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Kauf Dir was!

Kauf, kauf, kauf! In E-Mails, auf allen Homepages, in Geschäften, der Zeitung: Überall lauern Angebote, Anzeigen, Aufforderungen, zu kaufen für die Freunde, Familie, Dich selbst.

Das fällt mir zugegebenermaßen dieses Jahr so besonders auf, weil ich erstmals nicht “mitmachen” kann. Um mein Diplom endlich in der Tasche zu haben, habe ich alle Nebenjobs gecancelt, seit einiger Zeit schon, und während ich weiterhin gut versorgt bin und obwohl ich seit dem Sommer schon bemüht bin, habe ich es nicht geschafft in diesem Jahr, Geschenke zu besorgen. Und weil die Zeit ebenfalls knapper war als sonst, konnte ich auch nichts selbst machen.

Somit prallen all diese Konsumgeschichten unfreiwilig, wohl aber lehrreich an mir ab, und ich bin in der ungewohnten, nicht gänzlich angenehmen Lage, mich beschenken lassen zu “müssen”, ohne selbst schenken zu können. Und, oh, ich schenke gern. Sehr gern! Das Beschenktwerden habe ich Jahr für Jahr vergessen, weil ich so damit beschäftigt war, Ideen zu spinnen und zu realisieren. Eswar mir auch gar nicht so wichtig, obwohl ich mich dann umso mehr gefreut habe, selbstverständlich.

Nun, es fällt mir schwer, einfach nur zu nehmen. Dabei ist das doch die Botschaft von Weihnachten: Dass das kleine Jesuskind unter prekären Umständen geboren wird, einzig für uns, und wir nichts zu geben haben. Die Weihnachtsbotschaft ist für mich sehr wichtig, und wahrscheinlich ist es ganz heilsam, dass ich gezwungen bin, sie ein wenig bewusster zu erfahren als sonst.

Wer schenkt, sollte nichts zurück erwarten. Wer beschenkt wird, sollte aber auch nicht unbedingt “zurück schenken” müssen: Annehmen können und freuen! Zumindest nicht sofort und “gleichwertig” und solchen Mist, der das ganze Ding ziemlich verderben kann. Ich lerne also, und glaubt mir, ich habe so viele Ideen, dass nächstes Jahr die Post abgehen wird!

Und das Wichtigste am Weihnachten feiern ist und war doch ohnehin immer das Zusammenkommen, einander auf die Nerven gehen, aber auch unglaublich viel Spaß teilen, miteinander Essen, Spaziergänge machen (Weiße Weihnacht hin oder her), Brettspiele, Plätzchen futtern bis zum Umfallen, all das. Geschenke sind natürlich toll, aber ich könnte auch ohne sie leben (, wenn auch ungern).

Hohoho, und ich habe natürlich radsportliche Pläne über die Feiertage, und hoffe sehr, dass ich endlich so fit bin, dass ich sie auch umsetzen kann.

Zwischen den Jahren

Ich mag den Begriff “zwischen den Jahren”, auch wenn er irgendwie seltsam klingt, nicht logisch. Dennoch fühlt es sich genau so an; wir befinden uns “zwischen den Jahren”:

Weihnachten war schön, fand ich: Ziemlich stressfrei, voll von Menschen, die ich sehr gern habe, Gesprächen, Lachen, gemütlichem Beieinander, geschäftigem Vorbereiten, nie alleine, immer zu mehreren. Das mag ich gern. Am 24. waren wir einmal mehr spät dran, hatten lange beim Essen gesessen, uns unterhalten und waren erst spät ins Wohnzimmer vor den Kamin “umgezogen”, wo wir wiederum erst spät zur “Bescherung” übergingen, wo die Gespräche gerade so interessant waren. Somit wurde es auch in diesem Jahr fast Mitternacht, bis wir fertig waren und war schon früher Morgen, als ich die Geschenke, die mein Freund mir mitgegeben hatte, in aller Ruhe auspacken konnte. Hier waren einige tolle Überraschungen dabei; ich habe mich sehr gefreut. Die ersten waren derweil schon zu Bett gegangen und wir übrigen gingen gegen Zwei schlafen.

Es war lustig, die tiefgefrorenen Brötchen fürs Brunchen am 25. draußen auf dem Grill aufzubacken (Pizzastein); denn der Backofen zuhause ist defekt und der neue vorerst noch nicht lieferbar. So ein Weber-Monstrum ist doch zu vielem gut! Nach und nach kamen alle Beteiligten aus ihren Löchern gekrochen und wiederum hatten wir einen schönen Tag, mit ein bisschen “Personalwechsel” zwischendurch: Einer stieß per Rad (nach 2 Stunden Fahrt) zu uns, ein anderer kam mit dem Auto, wiederum ein anderer machte sich mit der S-Bahn auf nach Hause und Zwei waren zwischendurch unterwegs.

