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Später Saisonbeginn

Dieses Jahr will es einfach nicht so ganz werden. Mir fehlten Zeit und Motivation – wiederum bedingt durch wenig Zeit – für ein anständiges Trainingsprogramm und damit fühlte ich mich dieses Jahr lange Zeit auch so ganz und gar nicht bereit einen Wettkampf zu bestreiten. Mein Einstieg ins Berufsleben war nun mal wichtiger.
Langsam kommt zumindest 1/10tel Routine im Beruf rein und gemeinsam mit dem Sommer lässt das wieder Kapazitäten für mehr und vor allem regelmäßigeren Sport frei werden.

Am Freitag habe ich meinen Einstand in zweierlei Hinsicht gefeiert: Das erste Radrennen dieses Jahr und das erste mal mit meinem heiß geliebten neuen Specialized Tarmac (alias “Lupo”). Ich fuhr ein Bergrennen in Nussdorf am Attersee – ein wunderbarer Wettkampf, nicht zuletzt aufgrund der tollen Kulisse an meinem absoluten Lieblingssee. Es war familiär und dennoch top organisiert mit nettem Ausklang hoch oben über dem See. Dort fanden die Siegerehrung und eine Tombola statt, die nach bundesheerler Art rasch und mit nüchternem Humor durchgezogen wurde.

Das Rennen (eigentlich Einzelzeitfahren) war natürlich megaanstrengend für mich. Wie soll es anders sein, wenn man vorher kaum (Intervalle) trainiert. So habe ich mich hochgequält und etwas gelitten und die Oberschenkel brannten so richtig. Damit ich auch was davon hab!

Aber ich hatte tatsächlich was davon, denn ich wurde zweite Dame in meiner AK und gesamt 5. Also bitte – geht auch mit weniger Training…

Test, Test, Test.

Wir sind sehr dankbar, dass wir unter anderem von Engelhorn Sports unterstützt werden. Im Zuge dessen können wir Euch beispielsweise die Gewinnspiele anbieten (bald schon ist es übrigens wieder soweit) und immer wieder auch Produkte verschiedener Hersteller auf Herz und Nieren prüfen.

Gleich zwei solcher Produkte, die ich jeweils mit Begeisterung verwendet habe, stehen nun einmal mehr auf dem Prüfstand:

1. Meine wirklich genialen Rennradschuhe des Schweitzer Herstellers Suplest möchte ich nicht mehr missen, einfach, weil sie auch nach Stunden noch super bequem sind und bis ins letzte Detail durchdacht. Ich habe mir kürzlich erst neue Einlagen dafür fertigen lassen.

Am Wochenende ist eines der Geh-Absatz-Teile abgefallen, das ich nun gerne ersetzt bekäme. Ich habe es samt Foto eingeschickt und werde sehen, was geschieht.

2. Seit längerem schon habe ich ein paar Schwierigkeiten mit dem Sigma Rox 10.0 GPS, dem Radcomputer mit einfacher Navigationsfunktion, der mir ebenfalls längst treuer Begleiter ist.

Damals hatte ich gleich mit dem Service telefoneirt und eigentlich vereinbart, ihn rasch einzuschicken. Das wiederum aber habe ich lange vermieden, weil ich ihn ja oft und gern nutze; doch es ließ sich nun wirklich nicht mehr aufschieben. Heute endlich habe ich ihn erstens bei der Post aufgegeben und zweitens per E-Mail den Service darüber informiert. Ich werde Euch gleichfalls wissen lassen, was passiert.

Großer Preis von Ladenburg

Das Rennen war von Beginn an furchtbar. Jetzt verstehe ich, was es heißt, wenn sie immer schreiben “Ich habe einfach nicht ins Rennen hinein gefunden.”, denn so erging es mir gestern: Beim Warmfahren ging es mir schon schlecht: Ich war schwach, fühlte mich erschöpft, kam nicht auf Touren. Am Start kam ich nicht gleich in die Pedale, hatte zudem Probleme schon vom ersten Antritt an: Keine Kraft. Keine Konzentration. Ich habe sofort gemerkt, dass ich unkoordiniert bin, bin gefahren wie ein Anfänger, der keinen Windschatten suchen kann, hatte gefühlt auch keinen Windschatten. War sofort fast ganz hinten und da blieb ich. Schon nach der 1. Runde kam der Durst, ein furchtbarer Durst: Mein Mund schien mit Kleber gefüllt zu sein. Wofür nur hatte ich soviel getrunken im Vorfeld?! Sehr schnell war mir übel und mir war klar, dass das nicht besser werden würde. Ich schwitzte übermäßig, selbst bei der Hitze. Habe es noch versucht und bin mit einem anderen weiter gefahren, dem es offenbar ähnlich ging. Aber er war so schwach, dass ich kaum Gelegenheit hatte, mich zu erholen, und selbst als das Feld von hinten kam (die Runde war ja nur 1 km lang) und uns einholte, konnte ich nicht dran bleiben. Also gab ich auf.

