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Kaffee oder Tee? – Keine Frage….

Ich mag Kaffee ebenso wie Tee, und ja, das ist mal wieder einer meiner berühmt-berüchtigten Ich-weiß-es-nicht-besser-Einstiege. Anlass dazu gab das Gesamtbild der letzten Tage und Wochen, wo stets ein Tablett mit der silbern-zierlichen kleinen Kaffeekanne und der grobschlächtig-weißen großen Teekanne, begleitet vom hässlich-strammen Milchpack-Wächter in Reichweite stand. Auch heute, und sicher nicht das letzte Mal:

Ich bin fast fertig mit meiner Arbeit, bzw. fertig, was die Inhalte angeht. Gott sei Dank habe ich in ferner Vergangenheit die Geheimnisse der Textverarbeitung professionell erlernt und muss mich so vor den letzten Überarbeitungsschritten nicht fürchten, oder nicht so sehr, oder auch umso mehr, je nachdem…  Bis zur Abgabe am Montag also nur ein paar Korrekturen einarbeiten, die schrittweise hereinschneien, nochmal durchlesen, die Listen durchgehen, ob ich auch alles habe. Ich bin eine Woche später dran, aber deutlich zufriedener so wie es ist. Und dann wird gelernt.

Aber wisst ihr, welcher Satz ganz groß in meinem Notizbuch steht, mehrfach nachgezeichnet? – Ich verrat’s Euch selbstverständlich: ” Wenn Du abgegeben hast, (kannst und) darfst Du wieder auf’s Rad!” Ich war im Studio, ich stemme fleißig Gewichte, und werd’ auch langsam besser. Aber das Radeln, das vermiss’ ich sehr. Meine vorgezogene Saisonpause sei aber hiermit und bald schon beendet.

“Kaffee oder Tee?” ist eine ebenso unsinnige Frage für mich wie “Rad oder Arbeit?”. – Beides muss sein.

 

PS: Wenn mir jemand sagen kann, wie ich hier einen richtig echten Gedankenstrich hinbekomme, wäre mir sehr geholfen. Das noch einmal zum Thema “professionelle Textverarbeitung”.

Perspektive

Ein paar Leute, die ich sehr gern habe, wiegen zuviel. Sie sind dick. Ich mag sie nicht trotzdem. Ich mag sie unabhängig davon.

Sehr viele Leute, die ich kenne – manche mag ich, manche nicht – sind nicht trainiert. Sie haben keine Ausdauer, keinen stabilen Körper, und/oder keine Muskulatur.

Sehr viele Menschen, denen ich Tag für Tag begegne, sind nicht stark, nicht trainiert.

Sie sind häufig schlank, jeder sieht das.
Sie sind häufig nicht fit, ich sehe das.

So könnte ich Euch verurteilen, wie Ihr diejenigen verurteilt, die dick sind. Weil mein Kriterium, was oder wie ein Körper zu sein hat, ein anderes ist als Eures: Ihr seht dicke, ich sehe starke Beine. Ihr seht dünne, ich schwache.

Sehr viele Menschen, die ich sehr gern habe, trainieren zu wenig. Sie sind nicht fit. Ich mag sie nicht trotzdem. Ich mag sie unabhängig davon.

Ein Mensch ist nicht sein Gewicht, nicht seine Muskulatur. Nicht sein Beruf, nicht sein Geld.

Sieh’ genau hin! (Ich versuche das auch zu lernen.)

 

PS: Ich sehe mich nicht als unfehlbar, bin (leider) gewiss kein Vorbild im Nicht(vor)verurteilen von Menschen und mir meiner Unvollkommenheit bewussst. Aber ich möchte es lernen. Mich nicht über andere erheben. Was mir teils sehr schwer fällt, wenn es umgekehrt der Fall ist.

Und der sehr einseite “Figur-Hype”, der allzu häufig nichts mit tatsächlicher Gesundheit und körperlicher Leistungsfähigkeit zu tun hat, geht mir ebenfalls auf die Nerven. Erst recht, wenn ich sehe, zu welch ignoranten Ausblüten er häufig führt.

Und wieder zuhause

Die Balkontüre steht offen, ein Spatz sitzt auf einer der Bambusstangen in einem Blumenkübel und flattert dann rasch davon; die Wunderblumen blühen. Sie zeigen ihre Blüte nur vormittags und abends.  Die Vögel gewöhnen sich langsam an die improvisierte Vogeltränke, die ich am Eck des Handlaufs angebracht habe. Abgesehen davon, dass ich in diesem Jahr mehr Platz habe, bspw. um Wäsche aufzuhängen, ist das eine meiner Lieblingsneuerungen, auch wenn es hier keine Goldammern zu sehen gibt. Eine weitere ist der “Bienenschmaus”, eine Tüte mit Saatgut, die ich in einen Topf ausgebracht habe, und die wirklich verspricht, was sie hält, nein, umgekehrt natürlich! Es ist schön, dass mir plötzlich sowohl hübsche Falter als auch Bienen, Schwebfliegen und sogar Hummeln gelegentlich einen Besuch abstatten, und das nur wegen einem einzigen Wildblumen-bepflanzten Topf!