Mit den Jahren ändern sich die Dinge, so dass wir inzwischen mehr helfen, mehr beitragen zum Feiern und Vorbereiten,  und auch das ist gut so. Gestern also wurden fleißig Betten abgezogen, Böden gesaugt, Zimmer geputzt und durchgewischt; und bei so vielen helfenden Händen war die Arbeit weder besonders mühevoll noch langwierig; sondern einfach ein weiterer Baustein gemeinschaftlichen Tuns.

Schließlich bin ich nach einem letzten gemeinsamen Kaffeetrinken zuhause bei meinen Eltern und den obligatorischen Verabschiedereien erst einmal dort ins Studio gegangen. So konnte ich etwas später aufbrechen und musste mich nicht hetzen, obwohl alle Studios der Kette, bei der ich Mitglied bin, außer der Regel um 18 Uhr bereits zumachten.

Das Training tat gut, wenn auch sich die Berge an sahnelastigem Kuchen, die ich zuvor in mich hineingeschaufelt hatten, beim Schwungdrücken als etwas ungünstig erwiesen. Ich bin nach der Erkältung vor Weihnachten noch immer nicht voll auf der Höhe, fühle mich aber soweit wiederhergestellt. Seltsam leer war das Studio: Außer mir befanden sich nur zwei verzweifelt wirkende verschwindend magere weibliche Gestalten auf dem Crosstrainer respektive Laufband oder so etwas; und ein paar wenige Herren der Schöpfung bevölkerten den Freihantelbereich. Es war angenehm ruhig und ich konnte größtenteils ohne Wartezeiten meine Übungen durchlaufen.

Dann fuhr ich, begleitet von heftigen Regenschauern und ersten Windböen, in mein eigenes Zuhause zurück und konnte glücklicherweise kurzfristig im Trockenen das Auto entladen, in der Wohnung dann gleich alles verräumen und vorläufig Ordnung schaffen.

Heute schneit es teils wie angekündigt, teils regnet es. Hier unten bleibt nichts liegen. Heftige Windböen jagen Tropfen und Flocken gegen die Fensterscheiben; und mein erstes Radtraining wird durch einen sehr moderaten Schmuddelwetterpaziergang mit einer Freundin ersetzt werden. Einkaufen muss ich auch noch. Das war’s. Zwischen den Jahren geht’s geruhsam zu.

24. Dezember 2014

Dem Zauber von Weihnachten, im positiven wie im negativen Sinn, kann sich wohl niemand so ganz entziehen: Die Einen hassen das Fest, den Trubel, die Hektik, den Kommerz; andere fühlen sich überfordert von den Wünschen, Ansprüchen anderer und den Erwartungen an sich selbst; noch einmal andere fürchten die Tage des Stillstands, des Alleinseins. Und daneben, nicht zu vergessen, die vielen Weihnachtsenthusiasten, die das Miteinander mit Freunden und Verwandtschaft, das Feiern, Essen, Ausruhen, Pause haben, durchaus und sehr bewusst genießen und auskosten.

Mir selbst ist in den letzten Jahren Weihnachten zunehmend schwer gefallen; für mich war es jeweils eine teils recht unangenehme Verkettung des Bewusstwerdens von Dingen, die im Laufe des Jahres nicht gut gelaufen waren; eine defizitorientierte Kalkulation meiner Leistungen in allen möglichen Bereichen. In diesem Jahr habe ich beschlossen, dass ich hinnehme und nicht mit mir hadern werde, dass beispielsweise der Advent jedes Mal rascher kommt und noch rascher bereits vorbei ist, ehe man ihn wahrgenommen hat; dass ich nicht alle Geschenke so beisammen habe wie ich es gern sähe; dass ich nicht harmonieerfüllt und glückstrahlend nach Hause komme (und erst recht nicht überpünktlich); dass es nicht stressfrei zugehen kann, wenn im Laufe weniger Tage mindestens 9 oder 10 Menschen im ständigen Wechsel aufeinander treffen.

Bei aller Hektik, allem Bedauern, aller Angst und Unzufriedenheit jedoch, die nun einmal da sind und sich in alljährlicher Zuverlässigkeit wieder mit am Gabentisch versammeln, möchte ich jedoch ganz bewusst ein Gegengewicht setzen, und dankbar sein für die unzähligen glücklichen Wendungen dieses vergangenen Jahres, für die Kraft und Energie, die doch immer wieder vorhanden waren und die vielen schönen Momente, alltäglicher Art meist, die mindestens ebenso verlässlich und treu da waren wie die weniger angenehmen.

Und egal, ob ihr nun heute allein feiern müsst (oder dürft), einen langweiligen und langwierigen Abend vor euch habt, einen besinnlichruhigen, oder auch eine mehr oder weniger feuchtfröhliche Angelegenheit: Ich wünsche Euch eine gute Zeit, ein bisschen Besinnung, wie sie uns allen sicherlich einmal guttut, auch wenn es schmerzlich sein mag, und dass ihr die Zeit nutzen könnt, Euren Frieden mit dem zu machen, was ihr habt.

In diesem Sinne (und bevor ich weiter mit allzu großen Worten vor mich hin jongliere – und somit noch später zuhause aufkreuze als die Jahre zuvor): Fröhliche Weihnachten!