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Ernsthafte Vorbereitungen & Zweifel

Gestern hatte ich einen schlechten Tag, einen richtig schlechten Tag. Wir hatten Intervalle im Gelände auf dem Plan, kurz und hart, aber es fing schon damit an, dass ich mich auf dem Rad nicht wohlfühlen wollte: Alles fühlte sich falsch an. Wir fuhren uns ein, und ich hatte Zweifel, ob ich auch nur eine einzige Vollgassequenz würde fahren können. Am Traileinstieg war ein Auto geparkt, und ich hatte Zweifel, ob ich da vorbei kommen würde.

Ich kam vorbei, ich fuhr das erste Intervall, das zweite ging auch noch. Beim dritten habe ich wohl überzogen, denn es ging recht technisch zu, ich war am Kotzen und bekam Panik, als ich an einer Stelle durchrutschte, alles Vertrauen auf der Stelle verlor und in der Folge vom Rad musste: Verzweiflung!

Mir ist klar, dass das ziemlich überspitzt klingt und unangemessen, doch ich war tatsächlich voll und ganz verzweifelt, außer mir, dachte an das bevorstehende Rennen, dass ich “nicht mal richtig auf dem Rad sitzen kann”, “nicht mal solch ein kurzes Intervall ordentlich fahren”, “hier rumstehe und rumheule wie ein Anfänger”.

Gott sei Dank war ich nicht alleine und habe in meinem geliebten Freund auch einen duldsamen und verständnisvollen Trainingspartner. Er sagt nicht viel, beruhigt mich mit wenigen Worten, steigt dann auf und fährt langsam weiter, hat mich im Blick, aber lässt sich nicht beirren.

Ich fuhr weiter, weitere Intervalle folgten, nicht besonders gut, aber ich tat, was ich konnte. Ich baute ein paar Mal  Mist, war nicht ideal konzentriert, fluchte und schimpfte und schrie. Er hielt mich aus und war da. Ich holperte wenig elegant die letzte Abfahrt hinunter. Mir tat alles weh: Die Beine, die Hände, die Füße. Ich hatte Zweifel, große Zweifel an allem: Der Einstellung meines Rades, der Schaltung, den Bremsen, meinen Schuhen. Oh, und meiner Fitness, erst recht meiner Fitness. Vorbereitung?

MTB-Trilogy steht an, und wieder einmal konnte ich, weil die äußeren Umstände so waren und nicht anders, die zur Vorbelastung notwendigen Wettkämpfe im Vorfeld größtenteils nicht bestreiten, war müde, hatte zu wenig Ruhe. Ich will es mir nicht verderben lassen, auch wenn ich weiß, dass ich wieder werde leiden müssen, viele Stunden lang, an mehreren Tagen. Und dennoch langsam sein. Ich hoffe sehr, dass es nicht regnet, denn andernfalls weiß ich nicht, ob es – für mich – zu schaffen ist.

Ein spezielles Phänomen dieses Rennens besteht darin, dass ich ungewohnt rasch allein unterwegs bin. Weil nur die starken Männer dort überhaupt am Start stehen, und sehr wenige sehr starke Frauen. Bis auf mich, die ich wohl verrückt sein muss. Bald nach der Startphase bin ich, wenn ich nicht überziehen möchte, also meist schon abgehängt, hinter mir nur die Fahrer der Endurowertung, die es locker angehen lassen.

Wenn die Landschaft, die Strecke, die Leute nicht so unsagbar wunderbar und speziell wären, all die Angst, den Schmerz, den Schweiß, das Blut, die Tränen bei weitem aufwögen, ich wäre nicht wieder dabei. Ich wünschte nur, ich könnte eines Tages mit einer richtig großen Gruppe anderer Frauen am Start stehen und jeden einzelnen Tag gemeinsam durchleiden und genießen. Bis dahin werde ich wohl Jahr um Jahr die einsame Verrückte sein, die im Schneckentempo für sich unterwegs ist und manchmal vor Erschöpfung und dennoch mit Bedauern das eine oder andere technische Highlight zu fuß überwindet.

