich einen Besuch abstatten, und das nur wegen einem einzigen Wildblumen-bepflanzten Topf!

Mein Bein heilt nun richtig gut. Vorgestern war ich absolut mutlos, weil ich – erschöpft und müde – den ganzen Tag tröge auf der Couch zubringen musste, nur unterbrochen von mühevollen Gängen zum Gefrierfach, umh mich mit neuen Kühlakkus zu versorgen. Ich schlief viel. Gestern dann bin ich morgens ins Studio gegangen. Es war erstaunlich, dass mich auf dem Hinweg keine Schmerzen begleiteten: Ich hatte das Rad gewählt. Ich beschloss, mich auf dem Laufband aufzuwärmen, allerdings deutlich langsamer und sanfter als sonst. Das ging ebenfalls gut: Keine Schmerzen, das Bein war außerdem gut kontrollierbar. Die inzwischen fest integrierten Übungen zur Beinachsenstabilität klappten ebenfalls gut, wobei das Dehnen und Rollen dringend nötig war nach der Zeit in Tschechien. Dann habe ich vor allem den Oberkörper trainiert, endlich wieder ein paar Klimmzüge (allerdings mit stärkerem Widerstandsband als sonst zur Unterstützung), ein bisschen Kraftdrücken, Bauchübungen. Dann ausgiebig gerollt; das tat sehr gut. Auch auf der Heimfahrt lieb das Bein ruhig und kooperierte brav.

Am Mittag fuhren wir zu meinen Eltern, denn es gab etwas zu feiern. Für mich, auch wenn Familienfeiern nun wirklich nicht so mein Ding sind, war es ein sehr besonderer und erfreulicher Tag: Es ging um meinen Vater, und dem geht es gut. Es gab den üblichen lauten Trubel, den meine Familie immer fabriziert, wenn mehr oder weniger alle beisammen sind. Weil wir zu früh da waren, wurde mein Bein einem weiteren Spaziergangstest unterzogen, und das erfolgreich: Als ich am Abend heim kam, musste ich zwar überraschend früh die Segel streichen, hatte aber weiterhin keine Schmerzen und das Bein war auch nicht mehr dick geworden.

Gerade lege ich es wieder ein bisschen hoch, sicherheitshalber, und behandle es noch einmal mit Comfrei, einem alkoholischen Auszug aus Beinwellwurzeln, mit dem meine Mutter uns zeitlebens erfolgreich behandelt hat. Das Zeug wirkt wahre Wunder an offenen wie stumpfen Verletzungen!

Diese Woche steht einmal neu im Zeichen der Schreibtischarbeit, unterbrochen hoffentlich von erholsamen Radeinheiten. Es gibt viel zu tun und ich bin etwas unruhig und besorgt, ob und wie ich den nächsten Schritten gewachsen sein werde.

 

Der perfekte Tag.

Es regnet Bindfäden. Vor ein paar Tagen erst habe ich eine Generalüberholung des Balkons vorgenommen, da gab’s einen gewissen Arbeitsrückstau: Wochenlang war ich nur zum Gießen oder – sehr viel seltener – Arbeiten am Laptop unterm Sonnenschirm nach draußen gekommen und nun war selbst auf so begrenztem Raum doch einiges zu tun: Umtopfen, Verblühtes entfernen, ein paar Töpfe umräumen, ein bisschen Ordnung schaffen. Tomaten und Schwarzäugige Susanne wollten ebenfalls endlich mehr Platz. Schwuppdiwupp, sieht das Ganze auch gleich viel netter aus. Und bei dem Regen genieße ich den Blick ins saftigtiefe Grün, während ich gemütlich drinnen sitze.

Gestern noch einmal schön trainiert, auf dem Rad und im Studio, ist heute der ideale Ruhetag: Kein Zwang, sondern vielmehr Notwendigkeit.

Schreibtischarbeit, Kaffee und frischer Rhabarberkuchen.

Start in den Sommer – ohne mich!

