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Wasserschaden

Ich gebe zu, das wechselhafte Wetter der letzten Wochen passt mir nicht. Heute ist es wenigstens richtig mild, doch es schüttet schon seit den frühen Morgenstunden Bindfäden; immer wieder lässt sich in der Ferne ein Donnergrollen hören, und ich bereue, dass ich die Vorbelastung nicht vorgezogen habe und gestern doch gefahren bin.

Andererseits war ich lange nicht mehr so müde gewesen wie in den letzten Tagen, habe gestern – endlich und erstmals – brav eine Ruhephase eingebaut, war trotzdem zeitig schlafen und habe den Eindruck, dass das notwendig war.

Laut Regenradar wird es noch eine Weile dauern, bis diese Regenfront durchgezogen ist. Derweil habe ich die Ergebnisse der Zeitfahrwettbewerbe im Jägersburgerwald gelesen, die gestern abend ja schon stattgefunden haben: Mieke Kröger vor Lisa Brennauer und Trixi Worrack! Im Video (die Info habe ich von hier) spricht Mieke Kröger über alles Mögliche, u. a. darüber, wie schwer die Strecke des morgigen Straßenrennens sein wird. Dann hab’ ich ja eine Gruppe… :D

Auf meiner Lieblings-Radsportseite werden nun schon seit Tagen immer wieder neue Ergebnisse der “nationals in the Northern Hemisphere countries”, also der jeweiligen Staats-Meisterschaften in den Ländern auf der Nordhalbkugel, eingepflegt und kommentiert, denn “The national championships are in full swing in Europe”. Das stimmt: Die meisten Wettbewerbe finden mehr oder weniger parallel statt. Warum aber Japan zu “Europe” zählen soll, ist mir nicht ganz verständlich…. Uuh, und Belarus ebenfalls!

Rückansicht

Nach dem Wochenende in Italien, ich war am Sonntag abend zurück gekehrt, das Gepäck notdürftig in die Wohnung geworfen, schnell die Tasche gepackt für den folgenden Tag, durfte ich am Montag um 03:30 Uhr aufstehen und mich aufmachen in die schöne Kaiserstuhlregion: Wir hatten für das Straßenrennen in Merdingen gemeldet und trotz aller Müdigkeit und leeren Beinen hatte ich vor allem das Ziel, das Rennen durch zu fahren. Die Strecke ist durchaus anspruchsvoll: Harter Anstieg, gefolgt von einem weiteren kurzen Stich, nicht enden wollenden sanft ansteigenden Abschnitten, engen Kurven, einer schnellen Abfahrt mit mehreren technischen Einlagen.

Die Herren starteten um 8, darum die frühe Anreise. Ich betreute und schaute zu, wie bereits in der ersten Runde das Feld komplett zerlegt wurde, minutenlange Abstände entstanden, ein Chaos aus U19-Fahrern, C-Klasse, Senioren II und Senioren III, Begleit- und Schlussfahrzeugen an uns vorbeifuhr und manchmal niemand mehr verstand, wer wohin gehörte. Trotz der frühen Stunde litten die Fahrer massiv unter der Hitze, gaben schon auf den ersten Kilometern viele auf und von “meinen” 3 Fahrern stieg einer aus, ein weiterer erlitt einen Hitzeschlag und konnte nur gerade so eben das Rennen beenden. Der 3. hingegen wurde, obwohl er zu leiden hatte, 2.

Ich wusste also, was mich erwarten würde, als ich um 13 Uhr am Start stand; wurde prompt schon vor dem ersten Berg nach hinten durchgereicht, hatte am Berg zu kämpfen, gewöhnte mich mit der Zeit jedoch daran und fuhr Runde für Runde nach dem Berg wieder ran. Oben durfte ich unfreiwillig viel zu viel von vorn fahren, die Abfahrt sowieso. Die extremen Kurven gelangen mir jedoch nicht optimal, das merkte ich, als wir von den schnellen Junioren eingeholt wurden und ich hinterher fahren konnte.

Abgesehen von Italien am Samstag war es mein erstes Straßenrennen, aber dieses Mal ohne Pausen. Bei 39 Grad erst recht harte Arbeit. Ich hatte Spaß, ich kam zurecht, aber ich war zu wenig spritzig, keinen Druck, litt sehr, fand keine gute Gruppe, musste mehr drücken als ich konnte. 6 Runden waren zu fahren, ich wusste, dass ich das gut schaffen konnte, trank viel und fuhr unbeirrt weiter. Dann im Ziel, ich wusste, ich war ganz hinten, der Schreckmoment, als ich dachte, ich sei nur 5 Runden gefahren, überrundet und eine weniger als der Rest. Dabei war doch das Ziel gewesen, einfach durchzufahren, das zu schaffen.

