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Erster Tag letzter Schritt

Ist es der erste Tag des letzten Schrittes? Der erste Schritt der letzten Schritte? Der letzte Schritt.  Wie dem auch sei, so denkwürdig erscheint mir das Ganze ohnehin nicht, eher beträchtlich unangenehm. Im Nachhinein vielleicht. Ich hoffe es.

Im ganzen Trubel ist für mich völlig unter gegangen, dass ich die Arbeit abgegeben habe, also abgeschlossen, fertig gebracht. Wie auch immer das Ergebnis aussehen wird. Doch das ist fast schon Nebensache: Abgehakt, das ist es, was zählt!

Heute die erste Prüfung des allerletzten Prüfungsblocks; und ja, ich bin selbstverständlich etwas nervös, hatte in den letzten Tagen bereits ein paar dieser furchtbaren Momente, wo Du denkst, Du schaffst es ganz bestimmt niemals.

Die Kerze, die mich in den letzten Tagen treu begleitet hat, ist heute früh ausgebrannt gewesen. Ein fast schon plattes Symbol für all die stillen Stunden am Schreibtisch. Die nächste Kerze liegt schon bereit: Prüfung Nr. 2 wartet. Viel zu früh, doch ein anderer Termin war nicht verfügbar. Aber darum kümmern wir uns heute gewiss nicht!

Ein paar Stunden hatte ich den Morgen für mich. Das ist die schönste Zeit des Tages.

Kaffee oder Tee? – Keine Frage….

Ich mag Kaffee ebenso wie Tee, und ja, das ist mal wieder einer meiner berühmt-berüchtigten Ich-weiß-es-nicht-besser-Einstiege. Anlass dazu gab das Gesamtbild der letzten Tage und Wochen, wo stets ein Tablett mit der silbern-zierlichen kleinen Kaffeekanne und der grobschlächtig-weißen großen Teekanne, begleitet vom hässlich-strammen Milchpack-Wächter in Reichweite stand. Auch heute, und sicher nicht das letzte Mal:

Ich bin fast fertig mit meiner Arbeit, bzw. fertig, was die Inhalte angeht. Gott sei Dank habe ich in ferner Vergangenheit die Geheimnisse der Textverarbeitung professionell erlernt und muss mich so vor den letzten Überarbeitungsschritten nicht fürchten, oder nicht so sehr, oder auch umso mehr, je nachdem…  Bis zur Abgabe am Montag also nur ein paar Korrekturen einarbeiten, die schrittweise hereinschneien, nochmal durchlesen, die Listen durchgehen, ob ich auch alles habe. Ich bin eine Woche später dran, aber deutlich zufriedener so wie es ist. Und dann wird gelernt.

Aber wisst ihr, welcher Satz ganz groß in meinem Notizbuch steht, mehrfach nachgezeichnet? – Ich verrat’s Euch selbstverständlich: ” Wenn Du abgegeben hast, (kannst und) darfst Du wieder auf’s Rad!” Ich war im Studio, ich stemme fleißig Gewichte, und werd’ auch langsam besser. Aber das Radeln, das vermiss’ ich sehr. Meine vorgezogene Saisonpause sei aber hiermit und bald schon beendet.

“Kaffee oder Tee?” ist eine ebenso unsinnige Frage für mich wie “Rad oder Arbeit?”. – Beides muss sein.

 

PS: Wenn mir jemand sagen kann, wie ich hier einen richtig echten Gedankenstrich hinbekomme, wäre mir sehr geholfen. Das noch einmal zum Thema “professionelle Textverarbeitung”.