Danach schwitzte ich wie in der Sauna, fror dann wiederum ewig nach, so dass ich bei weit über 30 ° zitternd da saß. Heute habe ich müde Beine, fühle mich erschöpft. Und ich bin schon enttäuscht, weil ich für meinen Verein fahren wollte und das Rennen zumindest überstehen. Dass es so schlecht laufen würde, hätte ich dann offenbar doch nicht erwartet.

Eigentlich will ich morgen gar nicht fahren: Bellheim. Das Vertrauen ist irgendwie gerade nicht so ganz da, denn das Ganze fühlt sich – trotz der Temperaturen – nicht so an wie es soll. Und ich habe das Startgeld nicht rechtzeitig überwiesen und werde die üblichen horrenden Nachmeldegebühren zahlen müssen. Aber der Start wird morgen zeitig statt finden: Um 08:40 Uhr dürfte es noch relativ erträglich sein. Wir werden sehen.

Im Dunkel

Ganz so habe ich mir den Sommer dann doch nicht vorgestellt: Ich sitze hauptsächlich im Dunkeln, was für die Stimmung nicht unbedingt optimal ist. Doch ich muss am Schreibtisch arbeiten, bei den Temperaturen natürlich bei herunter gelassenen Rolläden: Nachts Durchzug, tagsüber gestrichelte Lichtpunkte in der Wohnung.

Die letzten Wochen waren radfahrtechnisch nicht ganz optimal; ich war häufig müde und nicht so recht mit dem Herzen bei der Sache. Heute abend jedoch soll ich theoretisch fit sein: “Unser” Kriterium steht an, und in diesem Jahr muss ich da wohl wirklich mitfahren und habe bei den Senioren gemeldet (so macht frau das, wenn’s kein eigenes Damenrennen gibt). Mein erst drittes Straßenrennen dieses Jahr, veranstaltet von meinem Verein, dem RSC Ladenburg. Es gibt ein Jedermannrennen (für Fahrer, die keine Lizenz gelöst haben), sowie ein “Fette-Reifen-Rennen” für Kinder und Jugendliche, ein C-Klasse-Rennen (das ist die Herren-Lizenzklasse) und ein gemeinsames für Senioren 2 und 3, wo auch wir Frauen mitfahren werden. Erstmals fahre ich, während außenherum sicher ein paar Leute stehen werden, die mich kennen. Also hoffen wir mal, dass ich nicht abgehängt werde.  – Wir sehen uns um sieben in Ladenburg.

Der Vortag

Eigentlich wollte ich am Morgen die Vorbelastung fahren, doch es schüttet und schüttet und hört erst gegen Mittag auf. Dann fahre ich das MTB zu meinem Freund und nehme stattdessen das Auto mit, das er mir Gott sei Dank ausleihen kann. Er wiederum macht sich sofort daran, das MTB für Tschechien fertig zu machen. Was für ein Schatz!

Auf dem Rückweg nach Hause, dieses Mal im Auto, beginnt mein Kopf, wilde Gedanken zu spinnen: “Wenig Zeit nur noch!”, “Wie schaffe ich das alles?”, “Essen sollte ich auch noch.”, “Ich hab Kopfweh!”, “Meine Beine sind schwer.”; “Was für eine Schnapsidee!”; “Da hinten wird’s schon wieder finster!”; “Gepackt hab’ ich auch noch nicht so richtig.”, “Ich werd’ um 4 rum aufstehen müssen.”, “Das  mit dem Ausruhen wird heut’ nichts mehr.”,….