Die Nachwehen – Specialized MTB Trilogy 2015

Ich liege herum und langweile mich: Meine Schürfwunde am Schienbein ist derzeit das kleinste Problem. Die tat vor allem beim Auswaschen weh. Langwieriger ist die Entzündung darunter, wohl die Knochenhaut, mit dem Ergebnis, dass ich nicht richtig auftreten kann. Ich komme also kaum ins Bad und zurück. Das nervt, denn wir sind heute noch hier im schönen Broumovsko. Nach dem unglaublich lautstarken und schweren Gewitter, das bald die halbe Nacht dauerte, ist die Luft draußen angenehm abgekühlt und ich würde so gern endlich die Gegend erkunden; aber das ist nicht drin. Stattdessen also lümmle ich auf dem Sofa, lese die neuesten Giro-Rosa-Berichte auf Ella, schaue eine Dokumentation über heimische Gift- und Speisepilze im Tschechischen Fernsehen und lese zur Abwechslung in meinem Buch.

Jakub ist gerade kurz unten bei den Vermietern; auch er hatte die Tage Schmerzen, aber gerade wird es wieder, nachdem er täglich auf der Blackroll und mit ein paar Pilates-, Dehn- und Rückenübungen herumlaboriert hat.

Es ist so friedlich hier und schön; sehr schade, dass wir morgen wieder nach Hause müssen. Ohne die Region näher unter die Lupe gennommen zu haben.

Auch der Marathon am Wochenende wird ausfallen müssen; ich schätze mal, ich darf erst nächste Woche wieder richtig auf’s Rad.

Und vor allem erwartet mich zuhause der große Endspurt. Bis zum Jahresende wird die Post abgehen.

MTB Trilogy 2015

Die Specialized-MTB-Trilogy 2015 ist Geschichte. Wieder einmal dachte ich zwischendurch, “Ich will nicht mehr!”, das gehört wohl dazu. Ebenso, dass ich zwar schon befürchtet hatte, dass es nicht gut laufen würde, dennoch aber gehofft, dem sei so. War’s aber nicht…

Somit habe ich schon beim Prolog – wiewohl ich auf den 10,7 km und 427 hm immerhin 6 Minuten schneller war als im letzten Jahr, naja – auch dieses Jahr wieder gleich gemerkt, dass ich keine Kraft habe. Ansonsten war es aber cool, weil ich fast alles fahren konnte, auch die krassen Geschichten, die mir letztes Jahr noch eine Heidenangst eingejagt hatten. Kleiner Dämpfer war ein Sturz in der ersten Abfahrt, weil völlig unerwartet die Bremse versagte: Im Vorfeld hatte noch alles funktioniert. So musste ich die kommenden Abfahrten etwas zögerlicher nehmen, außerdem dauerte es ein bisschen, bis ich dem Material wieder Vertrauen schenken konnte: Die Bremsleistung war zwar teilweise da, reichte aber bei hohem Tempo nicht aus (dann ging einfach nichts mehr).

Die erste Etappe war dann zwar weniger schlimm als gedacht: Ich konnte mehr fahren, musste weniger zu fuß hoch oder runter steigen, aber ich war extrem langsam unterwegs.

Der zweite Tag war dann der Tiefpunkt: Die Etappe ist flowig, man kann alles fahren, bergauf wie bergab mühelos. Aber ich habe mich von Beginn an furchtbar gefühlt, mir ging es richtig dreckig, und das war frustrierend. Auch die Abfahrten musste ich manchmal langsam machen, einfach weil die Beine das ruppige Terrain nicht mitgemacht haben. Und da ist dann noch das mit dem Bremsen: Meine Hände sind sehr klein, weshalb man die Bremse – bei optimaler Bremskraft – nicht ideal auf mich einstellen kann. Irgendwann habe ich dann keine Kraft im Bremsfinger mehr, und das kann u. U. tatsächlich gefährlich werden. Frustriert und wütend kam ich ins Ziel.

Gestern dann stand mit dem letzten Tag die längste Etappe an, mit schweren Abschnitten und heftigen Anstiegen. Ich beschloss, auch im Hinblick auf die große Hitze, die gestern noch einmal zugenommen hatte, von Beginn an noch einmal langsamer zu fahren: Die Wertung war in meinem Fall ohnehin egal, mir ging es nicht gut, also wollte ich zumindest Strecke, Wetter und das Fahren genießen, soweit es möglich war. Die Sache ging gut auf: Zwar war ich wirklich im Schneckentempo unterwegs, doch kam ich gut durch und musste erst gegen Schluss ein wenig leiden.