Mein Bein heilt nun richtig gut. Vorgestern war ich absolut mutlos, weil ich – erschöpft und müde – den ganzen Tag tröge auf der Couch zubringen musste, nur unterbrochen von mühevollen Gängen zum Gefrierfach, umh mich mit neuen Kühlakkus zu versorgen. Ich schlief viel. Gestern dann bin ich morgens ins Studio gegangen. Es war erstaunlich, dass mich auf dem Hinweg keine Schmerzen begleiteten: Ich hatte das Rad gewählt. Ich beschloss, mich auf dem Laufband aufzuwärmen, allerdings deutlich langsamer und sanfter als sonst. Das ging ebenfalls gut: Keine Schmerzen, das Bein war außerdem gut kontrollierbar. Die inzwischen fest integrierten Übungen zur Beinachsenstabilität klappten ebenfalls gut, wobei das Dehnen und Rollen dringend nötig war nach der Zeit in Tschechien. Dann habe ich vor allem den Oberkörper trainiert, endlich wieder ein paar Klimmzüge (allerdings mit stärkerem Widerstandsband als sonst zur Unterstützung), ein bisschen Kraftdrücken, Bauchübungen. Dann ausgiebig gerollt; das tat sehr gut. Auch auf der Heimfahrt lieb das Bein ruhig und kooperierte brav.

Am Mittag fuhren wir zu meinen Eltern, denn es gab etwas zu feiern. Für mich, auch wenn Familienfeiern nun wirklich nicht so mein Ding sind, war es ein sehr besonderer und erfreulicher Tag: Es ging um meinen Vater, und dem geht es gut. Es gab den üblichen lauten Trubel, den meine Familie immer fabriziert, wenn mehr oder weniger alle beisammen sind. Weil wir zu früh da waren, wurde mein Bein einem weiteren Spaziergangstest unterzogen, und das erfolgreich: Als ich am Abend heim kam, musste ich zwar überraschend früh die Segel streichen, hatte aber weiterhin keine Schmerzen und das Bein war auch nicht mehr dick geworden.

Gerade lege ich es wieder ein bisschen hoch, sicherheitshalber, und behandle es noch einmal mit Comfrei, einem alkoholischen Auszug aus Beinwellwurzeln, mit dem meine Mutter uns zeitlebens erfolgreich behandelt hat. Das Zeug wirkt wahre Wunder an offenen wie stumpfen Verletzungen!

Diese Woche steht einmal neu im Zeichen der Schreibtischarbeit, unterbrochen hoffentlich von erholsamen Radeinheiten. Es gibt viel zu tun und ich bin etwas unruhig und besorgt, ob und wie ich den nächsten Schritten gewachsen sein werde.

 

Frühling

Frühling lässt sein blaues Bandsich entreißen durch die Lüfte…

Es ist wunderschön draußen:
1. Sonnenschein.
2. Grün überall.
3. Blüten und Knospen, wo man nur schaut.
4. Hach, mein Balkon hübsch bepflanzt!
5. Fast schon Sturm, der Wind: Fegt heulend um die Hausecken und scheint zum Frühjahrsbild gar nicht zu passen.

Ich mache mir Gedanken zum “Freihandelsabkommen”, habe den Nachtisch vor dem Mittagessen zu mir genommen und werde mir gleich den Wind um die Nase wehen lassen. – Und ihr?

Ich habe Durst

Lass uns die Sonne trinken,
im Vorbeifahren winken,
Kaffeepause machen,
ungehemmt lachen,
etwas Kleines kaufen,
durch die Altstadt laufen,
schlechte Reime dichten,
neue Strecken sichten.

Lass uns uns heute einfach freuen,
gutgelaunt den Reim ver-sau-en.

Sollte die Milch sauer sein,
gieße ich mir frische ein.
Und jetzt reimt nur fleißig weiter,
Hauptsache, es macht euch heiter.

Spätabendliche Grüße

Heute war ein seltsamer Tag. Naja, eigentlich hatte es schon gestern begonnen: Nach dem zaghaften Ansatz von Winter in der Region wollten wir eine höhergelegene Alm nicht allzu weit von hier anfahren, um dort zumindest ein klein wenig auf die Langlaufskier zu kommen. Ich wiederum beschloss, die Hin- und Rückfahrt mit dem Rad zurück zu legen. Ein kleines Abenteuer, dass gelang und mir viel Spaß brachte.

Beim Skilaufen allerdings, gleich zu Beginn, ist meine Mutter gestürzt. Das kann schnell passieren, in ihrem Fall verlief es allerdings nicht glimpflich, da sie bereits “eingefädelt” hatte und somit auf den Stock fiel. Die Hand schmerzte, aber das Laufen ließ sie sich nicht nehmen, anfangs sah auch alles noch relativ harmlos aus. Wir hatten beim Laufen ebenfalls Freude und verbrachten einige Zeit oben auf der Alm. Darum auch fuhr ich wiederum mit dem Rad zurück und erfuhr erst im Nachhinein, dass sie kaum hatte schalten können auf der Rückfahrt mit dem Auto.

Also ging’s heute früh gleich ins Krankenhaus, bzw. erst nach ein paar Stunden, als die Versicherung grünes Licht gegeben hatte. Die Hand war über Nacht deutlich angeschwollen, meine Mutter konnte kaum eine Bewegung ausführen, geschweige denn Kraft aufwenden. Heraus kam, dass der Handwurzelknochen gebrochen ist. Das ist sehr schlimm. Sie wollte versorgt sein, an Training war aus meiner Sicht nicht zu denken. Wie sollte ich?!

Wir haben alles Mögliche geregelt, uns später ausgeruht, als wir endlich zurück waren vom Krankenhausmarathon. Erst gegen Abend haben wir uns nochmals aufgemacht, um ein wenig Spazieren zu gehen. Wir haben gar nicht gemerkt, dass wir so lange unterwegs waren, so schön war die Sicht auf die Berge im Abendlicht, so beschäftigt waren wir mit Schauen und uns Unterhalten und der teils mit großen Pfützen, dann wieder etwas Schnee, an anderer Stelle wiederum Eis bedeckten Strecke.