Derweil bin ich zuhause, ziehe die Rennradschuhe an (Klamotten trage ich ja schon von der kurzen MTB-Einlage vorhin) und mache mich auf den Weg: Die übliche Vorbelastungsrunde. Dummerweise kommen die dunklen Wolken schneller als gedacht, und ich bin noch nicht mal ganz den Apfelbaumweg oben, fängt es an zu regnen. Langsam, aber große Tropfen, und immer mehr. Bis ich auf der Altenbacher Höhe bin, gießt es in Strömen. Das Gewitter scheint recht nah. Bergab geht es noch, aber kurz vor dem Abzweig bin ich mitten im Unwetter: Zentimeterhoch steht das Wasser auf dem Asphalt, ich sehe kaum noch ‘was. An der Bushaltestelle hat sich eine Horde Rennradler untergestellt. Sie rufen, ich solle kommen. “Danke, ich bin schon nass.”, rufe ich zurück, längst völlig durchnässt; Ich will nicht frieren. Selbstverständlich habe ich umdisponiert, biege statt links nach oben ohne zu zögern nach rechts ab: Nur rasch direkt nach Hause zurück. Am Himmel ist alles schwarz.

Weiter unten wird es aber noch einmal heftiger: Überall Wasser, ich sehe zwischenzeitlich fast nichts mehr, und bin damit nicht allein. Ich muss also aufpassen, weil mir Autos auf meiner Seite entgegen kommen. Die hinter mir fahren allerdings kaum schneller als ich; von daher wenigstens keine Gefahr.

Zuhause erst einmal das Rad ein bisschen abgetrocknet, dann die Schuhe ausgestopft, den Helm (Polster raus genommen) ebenfalls. Hoffen wir, dass bis morgen alles trocken wird. Das wäre wunderbar!

Dann geduscht, kurz gegessen, ins Auto und nach Bensheim gedüst. Der Start-Ziel-Bereich ist schon abgesperrt. Ich werde immer nervöser: Überall Begleitfahrzeuge der Profiteams, Betreuer, Teamfahrer. Teambusse, Wohnmobile, Mechaniker mit Rennmaschinen. Jeder scheint zu wissen was er tut. Profesionalität. Ich mit dem Auto, das nicht einmal mir gehört. Auf dem Parkplatz, der jemandem sonst gehört. Ob es stört, dass er da stehe, fragt mein Nebenmann, der eben aus dem Kombi mit Veloccio-SRAM-Beklebung steigt. “Keine Ahnung, ich bin selbst nicht von hier.”, sage ich, und er lacht, und wir gehen weiter.

Im Hotel soll man die Startnummer holen, habe ich mir gestern glücklicherweise noch sagen lassen, nebst vielen sonstigen Infos, nach denen zu fragen ich nicht einmal auf die Idee gekommen wäre; nicht im entferntesten. Und ja, auch da hatte ich Zweifel, mächtig große, ob die Idee so gut war bzw. die Idee, mich auf die Idee bringen zu lassen, hier zu starten.

Aber egal, ein Abenteuer, warum nicht? Ich habe nichts zu verlieren. Ich gehe also in die Lobby, und finde einen Haufen Menschen vor, und zwei wenig frequentierte Tische mit der Aufschrift: “Startnummernausgabe Männer”, “Startnummernausgabe Frauen”. Am Frauentisch steht jemand; ich warte. Überlege kurz: “Was jetzt?!”, und wühle sicherheitshalber mal nach meiner Lizenz. Die werden sie sicher brauchen. Ich gebe sie dem netten Herrn auf der anderen Seite des Tisches, neben ihm sitzt eine ebenso nette Dame, links am Tisch der, der vor mir dran war. “Ist das ihr erstes Rennen?”, fragt mich der nette Herr, und mir stockt der Atem. “Nein, das zweite.”, sage ich ernst, und merke dann erst, dass es ein Scherz war. Die Frage hatte er gestellt, weil ich vergessen hatte, meine Lizenz auf der Rückseite zu unterschreiben. Meine ernste Antwort wiederum schien die anderen zu überraschen: “Wie, erst das zweite!”, fragte der Mann links überrascht. Ich war froh, dass ich beschäftigt war: Bekam einen Transponder, ein Startnummernkärtchen für’s Sitzrohr, zwei Startnummern für’s Trikot (immerhin die kann ich halbwegs eigenständig anbringen), Kabelbinder, eine Rennzeitung. Ob ich Material hätte, der Mann links könne es mitnehmen. “Nein, nichts.”, sage ich, und der Mann links fragt ungläubig: “Gar nichts dabei? Nicht mal ‘ne Trinkflasche oder so?” Ich komme mir dumm vor, sage nein, ich hätte nichts, was ich mitgeben könnte, aber danke, und gehe. Anscheinend war’s das nämlich.