Erst mal duschen und auf die Ergebnisliste schauen. Da stehe ich, ganz unten: Die allerletzte in der Wertung. Und freue mich so unbändig, dass ich es geschafft habe, bin glücklich als hätte ich den Sprung aufs Treppchen geschafft. Nach mir hat es keine geschafft. Andere sind ausgestiegen, wurden überrundet, aus dem Rennen genommen. Ich bin gerade noch dabei. Ich habe mein Ziel erreicht.

Neben mir steht Danièle, sie ist 6. geworden. Ich freue mich für sie. Ich freue mich für mich.

Was für eine Freude es doch sein kann, die Letzte zu sein!

Event, Event, Event!

Die Tour Challenge wurde abgesagt. “Das neue Rennrad-Event für Jedermann“, so wurde es zur ersten Durchführung im Jahr 2013 beschrieben, sollte auch 2014 wieder aus einem eingänglichen Bergzeitfahren gefolgt von 3 Etappen durch die Schweitzer Alpen bestehen. Die Startgebühr war in diesem Jahr mit € 345,- beanschlagt (bei der Erstauflage 2013 waren es noch € 325,- gewesen).

Immer mehr derlei Veranstaltungen, wie Pilze sprießen – oder eher schießen – sie  aus dem Boden: Wichtig ist hier nebem der Wettkampfveranstaltung für den 08/15-Radbegeisterten das Erleben, die Kulisse, das ganze “Drumherum”. Und ja, der Ultranormalbürger lässt es sich durchaus etwas kosten, eine solche Veranstaltung, wenn nicht gar mehrere davon, in seinen Jahresplan mit aufzunehmen. Warum auch nicht? Schließlich erhält man hier ein Komplettprogramm, wird rundum versorgt und kann einfach nur Radfahren, heldenhaft Berge bezwingen, sich vielleicht auch ein bisschen so fühlen wie die ganz Großen, die Profis, die mit Team, Begleitfahrzeug und Physios im Gepäck am Start stehen.

Etwas Genugtuung verschafft es mir dann aber doch, dass die Veranstalter gelegentlich dann doch den viel zitierten “Griff ins Klo” landen. Wie bei einer ähnlichen Veranstaltung in der Schweiz, nach deren Ankündigung in den sozialen Medien der Kommentarbereich überquoll vor negativer Rückmeldung: Den Preis betreffend.

Durchgeführt und angeboten werden solche Veranstaltungen nämlich immer häufiger nicht von Kommunen und Vereinen, sondern von professionellen Agenturen, die vor allem eines wollen: Geld verdienen. Und das gelingt ihnen, dank unserer Faulheit (dazu später mehr) auch immer häufiger. Dagegen ist nichts zu sagen, doch es schließt viele aus: Die nicht so viel zahlen können bspw.

Aber zurück zur Tour Challenge: € 345,- ist nicht allzuviel, könnte man meinen. Jedoch vergisst man, dass es sich um eine Veranstaltung in der Schweiz handelt: An- und Abreise kommen uns aus Deutschland nicht gerade günstig. Und nur wer ein geräumiges Fahrzeug in der Garage stehen hat, kann die Fahrtkosten auf mehr als 2 Personen verteilen. Dann die Unterkunft (an verschiedenen Etappenorten, was es nicht günstiger macht), die Verpflegung, je nach Ehrgeiz muss auch mindestens ein Betreuer mit.

Der normalsterbliche (und somit regulär arbeitende) Hobbyfahrer muss sich für die Veranstaltung frei nehmen, Anfang September ist vielleicht nicht mehr soviel Resturlaub vorhanden. Wo man stattdessen im Hochsommer die Alpen genießen kann. Oder mit der Familie auf den Kanaren brutzeln.

Wie auch immer, eine solche Veranstaltung ist Luxus, den sich eben nicht jeder so mal eben gönnen kann. Hinzu kommt, dass die Teilnehmer dem gewöhnlichen Renngeschehen “zuhause” abgehen, dass die Wettkampfkultur in Deutschland, von Vereinen getragen, verödet und die Vereine an allen Fronten kämpfen müssen: Zu wenige Teilnehmer, schwer zu erhaltende Genehmigungen, dadurch wiederum immer weniger und kürzere, weniger interessante Rennen, meist irgendwo an entlegenen Orten (Stichwort: sonntags früh im Gewerbegebiet), so dass wiederum Interesse und Rückhalt durch die Bevölkerung verloren gehen. Viele kommen nicht mehr, also wird wenig verdient: Weder an Startgeldern noch durch Getränke und Verzehr auf den Zuschauerrängen. Erst recht nicht, wenn das Wetter schlecht ist.