Insgesamt gab es in diesem Jahr recht viele Aussteiger. Ich bin 4. von 4 Frauen, das ist nicht toll. Ich bin aber auch 95. von 190 Teilnehmern, von denen wiederum 37 ausgestiegen sind. Somit bin ich sozusagen “so halb zufrieden”.

Fazit der MTB Trilogy ist trotz aller heftigen Belastungen dennoch wieder massiv positiv: Weil  die Organisation toll ist, die Stimmung sehr speziell, familiäre Atmosphäre, engagierte Mitarbeiter, spannende und nette Teilnehmer. Weil die Strecken nirgends, wo ich bisher war, vergleichbar wären. Weil  ich noch nie auf derartigem Gelände unterwegs war, unendlich viel gelernt habe während der bisher ja nur 2 Teilnahmen. Weil  ich zwar jedes Mal an meine Grenzen komme, aber jedes Mal auch ein wenig darüber hinaus gelange. Weil die Region hier wunderschön ist: Abwechslungsreich, idyllisch, landschaftlich reizvoll, aber auch von den Menschen her und dadurch, dass es sich um eine Grenzregion handelt, und man zugleich von Polen als auch von Tschechien einiges zu sehen bekommt. Weil unsere Unterkunft super ist, und die Gastgeberfamilie. Ha, und weil es dort seit diesem Jahr sogar einen eigenen Pool im Garten gibt (zugegebenermaßen ein weniger ausschlaggebender, doch durchaus relevanter Pluspunkt).

Wer Enduro oder MTB Marathon fährt, anspruchsvolles Gelände und tolleTrails erleben möchte, der ist bei MTB Trilogy auf jeden Fall an der richtigen Adresse! So etwas gibt es, zumindest in Deutschland, nicht!

PS: Der Nachteil ist, dass einem die Marathons bei uns danach immer noch langweiliger vorkommen als ohnehin gelegentlich schon.

Grüne Daumen, Schreibtischleid und Waldbestände.

Ich schaue auf meine Pflanzen und freue mich dran. Der Grund, warum ich sie so häufig erwähne, ist wohl etwas, was ich selbst nicht so ganz verstehen kann: Ich lasse meine Augen gern auf den verschiedenen Grüntönen ruhen, freue mich an jungem Grün und frischen Blütenansätzen und es beruhigt mich, ein paar Minuten – gerüstet mit Gießkanne oder auch der Gartenschere – umher zu gehen, zu hegen und zu pflegen und zu sehen, wie es ihnen geht.

Diese Woche habe ich das gelegentlich getan, wenn ich  nicht mehr sitzen konnte, die Augen müde waren vom Starren auf den Bildschirm oder ich gerade nicht mehr wusste, wie ich weiter tippen sollte an meinem Text.

Während die Profis morgen (bzw. der Nachwuchs heute schon) das zweiten Worldcup-Rennen der Saison bestreiten werden, und zwar in Albstadt, werde ich an einem kleinem Marathon in der Region teil nehmen. Das war damals auch der erste , den ich jemals bestritten habe, übrigens. Meine Beine haben mir nicht erst bei der Vorbelastung mitgeteilt, dass sie mir weiterhin nicht wohl gesonnen sind. Aber das soll mich nicht stören.

Ich werde vielleicht sogar noch ummelden auf die Langdistanz. Weil ich es kann. – Nein, Spaß, der Grund hierfür liegt eher darin, dass ich in wenigen Wochen schon die MTB Trilogy 2015 bestreiten werde, und meinen Körper auf die harte Belastung vorbereiten möchte.

Um Ergebnisse kann es mir wohl momentan nicht gehen, das wäre vermessen. Aber ich möchte ein bisschen Frieden schließen mit meinen Beinen, die eigentlich jedwede Vorbereitung genossen haben, die ich ihnen habe ermöglichen können, diese undankbaren Geschöpfe! Nun denn, morgen werde ich die verwöhnten Biester schon auf Trab bringen, schätze ich mal, auch wenn diese Unternehmung für mich als Hauptverantwortliche unserer kleinen Reisegesellschaft ein weiteres Mal etwas nervenaufreibend werden dürfte.

Das Ummelden bedeutet zugleich ein Verzicht auf die Cup-Wertung der Roßbacher-Challenge. Aber das ist nicht so tragisch, denn so kann ich auch in Zukunft frei entscheiden, wo ich wann starte und über welche Distanz. Vielleicht ist das die Sache wert.