Puuh, ich bin verdammt aufgeregt, mir ist verdammt warm, ich muss schnell mein Jäckchen ausziehen, bevor ich in’s Auto steige, den ganzen Kram in meiner schicken Handtasche: Transponder, Startnummern, Kabelbinder. Während die Mechaniker weiter werkeln, der eine oder andere Radfahrer weiter vorbei pedaliert, Teamfahrzeuge auf dem überfüllten Parkplatz hin und her manövriert werden, Betreuer geschäftig mit Logo-bestickten-Polohemden durch die Gegend eilen, gehe ich zurück zu meinem nicht legal geparkten Fahrzeug, komme parallel an mit dem Jüngling von Veloccio-SRAM und verlasse vor ihm den Parkplatz.

Ich lenke den Wagen zurück auf dem Weg, den ich gekommen bin, über die Umleitung durch’s Wohngebiet, vorbei an dem Parkplatz, wo ich morgen zu parken gedenke (eine Alternative hab’ ich ebenfalls parat, die passiere ich wenig später), weiter zur Autobahnauffahrt, weiter nach Hause. Ich trinke ein bisschen unterwegs, und knabbere an meiner Waffel. Das mit dem Appetit ist so eine Sache, wenn dieses flaue Gefühl im Magen nicht weichen will, von den steinharten Beinen ganz zu schweigen.

Zuhause angekommen bringe ich den Transponder an, die Startnummer, die – ich habe es ja schon geahnt – in das kleine Eckchen meines Minirahmens natürlich nicht recht passen will. Daran herum zu schneiden habe ich mich dann doch nicht gewagt; vielmehr war ich kreativ mit Schere und Kleber allerlei Kabelbindern, und habe es halbwegs ordentlich hinbekommen, will ich meinen.

Jetzt nur noch Sicherheitsnadeln für die Nummern auf’s Trikot; und die Kombizange für die unzähligen Kabelbinderenden.

Dann nur noch ‘was Essen, immer nur Essen, was Trinken, Flaschen richten, alles in die Tasche schmeißen und kontrollieren, was ich zurecht gelegt habe. Mensch, bin ich spät dran. Mensch, wie soll ich das überleben morgen? Wie soll ich auch nur über die Brücke kommen, gleich am Anfang die, ohne abgehängt zu werden? Und überhaupt, wann fahre ich los, wann fahre ich mich warm, und wie hart, und wie soll ich das nur überleben?

PS: Ich glaube, ich veröffentliche das hier noch nicht. Sicherheitshalber, und weil ich gar keine ermutigenden Kommentare möchte, oder doch, aber eben kein “fishing for compliments”-mäßiges Ding. Ich will euch nur Teil haben lassen an meinem Kopfkino; und den Rest erzähle ich Euch vielleicht später, was auch immer der Rest sein mag….

 

Zuhause & Ankommen

Immer wieder schweifen meine Gedanken zurück zum einen oder anderen Moment während der Pfingsttour: Anstiege, Abfahrten, lange Ebenen, Abplatzen, Ranfahren, Lockermachen, Ruhigangehen, Gasgeben, Gegenwind, Rücken- und selbstverständlich auch Seitenwind, Sichquälen, Nochkrafthaben, Müdesein, Ankommen.
Die Schotterpassage irgendwo im Wald in Belgien. Die fehlende Brücke in Luxemburg. Das Unwetter vor Köln.

Gerade soll ich weiter schreiben, habe eine Abgabefrist zu erfüllen, doch fällt es mir schwer, weil ich eigentlich noch in der Sammelphase bin: Lesen, notieren, zusammenstückeln. Wie Frederick und seine Farben. Wieder Frederick. Es fügt sich gerade sehr viel, und das will ich  nicht missen. Der ewige Widerstreit zwischen Ruhigangehen und Gasgeben. Alles hat seine Zeit. Ich aber habe gerade dummerweise mal wieder keine. Muss mein Netzwerk schneller weben.