Das muss ich doch jetzt mal loswerden: Ein weiterer wunderschöner, warmer – wenn man den Wettervorhersagen glauben kann, sogar womöglich richttiggehend sommerlich heißer – Tag steht uns bevor. Und ich sitze bei heruntergelassenen Rolläden am Schreibtisch und schreibe, schreibe, schreibe. Ich lese, lese, lese, überlege, wie ich den ganzen Kram zusammenfassen, verarbeiten muss und kann, tippe mir dann wiederum die Seele aus dem Leib, versuche, den roten Faden immer weiter zu spinnen in die Richtung, in die es jeweils gehen soll und dabei nicht nur eben diesen Faden, sondern auch den Mut nicht zu verlieren, den Glauben daran, dass das Ganze ein Ende, und zwar ein gutes, haben wird, die Hoffnung, dass alles weiterhin irgendwie rund läuft.

Und glaubt mir: Wenn man so sitzt und liest und schreibt, ist das gar nicht so einfach wie man beizeiten meinen möchte.

Wochenlang schon tue ich das; vorausgegangen waren Monate des Nurlesens und Zusammensuchens von Artikeln, Büchern, Daten, Ideen, Gedanken. Dann wurde geplant und strukturiert, gegliedert und schon mal zusammengefasst, verändert, überlegt, gestrichen, was auch immer sonst noch alles.
Das Training ist mein Ausgleich, aber ich muss häufig Abstriche machen: weniger Training, seltener raus, nichts mehr anderes sowieso schon lange, fast nicht mehr ins Studio, alles kürzer, auch weniger Wettkämpfe, keine weiten Anfahrten. Einkaufen nur noch dann, wenn der Kühlschrank komplettst leer ist, kaum Telefonate. Die üblichen Dinge eben.

Kleine Freuden: Blumen gießen. Abends noch ein paar Seiten in einem Roman lesen. Einen Abstecher auf eine interessante Internetseite.

Die großen Freuden hingegen waren die Pfingsttour, für die allerdings ich zeittechnisch doch “bezahlt” habe (aber das war’s allemal wert!), und die Rennen gelegentlich. Manchmal gehe ich auch mittags trainieren, wenn nichts mehr geht.

Und gerade schreibe ich kurz hier, also was ganz Anderes und ohne Quellenangaben, bevor ich mich weiter mit dem Thema Achtsamkeitsinterventionen im Sport auseinandersetze.

Heute muss ein weiterer Meilenstein geschafft werden, auch wenn ich andauernd hinterherhinke, weil mir noch soviel einfällt, was ich noch alles ein- und umbauen möche und längst nicht alles da ist wo es sein soll. Also kein Rad heute. Die Sonne muss ohne mich den Start in den Sommer packen, fürchte ich.

Zuhause & Ankommen

Immer wieder schweifen meine Gedanken zurück zum einen oder anderen Moment während der Pfingsttour: Anstiege, Abfahrten, lange Ebenen, Abplatzen, Ranfahren, Lockermachen, Ruhigangehen, Gasgeben, Gegenwind, Rücken- und selbstverständlich auch Seitenwind, Sichquälen, Nochkrafthaben, Müdesein, Ankommen.
Die Schotterpassage irgendwo im Wald in Belgien. Die fehlende Brücke in Luxemburg. Das Unwetter vor Köln.

Gerade soll ich weiter schreiben, habe eine Abgabefrist zu erfüllen, doch fällt es mir schwer, weil ich eigentlich noch in der Sammelphase bin: Lesen, notieren, zusammenstückeln. Wie Frederick und seine Farben. Wieder Frederick. Es fügt sich gerade sehr viel, und das will ich  nicht missen. Der ewige Widerstreit zwischen Ruhigangehen und Gasgeben. Alles hat seine Zeit. Ich aber habe gerade dummerweise mal wieder keine. Muss mein Netzwerk schneller weben.

Draußen scheint die Sonne, der Himmel hinterm Nachbarhaus ist regenblau. Ich muss noch gießen (unterm Dach wird’s nicht regnen).

Die Stille Stunde ist gleich vorbei.