Ich war einmal auf einer traumhaften CTF (einer wohl-organisierten Mountainbike-Spaßveranstaltung mit Verpflegung und Streckenauszeichnung, jedoch ohne Zeitnahme), wo mehr Streckenposten und Verpflegungspersonal da waren als Teilnehmer. Es war warm, aber es regnete immer mal wieder kurz. Und es tat uns wenigen, die wir doch da waren, so leid, dass all der Aufwand in der Hauptsache umsonst gewesen war. Seither versuche ich, an so etwas zu denken.

Aber ich schweife wieder ab: Kurz gesagt, weniger Trainingsgruppen (jeder organisiert sich seine Veranstaltungen selbst, schließlich gibt es immer wieder Konflikte und Ärger mit den anderen “alten Hasen”), kein Raum und Anreiz für den Nachwuchs, der zudem bei einer Tour Challenge nichts zu suchen hat, also selbst mit zahlungswilligen Eltern keinen Zugang hätte. Zugegeben, dieser Absatz ist etwas holprig und extrem zusammengerafft, aber den Rest kann sich jeder denken: Die Vereine haben gewaltig zu knapsen und (von glücklicherweise so mancher Ausnahme abgesehen) wenig zu bieten.

“Die bösen Agenturen”, das will ich gar nicht sagen. Aber eine Entwicklung, die nur auf Events baut, ist nicht gesund, das meine ich. Ein Verein, vereinseigene Rennen und Tourismusfahrten (RTFs und CTFs), die muss man ebenfalls haben und unterstützen.

Das ist wie Facebook, das per se nicht schlecht sein muss, wenn man nicht nur virtuelle, sondern auch reale Freunde hat. Und wenn man realen Freunden auf Facebook wieder- und nicht einzig da begegnet. Wenn man sie aushält, wenn sie mal nerven und sich von ihnen wiederum ertragen lässt, sollte man selbst eventuell gelegentlich auch nervtötend sein.

Denn das eigentliche Highlight ist es, an einem Samstag wie jedem anderen auf der Hausrunde unterwegs zu sein, mit den üblichen Verdächtigen selbstverständlich, und bei einem Blick über die Schulter erstaunt festzustellen, dass man diesen wunderschönen Ausblick noch nie genossen hat (, man war wohl immer schwer beschäftigt, den in der Ferne immer kleiner werdenden Udo nicht komplett aus den Augen zu verlieren, der bergauf mehr kann als alle anderen). Oder gerade noch ein Reh im Wald verschwinden zu sehen. Oder sich über einen dummen Spruch – zwischen zusammen gebissenen Zähnen des Hintermanns hervorgebracht – schepp lachen zu müssen, während man selbst kaum noch Luft hat. Oder sich gemeinsam ein Event leisten, alle miteinander. Gelegentlich.

 

“2-Meter-Regel”

Leider gibt es sie bei uns in Baden-Württemberg noch – die „2-Meter-Regel“ d.h. alle Radfahrer müssten laut Regel im Wald immer auf Wegen fahren die zwei Meter oder breiter sind. Aber welche Waldwege sind schon zwei Meter breit? Und eigentlich wollen wir ja auch auf den schönen Singel Trails im Wald fahren!

Und genau deswegen gibt es jetzt eine Petition zur Streichung der “2-Meter-Regel” einschl. entspr. Bußgeldbestimmung im Waldgesetz Baden-Württemberg. Damit sich aber an dieser Regel etwas ändert, müssen noch sehr viele Unterschiften gesammelt werden!

Wir haben unterschieben und hoffen, dass es noch viel mehr Unterschiften werden!

https://www.openpetition.de/petition/online/streichung-der2-meter-regel-einschl-entspr-bussgeldbestimmung-im-waldgesetz-baden-wuerttemberg

Gleich, gleicher, gleichen, vergleichen

Derzeit findet ein Etappenrennen in Frankreich statt. Ein bestens besetztes, vielfach genutzt als Vorbereitung für die Straßen-WM. Marianne Vos nimmt teil, unter anderem. Wenn überhaupt, dann kennt man zumindest ihren Namen, sollte man meinen. Die meisten anderen, Teams wie Fahrerinnen, kennt man nicht. Wie denn auch?

Der Frauenradsport ist tatsächlich kaum präsent: Eurosport überträgt als einziger deutscher Sender den Radsport im Allgemeinen, die Vuelta natürlich, die Vattenfall Cyclassics, die Pro Cycling Challenge in den USA. Von den Damen ist hier nicht die Rede. Meistens gibt es ja nicht einmal ein Damenrennen.