Draußen scheint die Sonne, der Himmel hinterm Nachbarhaus ist regenblau. Ich muss noch gießen (unterm Dach wird’s nicht regnen).

Die Stille Stunde ist gleich vorbei.

Unterwegs & Daheim

Innerhalb weniger Tage nur habe ich soviel erlebt, unzählige wertvolle Erinnerungen gesammelt wie Frederick seine Farben.

Während der Prolog am Freitag abend noch auf vertrautem Terrain rund um Heidelberg ausgetragen wurde, war ich dennoch bereits überflutet von Eindrücken: Neue Menschen, viele Informationen, neue Namen. Leiden auf den weißen Stein; das Gefühl, nicht schnell genug zu sein. Bergab sausen durch Peterstal und Ziegelhausen: Das ging schon besser. Durch’s Neckartal geknallt zurück nach Heidelberg: So soll’s sein! Der Einstand in die Pfingsttour 2015 war geglückt.

Nach dem sehr frühen Aufbruch am Samstag früh führte uns die Strecke in zwei großen Pelotons langsam aus meinem gewohnten Umfeld heraus: Heidelberg, Eppelheim, immer weiter in Richtung Speyer, dann den Pfälzerwald. Bis zur ersten Pause unterhalb der Kalmit hatte ich den alten Boden verlassen, war ich auf meinem Rad immer weiter auf Neuland unterwegs: Gesicht um Gesicht, Geschichten, Erfahrungen, Witze. Die vorbeiziehende Landschaft. Anfangs sehr langsam, später flotter unterwegs, kurz vor Maikammer dann das erste Mal ein bisschen Schmerz in den Beinen. Der Gedanke: Hab’ ich gestern überzogen? Werd’ ich das schaffen? Wie geht’s den anderen? Verpflegung, weitere Gespräche, immer wieder Staunen, Neues.

Dann die Rennetappe: Jeder für sich. Jeder wie er möchte. Ich gab Gas, soweit es ging und konzentrierte mich auf mich und meine Beine. Unterwegs bin ich dann Rombo begegnet, es ist einfach so passiert, dass wir einander abwechselten in der Führung, bergauf, bergab, immer wieder anderen auffuhren, die wiederum teils mitgingen, so dass wir später eine ziemlich große Gruppe gebildet hatten. Ich leistete einiges an Führungsarbeit, denke ich, und hatte großen Spaß dabei. Die Strecke und Landschaft war wunderschön: Immer wieder einen Blick darauf zu werfen, tat unheimlich gut. Auch Joe war mit von der Partie, mein Bruder selbstverständlich ebenfalls. Bis zur Mittagspause hatten wir das Johanniskreuz passiert und konnten an einem idyllischen Fleckchen die Reserven wieder auffüllen, lagen im Gras, hatten Spaß.

UPDATE: Erste Bilder online.

Zuhause & Unterwegs

Ich wollte Euch doch noch erzählen, was ich am kommenden verlängerten Wochenende vorhabe:

Dabei bin ich in der Sache relativ kurzfristig für meinen Freund eingesprungen, der stattdessen aus Jux und Tollerei mit Bekannten ein 12-Stunden-Rennen in der Staffel bestreiten wird. Und das wiederum ist es, was mir ein spannendes Wochenende auf dem Rennrad beschert, gemeinsam mit erstens meinem Bruder, der auch mit von der Partie sein wird, und um die 60 Mitstreitern, denen ich morgen Abend allesamt zum ersten Mal begegnen werde.

Freitag
Am morgigen Freitag nämlich geht es abends los, unser Abenteuer, mit einem kleinen Prolog: Wir treffen uns in Heidelberg, und wie ich bisher mitbekommen habe, reisen die Teilnehmer aus ganz Deutschland und sogar der Schweiz an. Während dem ersten Einrollen werden einige sicherlich noch im Auto oder (dank offiziellem Ende des GDL-Streiks hoffentlich auch unbehindert) im Zug sitzen; ein paar mehr dann sicherlich schon beim anschließenden gemeinsamen Abendessen anwesend sein.