Späte Einsicht

Jeder, der einen solchen Abgabetermin schon hinter sich hat, wird mir sagen, dass das alles ganz normal ist: Dass die Daten nie so sind, wie sie sein sollten. Dass Programme spinnen und nicht laufen, Computer zwischenzeitlich zumindest teilweise den Geist aufgeben, die Formatierung des Dokumentes nicht klappen will (trotz langwieriger Vorbereitung, um exakt das zu vermeiden), bei der Berechnung der Daten ebenso wenig alles glatt läuft wie bei der Auswertung, oder aber da noch viel weniger, und selbstverständlich – wie hast Du das nicht wissen können, Arnhild?! – dauert alles länger als gedacht.

Ich aber bleibe Monate, Tage und Wochen – eine Panne nach der anderen, und ich habe erstaunlich wenige davon selbst verursacht – überraschend entspannt, arbeite weiter, komme nichtsdestotrotz gut voran, und die Ergebnisse, ja die Ergebnisse, die sind gar nicht mal so schlecht. Damit lässt sich doch ‘was anfangen!

Ich beschneide die Zeit, die ich mit anderen Dingen zubringe, immer mehr: Weniger Rad, noch weniger Rad, gar kein Rad. Nicht lesen. Nicht telefonieren. Erst recht niemanden treffen. Kaum noch das Haus verlassen. Nur Studio, damit ich wenigstens ein klein wenig schlafe nachts. Möglichst nicht einkaufen, nicht kochen, Essen richten als Pause, kurz durchsaugen als Pause. Wäsche waschen als Pause.

Morgens früh am PC. Abends spät ebenfalls.

Heute aber muss ich erkennen, dass alles doch zu knapp ist. Muss einen Termin verschieben. Und während ich das endlich erkenne, mir eingestehe und mich schäme, denn ich muss das ja auch mitteilen und organisiert bekommen, atme ich durch, bin ich erleichtert. Freue mich sogar: So ist es machbar. – Und jetzt ab an die Arbeit. Ich bin spät dran heute.

Dann folgte der Regen.

Ein weiterer Tag wie viele: Aufstehen, erste Runde arbeiten, Frühstück, Umziehen, hopp, auf’s Rad, heim Duschen, Essen, weiter lernen.

Heute mal gemütlich gekurbelt, über nasse Straßen, aber regenfrei, und warm war’s ebenfalls. Entspannt, das Ganze. Es hat durchaus Vorteile, wenn man, was die Tageszeit angeht, flexibel ist: Gerade hat der vorher gesagte Regen eingesetzt, der vorerst nicht wieder aufhören wird, wenn ich so auf den Regenradar schaue (da kommt noch so einiges aus Frankreich herüber). Ich suche derweil meine sieben Sachen zusammen, um im Café die nächste Einheit anzuhängen: Wo hab’ ich bloß den Regenmantel?

Zuhause & Ankommen

Immer wieder schweifen meine Gedanken zurück zum einen oder anderen Moment während der Pfingsttour: Anstiege, Abfahrten, lange Ebenen, Abplatzen, Ranfahren, Lockermachen, Ruhigangehen, Gasgeben, Gegenwind, Rücken- und selbstverständlich auch Seitenwind, Sichquälen, Nochkrafthaben, Müdesein, Ankommen.
Die Schotterpassage irgendwo im Wald in Belgien. Die fehlende Brücke in Luxemburg. Das Unwetter vor Köln.

Gerade soll ich weiter schreiben, habe eine Abgabefrist zu erfüllen, doch fällt es mir schwer, weil ich eigentlich noch in der Sammelphase bin: Lesen, notieren, zusammenstückeln. Wie Frederick und seine Farben. Wieder Frederick. Es fügt sich gerade sehr viel, und das will ich  nicht missen. Der ewige Widerstreit zwischen Ruhigangehen und Gasgeben. Alles hat seine Zeit. Ich aber habe gerade dummerweise mal wieder keine. Muss mein Netzwerk schneller weben.

Draußen scheint die Sonne, der Himmel hinterm Nachbarhaus ist regenblau. Ich muss noch gießen (unterm Dach wird’s nicht regnen).

Die Stille Stunde ist gleich vorbei.