Die UCI schreibt über das “spotlight on women”, ein magerer Artikel, offensichtlicher Versuch, die derzeit erhitzten Gemüter zu beschwichtigen. Die Frauen nämlich protestieren in letzter Zeit gegen die bestehende Lage. “Gleichberechtigung”, die Forderung danach scheint eine alte Leier, wird zu gern als Feministinnengeschwätz, als überholt abgetan. Wenn vielleicht nicht immer, so ist diese Forderung doch in diesem Fall keinesfalls von gestern, sondern vielmehr längst überfällig. Weil die weltbesten Radsportlerinnen kaum leben können von ihren Gehältern, weil es kaum Teams, kaum Stellen, kaum Lebensraum für sie gibt. Weil selbst die UCI öffentlich das Niveau der Damen anzweifelt. Weil sie bei den wenigen großen Rennen, bei denen sie überhaupt starten dürfen, von der Öffentlichkeit doch meist nicht wahrgenommen werden. (guter Artikel hierzu übrigens aktuell in der Tour)

Ich bin interessiert an der “Trophée d’Or“. Ich suche nach Informationen, unbeeindruckt davon, dass die Medien  nicht berichten (BDR und UCI ebenso wenig, wer hätte das gedacht?). – Nichtsdestotrotz finden sich keine bzw. nur unvollständige Ergebnisse, erst recht kein einziges Wort, kein Bericht über die bereits gelaufenen Etappen: Bereits am Samstag ging es los, am Sonntag dann das Zeitfahren am Morgen, eine weitere Etappe am Nachmittag, heute dann die offiziell 4. Eine große Auswahl an Top-Fahrerinnen ist und war am Start, einmal wieder, und keinen interessiert es.

“Das also ist die Wahrheit über den Frauenradsport.”, denke ich. Genau das. Schade!

Rheinland-Pfalz, wir kommen!

Wieder steht ein Rennen an, wiederum auf der Straße. Wieder habe ich Respekt und vor allem das Ziel, dabei zu bleiben. Simpel, aber vielleicht nicht ganz einfach. Es ist, was die Uhrzeit angeht, deutlich entspannter heute, denn wir starten erst am Mittag. Ich muss also nicht so sehr zeitig losfahren wie letzte Woche.

Das letztwöchige Rennen habe ich einige Zeit in den Beinen gespürt, auch die gestrige Vorbelastung war nicht ohne. Ich muss mich sozusagen dran gewöhnen, mich daran zu gewöhnen.

Ansonsten genieße ich, dass ich noch ausreichend Zeit habe: Zum in die Gänge kommen, Essen, die restlichen paar Kleinigkeiten einpacken. Es ist sehr angenehm, wenn keine Hektik herrscht. Es ist alles vorbereitet – schön.

Euch einen schönen Tag mit angenehmen Temperaturen und Spaß am Aktivsein, sei’s auf dem Rad, sei’s zu Fuß oder wie auch immer ihr Euch betätigt!

Damen konzentriert: Verschiebungen in der Marathonwelt

Wer im Marathonbereich die Damenränge 2012 auch nur ein wenig beobachtet hat, konnte sehen, dass dort “wenig los” war: Die immer gleichen Verdächtigen fuhren routiniert ihre Siege ein, dahinter kam im wahrsten Sinne des Wortes teils stundenlang nichts: Abstände zwischen den Treppchenrängen, in denen sich im Herrenfeld die Top 50 – 100 tummeln.

Das Ganze konzentriert sich nun, wo Centurion Vaude – ich fragte mich schon letztes Jahr, warum sie keine weitere starke Frau verpflichten – ihre stärkste weibliche Kraft offenbar eingebußt haben: Milena Landtwing, so lassen es erste Hinweise im Internet vermuten, wird in der kommenden Saison für Topeak Ergon fahren, also “gemeinsame Sache machen” mit Sally Bigham.

Die beiden hatten letztes Jahr bereits scheinbar ohne große Schwierigkeiten sowohl gemeinsam als auch jeweils im Alleingang einige bemerktenswerte Siege bei Marathons bzw. Etappenrennen einfahren können. Was wird wohl durch die Bündelung dieser beiden Kraftbündel für eine Synergie entstehen? Und dann hat auch noch Pia Sundstedt ihre Karriere beendet, eine weitere Dame, die “eigentlich schon auf Männerniveau” unterwegs war, wie ein Bekannter treffend formuliert hatte. – Ich bin gespannt, ob irgendjemand den beiden in der Teamwertung oder auch in der unmittelbaren Konkurrenz gegeneinander etwas entgegen setzen können wird.

Andererseits fände ich es schade bis langweilig, wenn sich nicht doch etwas mehr täte als im letzten Jahr: Es wäre schön, wenn der deutsche Profibereich ein paar mehr starke Damen verpflichten könnte und die Siegchancen weniger vorhersehbar wären. Was meint ihr?