Ob das Einrollen am Vorabend so sehr entspannt sein wird wie ich es mir insgeheim vielleicht erhoffe, ist übrigens fraglich, denn bereits hier sind sowohl der Modus  “gemeinsam” als auch “Rennen” zur Orientierung angegeben.

Das Gesamtprogramm
Richtig zur Sache gehen wird es aber in jedem Fall dann ab Samstag früh (sehr früh, genauer gesagt!), wo wir die erste von insgesamt 3 Etappen angehen werden. Wie oben schon erwähnt, variiert der Fahrtmodus unterwegs: Teils wird in Kleingruppen (wir wurden hierzu in “Teams” aufgeteilt), teils eigenverantwortlich im Rennmodus und streckenweise wiederum mit allen gemeinsam im geschlossenen Verband gefahren. Jede Tagesetappe ist zudem nochmals unterteilt in 2 – 3 Teilabschnitte; dazwischen sind Pausen angesetzt, wo wir mit Essen und Getränken, mittags sogar ganzen Mahlzeiten, versorgt werden bzw. uns  in den Begleitfahrzeugen um- und aufrüsten können.

Wir starten am Samstag  in Heidelberg und beenden unsere Reise am Montag im Laufe des Tages in Köln. Die Streckendaten kann man hier einsehen und dabei rasch feststellen: Der direkte Weg  ist mit Sicherheit ein anderer.

Samstag
Am Samstag rollen wir noch größtenteils eben von Heidelberg über Schwetzingen und Speyer nach Maikammer. Die zweite Teilstrecke des Vormittags führt uns von Maikammer aus in die Tiefen (bzw. Höhen) des Pfälzerwaldes: Erstmals werde ich die Kalmit live erleben (ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bisher nicht einmal mit dem MTB dort unterwegs war!), wir halten uns südlich von Lambrecht (da immerhin war ich schon) und fahren über das Johanniskreuz (wo ich, wenn wir schon dabei sind, sowohl mit dem Geländerad als auch dem Straßen-Motorrad bereits war) bis zu einem kleinen Örtchen nahe Schopp, Queidersbach und Bann und somit 3 Pfälzer Käffern, die sich mit ihren Radsportveranstaltungen nichtsdestotrotz und teils über Jahrzehnte hinweg einen Namen gemacht haben. Diesen Teil beschreibe ich nicht nur langwieriger, der wird sich auch dementsprechend gestalten, könnte ich mir vorstellen; denn hier sammeln wir die ersten handfesten Höhenmeter.

Auf dem dritten Abschnitt, am Samstag Nachmittag also, befahren wir dann auch den schönen Anstieg aus Queidersbach hoch auf die berüchtigte windige Ebene und dann immer weiter, hoffentlich fleißig, bergauf und bergab zwischen Landstuhl und Zweibrücken durch den Pfälzerwald nach Nordwesten – und mit St. Wendel über einen weiteren Kultort des deutschen Radsports (und da hinten war ich wirklich noch nie!) – hin zu einem kleinen Fleckchen am Rande des Saarlandes.

Sonntag
Der Sonntagmorgen bringt neue Herausforderungen (abgesehen vom frühen Start in den Tag natürlich): Über Wadern kehren wir in die Pfalz zurück und kommen durch Saarburg, bevor wir kurz vor Grevenmacher doch tatsächlich mit der Mosel auch noch die Grenze von Deutschland nach Luxemburg überqueren und am südlichen Rand von Echernach an einem See (dem Lac d’Echternach, wer hätte das gedacht?) Zwischenhalt machen.

Am Nachmittag überqueren wir die Sauer und folgen auf deutscher Seite eine Weile lang ihrem Verlauf, halten uns dann aber gen Norden und kommen schon bald in eine Region, die allein auf der Landkarte bereits vielversprechend wirkt: Kaum Siedlungen, viele Kilometer schmaler und gewundener Sträßchen, viel Grün und Blau. Höhenmeter sowieso. – Oh, die Höhenmeter! Sie werden mich umbringen. Ich werde es lieben. (Und hoffentlich scheint die Sonne!) – Irgendwo auf diesem Teilstück übrigens befindet sich sicherlich zu Recht auch die sonntägliche “Rennetappe”. Nach einem weiteren Abstecher auf luxemburgische Seite überqueren wir dann noch die Grenze von Luxemburg nach Belgien und  pedalieren dort bis kurz vor dem Tagesziel entlang der Our. In Belgien wird somit ein langer und ereignisreicher Tag zu Ende gehen.

Montag
Der Montag ist der letzte Tag unserer Reise, aber nein, es wird mitnichten ein langweiliges Ausrollen sein! Wir starten ein letztes Mal zeitig am Morgen bei Burg-Reuland in Belgien und bekommen auf dem Weg in Richtung Norden sicherlich einiges vom Land zu sehen. Auf der Landkarte präsentiert sich die Region wiederum ganz anders und ich bin gespannt, die seltsam klingenden Ortsnamen real am jeweiligen Straßenrand lesen zu dürfen: Das wird gut!

Irgendwann kommen wir am Bütgenbacher See vorbei, sind trotz der deutschsprachig angehauchten Bezeichnungn jedoch immer noch auf belgischem Terrain. Die Grenze zurück in die Bundesrepublik nehmen wir ein wenig weiter nördlich und kommen so tatsächlich nahe an Monschau vorbei: Mein Vater hatte die Region mehrfach erwähnt, seit er weiß, dass wir “da oben” mit dem Rad unterwegs sind, weil er nämlich ein sehr idyllisches Tal dort mit dem Motorrad befahren und in bester Erinnerung hat.  – Wir sind also wieder in Deutschland und stoßen irgendwann dann auch auf die Rur und einen beeindruckenden Stausee, der aus Rur und Urft gespeist wird. Eigentlich sind es, wenn ich es recht sehe, zwei Seen, in die die beiden Flüsse münden und die wiederum sich zu einem langen Stausee vereinen. Mal sehen, ob das in real auch so toll aussieht! In Einrur pausieren wir.

Der Nachmittag dann , immerhin noch 90 km misst dieses allerletzte und tendenziell wieder flachere Teilstück unserer Reise, führt uns in einer weiten Schleife südlich des Seengebildes und dann wieder unmittelbar am östlichen Ufer vorbei; anschließend geht es von Südwesten her weiter nach Köln.

Fazit
So, nachdem ich jetzt schon vor der großen Fahrt einen ausführlichen Reisebericht geliefert habe, kann ich mich hinterher kurz fassen, zumindest was die Routenbeschreibung angeht. Wer weiß, vielleicht tu’ ich das sogar? – Ich fürchte jedoch, dass nicht: Ich werde viele neue Leute kennen lernen, wir werden gewaltig ‘was erleben; ich werde hart kämpfen müssen; Verrücktes zu berichten haben; die Navigationsfunktion meines Sigma Rox gründlich austesten. Last, but not (at all) least habe ich ein nagelneues Paar Schuhe edelster Schweitzer Bauart an den Füßen.

Gerade sitze ich in einem meiner Lieblingsräume im Haus meiner Eltern, das von einem tollen Garten umgeben ist. Ich arbeite, nippe gelegentlich an Kaffee oder Tee, genieße die Sonne und das Vogelgezwitschere draußen. – Und morgen geht es los!

 

Rückblick: Trainingslager am Gardasee

Während draußen ein kurzer Graupelschauer niedergeht, verbringe ich den Tag mit Lesen: Recherchieren, recherchieren, recherchieren. Zwischendurch eine Tasse Kaffee, immer mal wieder ein Schluck Wasser, Mittagessen, die eine oder andere E-Mail. Der Wind heult übellaunig um die Ecken des Hauses, die Nachbarkinder tun es ihm heiter nach und freuen sich. Aber er zerzaust Bäume und Blätter, stößt um und pustet weg, so sehr er es vermag, hetzt den Regen gegen Fensterscheiben, unverdrossen den ganzen Tag. – So sitzt es sich recht bequem im warmen Zimmer am PC.

 

Letzte Woche noch war ich am Gardasee, wo es gleichfalls nicht immer heiter Sonnenschein gab, aber dennoch sehr schön war: Wir haben 14 Tage dort zugebracht, die Region mit dem Rennrad erkundet, dabei viel Strecke gemacht, doch auch nicht wenige Höhenmeter zurückgelegt.

 

Leider habe ich nur wenig Bildmaterial, dafür um so mehr schöne, ganz persönliche Eindrücke „im Vorbeifahren“ aufgeschnappt: Hellgelbe Primeln (oder eine Sorte Himmelsschlüssel?), die auch an düstren Tagen überall am Wegrand prächtige Teppiche bilden, den Waldboden bedecken, selbst die kärgsten Mauerspalten zieren; Tupfen leuchtendvioletter Veilchen, frisch gestutzte Olivenbäume, dieser eine Olivenhain mit tief zerklüftetem Wurzelwerk, wie ein Relikt aus alten Tagen; der immer wieder neue Blick auf den See. Blühende Obstbäume, riesige Zitronenfalter, Blüten- (und gelegentlich auch Regenduft; das laute Rascheln der Palmwedel im Wind; Vogelzwitschern, der Rundgang durch’s Dorf mit Nachbar’s Katze, die mich täglich treu besucht hat. Ach, und ein Lieblingshaus habe ich auch: mit in den Fels gehauenem Garten. (Ich geb’ Bescheid, wenn’s soweit ist, und ihr mich dort besuchen könnt.)

 

Bilder gibt es zwar, doch die sind wenig schmeichelhaft: Eine rotgesichtige, verschwitzte Arnhild, die selten lächelt und doch, das kann ich Euch versichern, zufrieden ist, wieder irgendwo oben angekommen zu sein. An manchen Tagen konnte ich nach 100 Kilometern noch vorne mächtig Tempo machen und fühlte mich gut; an anderen kam ich von Beginn an nur mit Mühe voran und die Beine wollten einfach nicht locker werden. Nach anfänglichem Hadern nahm ich es einfach, wie es kam und genoss die tollen Strecken, ob ich nun gerade leiden musste oder nicht, ob’s windig war, sonnig oder doch mal trüb und kühl. Und obwohl wir meist nur zu 3. oder 4. unterwegs waren, hatten wir einen absolut zuverlässigen Windschattenspender, der meistens wusste, wo es langgeht und für gute Laune sorgte (, dabei noch ganz nebenbei ohne zu murren seine Begleiterin die Berge hinaufschob).

 

Es gab jedoch längst nicht nur Positives. Eine Sache war das Wetter, das immer mal wieder umschlug. Mein Freund hatte zudem ziemlich zu Beginn unserer Reise völlig unvermittelt einen Rahmenbruch seines Cannondale Supersix Evo Hi-mod (ich glaube, so heißt das Modell, muss ihn aber nochmal fragen) zu verkraften, das war ein Tiefschlag der herbsten Sorte: So ein edles Gefährt bricht einfach unvermittelt unterwegs! Der Horror eines jeden Radfahrers! – Wir waren an dem betrefffenden Tag gerade mal 70 km gefahren, hatten in einem kleinen Örtchen kurz angehalten, um uns zu orientieren. Dann fuhr er an, trat aus dem Stand bergan in die Pedale, da gab es einen furchtbaren Krach und seine Kettenstrebe war entzwei gebrochen! Das wünscht man wirklich Niemandem.

Es gab einen Bus vom Nachbardorf nach Riva, und dort konnte ich ihn mit dem Auto abholen. Die Tage drauf musste er ein wenig erquickliches Mietrad fahren, das schlecht passte, viel wog, schlecht schaltete, dessen Reifen porös und Bremsen unsagbar schwach waren. Er durfte erst einmal alles einstellen und den gröbsten Schmutz entfernen. Einziger Vorteil: Die Übersetzung. Zumindest an steilen Anstiegen konnte er im Sitzen flüssig treten, während mir ohnehin längst die Gänge ausgegangen waren und unser Frontmann in Zeitlupe trat (, der jedoch trotzdem keine Schwäche zeigte). Dafür jedoch konnte ich die Abfahrten nicht wie gewohnt in seinem Schlepptau genießen, weil auf die Bremsen kein Verlass war.

 

An den Tagen vor Mailand – San Remo bekamen wir rund um den See Gesellschaft von ein paar Profi-Teams; und selbst an einem wetterbedingt taktischen Ruhetag begegnete uns noch eine Fahrerin beim Roller-Training während eines Intervalls: Auch radsporttechnisch ist einiges los am Gardasee.

Ein paar Fotos findet ihr in meinem “Dies & Das 2015″-Album auf unserer Facebookseite.

Hier auch ein Bericht zum Thema auf Sportupyourlife.